KAPITEL EINS
»Herzlich willkommen zu Hause, mein Schatz«, sagte Korum leise, als die grüne Landschaft Lenkardas unter ihnen erschien und sie genauso sanft landeten, wie sie gestartet waren.
Mit klopfendem Herzen erhob sich Mia von dem Stuhl, der ihren Körper so angenehm umschlossen hatte. Korum war schon auf den Beinen und streckte seine Hand zu ihr aus. Sie zögerte einen Moment, griff dann aber nach ihr und krallte sich mit einem Zangengriff daran fest. Der Liebhaber, den sie die letzten Monate als ihren Feind angesehen hatte, war jetzt das Einzige, was ihr in diesem fremden Land einen Halt gab.
Sie verließen das Flugzeug und gingen ein paar Schritte, bevor Korum anhielt. Er drehte sich zu dem Objekt um, führte eine kleine Bewegung mit seiner freien Hand aus, und plötzlich begann die Luft rund um die Gondel zu flimmern, und Mia hörte wieder das summende Geräusch der Nanomaschinen, die arbeiteten.
»Baust du noch etwas anderes?«, fragte sie ihn überrascht.
Er schüttelte lächelnd seinen Kopf. »Nein, ich demontiere.«
Und während Mia dabei zusah, schälten sich elfenbeinfarbene Schichten des Materials von der Oberfläche des Schiffs ab und lösten sich vor ihren Augen auf. Innerhalb einer Minute war das Schiff komplett verschwunden, alle seine Komponenten waren wieder in die individuellen Atome zersetzt, die sie vor der Kreation der Gondel in New York gewesen waren.
Trotz des ganzen Stresses und ihrer Abgeschlagenheit war Mia ganz fasziniert von diesem Wunder, das sie gerade beobachtet hatte. Das Fluggerät, das sie eben noch Tausende von Kilometern transportiert hatte, war gerade innerhalb weniger Minuten vollständig aufgelöst worden, so als hätte es nie existiert.
»Warum hast du das gemacht?«, fragte sie Korum. »Warum hast du es demontiert?«
»Weil es momentan keinen Grund dafür gibt, dass es existiert und Platz beansprucht«, erklärte er. »Ich kann es ja einfach wieder herstellen, wann immer wir es brauchen.«
Stimmt, das konnte er. Mia hatte es ja vor ein paar Minuten mit ihren eigenen Augen auf dem Dach seines Apartments in Manhattan gesehen. Und jetzt hatte er wieder alles rückgängig gemacht. Die Gondel, die sie hierhertransportiert hatte, existierte nicht mehr.
Als ihr die volle Tragweite dieser Tatsache bewusst wurde, stieg ihre Herzfrequenz wieder an, und sie hatte plötzlich Schwierigkeiten, zu atmen.
Eine Panikwelle rollte über sie hinweg.
Sie befand sich jetzt mittel- und hilflos in Costa Rica, in der Hauptsiedlung der Krinar – und war völlig abhängig von Korum. Er hatte das Schiff kreiert, das sie hierhergebracht hatte, und jetzt hatte er es gerade wieder aufgelöst. Falls es einen anderen Weg raus aus Lenkarda gab, dann wüsste Mia nicht, welchen.
Was, wenn er sie angelogen hatte? Was, wenn sie ihre Familie nie wiedersehen würde?
Sie musste genauso verängstigt ausgesehen haben wie sie sich fühlte, denn Korum drückte liebevoll ihre Hand. Seine Hand zu spüren war seltsam beruhigend. »Mach dir keine Sorgen«, sagte er sanft. »Es wird alles gut werden, versprochen.«
Mia konzentrierte sich darauf, tief durchzuatmen, und versuchte dadurch, ihre aufsteigende Panik zurückzudrängen. Sie hatte keine andere Wahl, als ihm jetzt zu vertrauen. Selbst als sie noch in New York gewesen waren, hatte er alles mit ihr machen können, was er wollte. Es gab keinen Grund für ihn, ihr Sachen zu versprechen, von denen er nicht vorhatte, sie zu halten.
Und trotzdem nagte eine irrationale Angst an ihr und steuerte das ihrige zu dem sowieso schon unappetitlichen Gefühlsgebräu hinzu, das in ihr kochte. Das Wissen darüber, dass Korum sie die ganze Zeit über manipuliert und sie dazu benutzt hatte, den Widerstand zu zerstören, fraß sich wie Säure durch ihren Magen und verbrannte sie von innen heraus. Alles, was er getan hatte, alles, was er gesagt hatte, war Teil seines Planes gewesen. Während sie der Gedanke gequält hatte, ihn auszuspionieren, hatte er wahrscheinlich heimlich über ihre armseligen Versuche, ihn auszutricksen, gelacht. Schließlich wollte sie ja damit der Sache helfen, von der er von Anfang an gewusst hatte, dass sie scheitern würde.
