Arya POV
Langsam öffnete ich meine Augen. Meine Blase drückte. Also wollte ich aufstehen und auf die Toilette gehen. Doch das Aufstehen wurde schwieriger als gedacht.
Ich war gerade dabei mich aufzusetzten, als ich an der Taille wieder nach unten gezogen wurde. Mein Körper landete gegen etwas hartem.
Ich schaute nach unten. Zwei Arme schlangen sich um meinen Bauch. Langsam drehte ich mich um. Ein komplett fremder Junge lag neben mir. Seine braunen Haare fielen ihm ins Gesicht und seine Augen waren geschlossen. Außerdem war er Oberkörper frei!
Schnell schaute ich an mir runter. Hallelujah, ich hatte noch meine Sachen an. Immerhin wurde ich nicht vergewaltigt.
Doch wie bin ich überhaupt hier her gekommen?!
Langsam fing mein Gehirn wieder an zu arbeiten. Ich war auf einer Lichtung, im Wald. Die Wolfsjungen waren da. Und ein Wolf. Ich habe den Wolf verhauen?!
Spitzenleistung! Jetzt bin ich keine zwei Wochen hier und schon stürzte ich mich auf das nächstbeste Raubtier.
Tolle Leistung. Lebensmüde oder was?!
Aber zurück zum Thema. Der Wolf ist abgehauen. Andere Wölfe kamen nach. Ein schwarzer Wolf. Ich habe ihn gestreichelt. Und dann, wars das. Und jetzt liege ich mit einem fremden Typen in einem Bett. Super! Erinnerungslücke. Wieso auch nicht.
Ich schaute den Jungen vor mir wieder an. Also schlecht sah er nicht aus. Aber trotzdem.
Was zur Hölle hatte er hier zu suchen?! Ich versuchte unbemerkt aus seinem Klammergriff raus zu kommen. Doch das lief nicht so erfolgreich. Kaum war ich ein paar Zentimeter von ihm weggerückt, schon zog er mich wieder zu sich hin. Er knurrte auf und vergrub seinen Kopf in meiner Halsbeuge. "Meins", sagte er und zog mich noch näher an ihn heran. Wenn das überhaupt möglich war.
Nagut, wenn nicht auf die sanfte, dann auf die harte Tour.
"Lass mich gefälligst los du Hornochse, oder du wirst den Tag bereuen, an dem du mich kennengelernt hast!", schrie ich ihn an.
Überrascht schaute er mich an. Ein klares grün spiegelten seine Augen wieder. Diese Augen, irgendwie kamen sie mir so bekannt vor. Doch ich durfte mich jetzt nicht ablenken lassen. Wütend funkelte ich ihn an. Doch er hielt mich weiterhin fest. Also tat ich das einzig logische was mir in den Sinn kam.
Ich haute ihm eine rein.
Seine Hand wanderte zu seiner geschlagenen Wange und ich sprang aus dem Bett raus. Im vorbeigehen schnappte ich mir die Nachttischlampe. Ich stellte mich an die nächste Wand und hielt ihm die Lampe entgegen. Doch er schaute immernoch überrascht zu mir und bewegte sich kein Stück. Gut so.
Ich schaute auf meine Hände. Hielt ich da tatsächlich eine Nachttischlampe?! Sag mal was für ein Problem habe ich mit meinen Waffen.
Zuerst die Wasserflasche bei dem Wolf und jetzt die Nachttischlampe bei diesem Psycho.
Egal, hauptsache sie erfüllte ihren Zweck und dieser Typ blieb weg von mir. Jetzt war ich echt dankbar für meine Kampfausbildung.
Also Punkt eins hab ich. Situation sichern. Nun eine Fluchtmöglichkeit finden. Ich schaute mich um. Hinter dem Bett war ein Fenster. Außerdem waren zwei Türen zu sehen. Eine rechts und eine links von mir. Das Fenster wäre als Fluchtmöglichkeit zu riskant. Erstens müsste ich dafür an ihm vorbei und zweitens wusste ich nicht in welchem Stock wir waren. Die Türen waren eine fifty-fifty Chance. Eine führte warscheinlich zu einem Bad. Die andere den Weg nach draußen.
Ich schaute wieder den Typen an. Er hatte sich nicht bewegt. Soweit so gut. Plötzlich hörte ich Schritte. Die rechte Tür ging auf. Ein Junge, vielleicht ein bisschen älter als ich kam herein.
Erst schaute er überrascht zu dem Typen im Bett und dann zu mir. Ich ließ meine Lampe zwischen den beiden hin- und herschwenken.
Wer würde mich als erstes angreifen? Ich entschied mich für den Typen an der Tür. Als er die Nachttischlampe in meinen Händen sah musste er schmunzeln. Ich musste zugeben es war nicht die erwünschte Waffe, aber besser als gar nichts.
Er kam auf mich zu. Beschwichtigend hob er die Hände.
"Ganz ruhig, niemand will dir etwas tun,also leg bitte die Nachttischlampe weg", versuchte er mich zu beruhigen.
Er wirkte sympathisch und nett. Doch dadurch durfte ich mich nicht täuschen lassen.
Stur hielt ich die Lampe umklammert. Doch anstatt weg zu gehen, kam er immer mehr auf mich zu. Ich bekam Panik.
Okay, beruhig dich. Versuch dich zu erinnern. Was hatte mir Mr. Chen gesagt? Was sagten die immer bei solchen Sachen in Filmen? Irgendwas mit Angriff in der Verteidigung. Der Typ stand nun fast vor mir.
Angriff war die beste Verteidigung!
Ich schrie auf und haute ihm die Lampe ins Gesicht. Zischend legte er seine Hände darauf,doch ich war noch nicht fertig. Ich nahm die Lampe in die rechte Hand und schlug ihm mit der linken in den Bauch. Er krümmte sich vor Schmerz. Schnell rannte ich an ihm vorbei zur Tür und auf den Flur.