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Emma
»… und dann sagte der Tierarzt, dass Mr. Puffs nicht bereit dafür ist, und ich …«
»Das reicht.« Kendall stellt ihr Glas Eistee mit einem solchen Schwung ab, dass die sechs Dollar teure Flüssigkeit über den Rand schwappt. Sie nimmt die Serviette, wischt das Verschüttete auf und starrt mich über ihren Teller mit dem halb gegessenen Buchweizencrêpe hinweg an.
»Was?« Ich blinzele meine beste Freundin an.
»Ist dir klar, dass du die letzte halbe Stunde über Mr. Puffs, Cottonball und Queen Elizabeth gesprochen hast?« Kendall beugt sich nach vorn, und ihre braunen Augen verengen sich. »Es ist Katze hin, Katze her, Tierarzt das.«
»Oh.« Ich erröte und schaue auf die Uhr an der Wand des Brunchrestaurants, in das Kendall mich geschleppt hat. Tatsächlich ist es fast dreißig Minuten her, seit wir hier sind – und ich habe in dieser Zeit nicht ein einziges Mal die Klappe gehalten. Verlegen blicke ich zurück zu Kendall. »Tut mir leid. Ich wollte dich nicht langweilen.«
»Nein, Emma.« Kendalls Tonfall ist übertrieben geduldig, als sie sich zurücklehnt und ihr glattes, dunkles Haar über die Schulter wirft. »Du hast mich nicht gelangweilt. Aber du hast mir etwas klargemacht.«
»Was?«
»Du, mein Liebling, bist offiziell eine Katzenlady.«
Meine Kinnlade klappt nach unten. »Was?«
»Ja. Eine echte Katzenlady.«
»Das bin ich nicht!«
»Nein?« Sie zieht eine perfekt geformte Augenbraue in die Höhe. »Dann lass uns die Fakten durchgehen. Wann war das letzte Mal, dass du dein Haar professionell gestylt hast?«
»Ähm …« Verlegen spiele ich mit dem roten Lockenwirrwarr auf meinem Kopf. »Vielleicht vor einem Jahr oder so?« Es war tatsächlich für Kendalls Party zu ihrem fünfundzwanzigsten Geburtstag, was bedeutet, dass es mindestens achtzehn Monate her ist, seit etwas anderes als ein Kamm das krause Durcheinander berührt hat.
»Richtig.« Kendall zerteilt den Crêpe mit der Anmut von Queen Elisabeth – meiner Katze, nicht der britischen Monarchin. Nachdem sie ihren Bissen gekaut hat, fragt sie: »Und dein letztes Date war wann?«
Ich muss wirklich nachdenken, um eins zu finden. »Vor zwei Monaten«, sage ich triumphierend, als die Erinnerung endlich wiederkommt. Ich schneide ein Stück meines eigenen Crêpes ab, stecke es mir in den Mund und murmele: »Das ist noch nicht so lange her.«
»Nein«, stimmt Kendall zu. »Aber ich rede von einem richtigen Date, nicht von einem Mitleidskaffee mit deinem 60-jährigen Nachbarn.«
»Roger ist keine sechzig. Er ist höchstens 49 Jahre alt.«
»Und du bist sechsundzwanzig. Ende der Geschichte. Weiche der Frage nicht aus. Wann hattest du das letzte Mal ein richtiges Date?«
Ich hebe mein Glas Wasser an und schütte es hinunter, während ich versuche, mich zu erinnern. Ich muss zugeben, Kendall hat mich damit überrumpelt. »Vielleicht vor einem Jahr?«, versuche ich es, obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass das fragliche Date – ein wirklich nicht erinnerungswürdiges Ereignis – weit vor Kendalls Geburtstagsfeier stattgefunden hat.
»Ein Jahr?« Kendall trommelt mit ihren taupefarbenen Nägeln auf dem Tisch. »Wirklich, Emma? Ein Jahr?«
»Was?« Ich versuche, das Erröten, das meinen Hals überzieht, zu ignorieren, und konzentriere mich darauf, den Rest meines Zweiundzwanzig-Dollar-Crêpes zu konsumieren. »Ich bin beschäftigt.«
»Mit deinen Katzen«, sagt sie spitz. »Allen dreien. Sieh es ein: Du bist eine Katzenlady.«
Ich schaue von meinem Teller auf und rolle mit den Augen. »Gut. Wenn du darauf bestehst, dann ja, ich bin eine Katzenlady.«
»Und das ist für dich in Ordnung?« Sie schaut mich ungläubig an.
»Was, soll ich verzweifelt von der Brooklyn Bridge springen?« Ich schiebe mir den letzten Bissen meines Crêpes in den Mund. Ich bin immer noch hungrig, aber ich habe nicht vor, noch etwas von der überteuerten Speisekarte zu bestellen. »Katzen zu mögen ist kein Verbrechen.«
»Nein, aber all seine freie Zeit damit zu verbringen, Katzenklos zu leeren, während man in New York City lebt, schon.« Kendall schiebt ihren eigenen leeren Teller weg. »Du bist im besten Alter, um dir einen Mann zu schnappen, und du verabredest dich überhaupt nicht.«
Ich atme gereizt aus. »Weil ich einfach keine Zeit habe – und außerdem, wer sagt, dass ich mir jemanden schnappen will? Mir geht es hervorragend allein.«
»Sagt sie – und macht das Gleiche, was jede andere Katzenlady über sich selbst sagt. Ehrlich, Emma, wann hattest du das letzte Mal s*x mit etwas anderem als deinem Vibrator?«
Kendall macht sich nicht die Mühe, ihre Stimme zu senken, als sie das sagt, und ich fühle, wie mein Gesicht wieder rot wird, als ein schwules Paar am Tisch neben uns herüberblickt und kichert.
Glücklicherweise vibriert Kendalls Prada-Täschchen, bevor ich antworten kann.
»Oh.« Sie runzelt die Stirn, als sie ihr Handy herausfischt und liest, was auch immer das Display anzeigt. Sie schaut auf und winkt dem Kellner. »Ich muss los«, sagt sie entschuldigend. »Mein Chef hatte gerade einen Durchbruch mit dem Design des Kleides, mit dem er zu kämpfen hatte, und er braucht mich, um ihm ein paar Models zu besorgen, pronto.«
»Kein Problem.« Ich bin an Kendalls unberechenbaren Job in der Modebranche gewöhnt. Ich ziehe meine EC-Karte hervor, sage: »Wir treffen uns bald wieder«, und nehme mein Handy heraus, um meinen Kontostand zu überprüfen.