Kapitel 2

977 Worte
***Drake Kingston*** Sie drehte sich um, hielt einen Kaffeebecher in der Hand, und ihre karamellbraunen Augen trafen meine. Ein Hauch von Überraschung blitzte darin auf, bevor sie wieder diesen selbstbewussten, frechen Ausdruck annahmen. „Oh, Sie schon wieder.“ Ihre Stimme war honigsüß und gleichzeitig messerscharf. „Das bleibt nicht aus“, entgegnete ich mit einem selbstgefälligen Grinsen. „Es zieht mich immer dahin, wo es interessant wird.“ „Interessant?“ Sie zog eine Augenbraue hoch, stellte den Becher ab und verschränkte die Arme vor der Brust. Die Bewegung ließ die kleine grüne Schürze um ihren zierlichen Körper enger wirken. „Ich dachte, Männer wie Sie stehen mehr auf... wie soll ich sagen? Weniger Gegenwehr.“ Ich lehnte mich etwas näher zu ihr, ließ meinen Blick keine Sekunde von ihrem Gesicht ab. „Vielleicht. Aber manchmal reizt es, wenn etwas nicht so leicht zu haben ist.“ Sie lachte. Ein echtes, herzliches Lachen, das mich fast aus dem Konzept brachte. „Männer wie Sie? Reizen? Klingt für mich eher wie eine Herausforderung, die Sie sich nicht leisten können.“ Mein Grinsen wurde breiter. „Vielleicht mag ich Herausforderungen.“ Sie musterte mich, ließ ihren Blick langsam von meiner Sonnenbrille über mein Hemd bis hin zu meiner offenen Haltung gleiten. Dann nahm sie einen Becher, schrieb etwas darauf und schob ihn mir über die Theke. „Hier. Auf Kosten des Hauses“, sagte sie mit einem kaum merklichen Lächeln. Ich nahm den Becher, drehte ihn in der Hand und sah die Nachricht, die sie darauf hinterlassen hatte: „Viel Spaß mit der Kälte. ;)“ Ich konnte nicht anders, ich lachte leise. „Du bist ein kleines Biest, weißt du das?“ Sie zuckte mit den Schultern, drehte sich wieder um und wandte mir den Rücken zu, als wäre ich bedeutungslos. Aber ich wusste, dass sie mich spürte. Das war noch lange nicht vorbei. Ich ließ den Becher langsam sinken und konnte den Blick nicht von ihr abwenden. Sie hatte etwas Unberechenbares an sich, etwas, das in mir ein längst vergessenes Feuer entfachte. Sie war nicht nur hübsch – hübsch waren viele – sie war provokant, selbstbewusst, und sie wusste ganz genau, wie man einen Mann wie mich aus der Reserve lockte. Ich kehrte mit einem leichten Grinsen zu meinem Tisch zurück, setzte mich und ignorierte die fragenden Blicke meiner Männer. Julian hatte schon bestellt, und kurz darauf stellte eine andere Barista meinen eiskalten Kaffee und den Bagel auf den Tisch. Doch das Interesse an meinem Essen war verpufft. Stattdessen beobachtete ich weiter, wie sie sich zwischen der Kaffeemaschine und den Kunden bewegte, mit einer Leichtigkeit und Eleganz, die fast hypnotisch wirkte. Ich fragte mich, ob sie wusste, welche Wirkung sie hatte. Sicherlich. Frauen wie sie taten nie etwas ohne Grund. „Boss, irgendwas stimmt nicht?“ fragte Julian, der meinen nachdenklichen Gesichtsausdruck bemerkte. Ich nahm einen Schluck von meinem Kaffee, ohne den Blick von ihr abzuwenden. „Nein. Alles bestens.“ „Diese Barista scheint dir irgendwie den Kopf verdreht zu haben“, stellte er mit einem Hauch von Belustigung fest. Ich lachte leise. „Verdreht? Julian, ich habe alles unter Kontrolle.“ „Sicher.“ Er zog die Augenbrauen hoch, lehnte sich zurück und begann mit den anderen ein Gespräch über die neuesten Entwicklungen in unserem Viertel. Aber ich war gedanklich woanders. Als wir schließlich aufbrachen, nahm ich mir vor, nicht einfach zu verschwinden. So leicht würde ich sie nicht vergessen, und so leicht sollte sie mich auch nicht abschütteln können. Ich ging zur Theke, diesmal ohne meine übliche Lässigkeit zu verbergen. Sie stand dort, sprach mit einer Kollegin, und als sie mich bemerkte, verstummte sie. „Danke für den Kaffee“, sagte ich mit einem gespielt freundlichen Ton, hielt den leeren Becher hoch und ließ ihn dann in den Mülleimer fallen. „Gern geschehen“, erwiderte sie und drehte sich halb weg, als wolle sie demonstrieren, dass sie keinerlei Interesse hatte, weiter mit mir zu sprechen. „Wie heißt du?“ fragte ich, ohne Umschweife. Sie hielt inne, drehte sich langsam zurück zu mir, und für einen Moment dachte ich, sie würde mich ignorieren. Doch dann lehnte sie sich leicht nach vorn, stützte sich mit einer Hand auf die Theke und sah mir direkt in die Augen – oder besser gesagt, in die Spiegelung meiner Sonnenbrille. „Warum interessiert Sie das?“ Ihre Stimme klang süß, aber die Worte stachen. „Nenn es Neugier“, antwortete ich. Sie lachte leise, als hätte ich gerade etwas unfassbar Dummes gesagt. „Neugier bringt einen Mann wie Sie oft in Schwierigkeiten.“ „Ich mag Schwierigkeiten“, entgegnete ich trocken. Einen Moment herrschte Stille zwischen uns. Die Welt um uns herum – das Stimmengewirr, das Zischen der Kaffeemaschine – verblasste. Sie musterte mich, als würde sie abwägen, ob ich eine Antwort wert war. „Emma“, sagte sie schließlich. „Aber ich wette, Sie haben das sowieso schon längst irgendwo aufgeschnappt.“ „Emma.“ Ich ließ den Namen auf meiner Zunge zergehen. Er passte zu ihr. Elegant, klassisch, mit einer gewissen Härte. „Und wie heißen Sie?“ fragte sie plötzlich. Ich grinste. „Drake.“ „Nun, Drake“, sagte sie und legte die Betonung absichtlich beiläufig, fast spöttisch. „Ich hoffe, Ihre... Region... erholt sich wieder.“ Ich lachte leise. „Mach dir keine Sorgen um mich, Emma. Ich bin ziemlich robust.“ Sie verdrehte die Augen, wandte sich ab und griff nach einer Bestellung. Doch ich konnte den kleinen Hauch eines Lächelns sehen, das sie nicht ganz verbergen konnte. Als ich ging, wusste ich eines: Das war noch lange nicht das Ende. Emma hatte etwas in mir geweckt, das ich schon lange nicht mehr gespürt hatte. Neugier, Lust, der unwiderstehliche Drang, etwas zu erobern, das sich nicht kampflos ergeben würde. Und ich liebte Herausforderungen.
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