Sie fühlte sich jetzt im Nachhinein wie ein Idiot, weil sie einfach alles hingenommen hatte, was der Widerstand ihr erzählte. Zu jener Zeit hatte es viel Sinn ergeben; sie hatte sich so edel dabei gefühlt, ihrer Rasse gegen die Eindringlinge, die ihren Planeten übernommen hatten, zu helfen. Aber stattdessen hatte sie unwissentlich einer kleinen Gruppe von Krinar geholfen, die die Macht auf der Erde an sich reißen wollte.
Warum hatte sie nicht innegehalten, um erst einmal die ganze Situation zu analysieren?
Korum hatte ihr erzählt, dass die ganze Widerstandsbewegung falsch gewesen war, völlig fehlgeleitet in ihrem Ziel. Und Mia hatte nicht anders gekonnt, als ihm zu glauben.
Die Krinar hatten die Freiheitskämpfer, die ihre Siedlungen angegriffen hatten, nicht umgebracht – und allein diese Tatsache hatte ihr eine Menge über die Krinar und ihre Einstellung zu den Menschen gezeigt. Wenn die Krinar wirklich solche Monster gewesen wären, wie der Widerstand es immer dargestellt hatte, dann hätte keiner der Kämpfer überlebt.
Aber trotzdem vertraute sie Korum nicht hundertprozentig, was seine Definition eines Charls betraf. Als John über seine verschleppte Schwester gesprochen hatte, war zu viel Schmerz in seiner Stimme gewesen, um alles das, was er erzählt hatte, als eine Lüge abzutun. Und die Art und Weise, wie Korum sich ihr gegenüber verhielt, passte auch besser zu Johns Erklärung als zu Korums. Ihr Liebhaber hatte abgestritten, dass die Krinar Menschen als Lustsklaven hielten, hatte ihr aber trotzdem in allem, was ihre Beziehung betraf, kaum eine Wahl gelassen. Er wollte sie, und deshalb war ihr Leben eben nicht mehr ihr eigenes. Sie war einfach mitgerissen worden und in seinem Tribeca-Penthouse gelandet – und jetzt war sie hier, in der Siedlung der Krinar in Costa Rica, und folgte ihm zu einem ihr unbekannten Ort.
So sehr sie sich vor der Antwort auf ihre Frage fürchtete, sie musste es einfach wissen. »Ist Dana hier?«, fragte Mia vorsichtig, da sie ihn nicht wütend machen wollte. »Johns Schwester? John hat gesagt, dass sie in Lenkarda sei …«
»Nein«, sagte Korum und warf ihr dabei einen unleserlichen Blick zu. »John war von den Keiths – ich nehme an, mit voller Absicht – falsch informiert worden.«
»Sie ist kein Charl?«
»Nein, Mia, sie war niemals ein wirklicher Charl. Sie war das, was du einen Xeno nennen würdest – ein Mensch, der von allem besessen ist, was mit den Krinar zusammenhängt. Ihre Familie hat das nie gewusst. Als sie Litmir in Mexiko getroffen hat, hat sie ihn angebettelt, mit ihm mitgehen zu dürfen, und er hat eingewilligt, sie eine Zeit lang mitzunehmen. Das Letzte, was ich von ihr gehört habe ist, dass sie jemand anderen hat, der sie mit nach Krina nehmen wollte. Ich gehe davon aus, dass sie dort sehr glücklich sein wird, wenn man ihre Vorlieben bedenkt. Und der Grund dafür, dass sie ihre Familie verlassen hat, ohne ihr auch nur ein Wort davon zu sagen, hat wahrscheinlich etwas mit ihrem Vater zu tun.«
»Ihrem Vater?«
»Dana und John hatten keine sehr glückliche Kindheit«, sagte Korum, und Mia spürte, wie seine Hand ihren Griff verstärkte. »Ihr Vater ist jemand, der schon vor langer Zeit hätte unschädlich gemacht werden müssen. Den Informationen nach, die wir über deinen Kontakt zum Widerstand gesammelt haben, lebt Johns Vater einen bestimmten Fetisch aus, der sehr junge Kinder beinhaltet …«
»Er ist pädophil?«, fragte Mia leise, und die Galle kam ihr bei dem Gedanken daran hoch.
Korum nickte. »Genau das. Ich glaube, seine Kinder waren die Ersten, die seine Zuneigung zu spüren bekamen.«
Ihre Übelkeit bekämpfend, und voller Mitleid mit John und Dana, sah Mia weg. Wenn das stimmte, dann konnte niemand Dana einen Vorwurf daraus machen, dass sie weggehen wollte, um alles das, was mit ihrem alten Leben zu tun hatte, hinter sich zu lassen. Obwohl Mias eigene Familie normal und liebevoll war, hatte sie letzten Sommer im Zuge ihres Praktikums mit Opfern häuslicher Gewalt und Kindesmissbrauchs zu tun gehabt. Sie wusste, welche Narben das auf den Kinderseelen zurückließ. Einige dieser Kinder würden sich, wenn sie erst einmal älter wären, Alkohol oder Drogen zuwenden, um ihren Schmerz zu betäuben. Dana hatte sich offensichtlich dem s*x mit den Krinar zugewandt.
Natürlich nur, wenn Korum sie in dieser ganzen Angelegenheit nicht anlog.
Während sie darüber nachdachte, kam sie zu dem Entschluss, dass er das wahrscheinlich nicht tat. Warum sollte er? Es war ja schließlich nicht so, als könnte sie mit ihm Schluss machen, selbst dann nicht, wenn sie herausfand, dass Dana dort gegen ihren Willen festgehalten wurde.
»Und was ist mit John?«, fragte sie. »Ist er in Ordnung? Und Leslie?«
»Ich nehme es an«, sagte er mit deutlich kühlerer Stimme. »Keiner der beiden wurde bis jetzt festgenommen.«
Erleichtert beschloss Mia, es dabei zu belassen. Sie hatte die Vermutung, dass mit Korum über den Widerstand zu sprechen nicht das Cleverste war, was sie in ihrer Situation gerade machen konnte. Stattdessen konzentrierte sie sich auf ihre Umgebung.
»Wohin gehen wir?«, fragte sie und sah sich um. Sie liefen gerade durch etwas, was wie ein unberührter Wald aussah. Kleine Äste und Zweige knackten unter ihren Füßen, und sie konnte überall Naturlaute hören – Vögel, verschiedene Arten summender Insekten, raschelnde Blätter. Sie hatte keine Ahnung, was er für den Rest des Tages geplant hatte, aber sie wollte einfach nur noch ihren Kopf unter eine Decke stecken und so einige Stunden lang unauffindbar verharren. Die Ereignisse des Morgens und die daraus resultierenden Gefühlsausbrüche hatten sie komplett ausgelaugt, und sie brauchte dringend eine Auszeit, um alles das verarbeiten zu können, was passiert war.
»Zu meinem Haus«, antwortete Korum und drehte sich dabei zu ihr um. Und wieder zeigte sich ein leichtes Lächeln auf seinem Gesicht. »Es ist nicht weit zu Fuß von hier. Und sobald wir da sind, wirst du dich entspannen und ein wenig ausruhen können.«
Mia warf ihm einen misstrauischen Blick zu. Seine Antwort war erschreckend nah an dem gewesen, was sie gerade gedacht hatte. »Kannst du meine Gedanken lesen?«, fragte sie völlig entsetzt von dieser Vorstellung.
Er grinste, und sein Grübchen an der linken Wange kam zum Vorschein. »Das wäre schön – aber nein. Ich kenne dich bloß jetzt schon gut genug um zu merken, wann du erschöpft bist.«
Erleichtert nickte Mia und konzentrierte sich darauf, einen Fuß vor den anderen zu setzen, als sie durch den Wald liefen. Trotz allem reichte ein Lächeln von ihm, um ihren Körper mit warmen Gefühlen zu durchfluten.
Du bist ein Idiot, Mia.
Wie konnte sie immer noch so für ihn empfinden, nach allem, was sie seinetwegen hatte durchmachen müssen, nachdem er sie so manipuliert hatte? Was für ein Mensch war sie nur, sich in einen Außerirdischen zu verlieben, der ihr ganzes Leben bestimmte.
Sie war von sich selbst angeekelt, konnte aber trotzdem nichts dagegen tun. Wenn er so lächelte, konnte sie vor lauter Glück über die Tatsache, gerade mit ihm zusammen zu sein, fast alles vergessen, was mit ihr und um sie herum passierte. Unter der ganzen Verbitterung war sie heilfroh, dass der Widerstand keinen Erfolg gehabt hatte.
Ihre Gedanken wanderten zu dem zurück, was er vorhin gesagt hatte … als er ihr gestanden hatte, Gefühle für sie entwickelt zu haben. Er hatte auch zugegeben, dass er das nicht vorgehabt hatte, und Mia erkannte, dass es richtig von ihr gewesen war, ihn zu fürchten und sich gegen ihn zu wehren – er hatte sie anfangs wirklich als sein Spielzeug, als seinen kleinen, menschlichen Zeitvertreib angesehen, den er nach Belieben benutzen und entsorgen konnte. Natürlich war Gefühle empfinden noch weit von einer Liebeserklärung entfernt, aber trotzdem war es mehr, als sie jemals von ihm erwartet hätte. Wie Balsam auf einer eitrigen Wunde schafften es seine Worte, dass sie sich ein klitzekleines bisschen besser fühlte, gaben ihr die Hoffnung, dass vielleicht doch wieder alles in Ordnung kommen würde und er vielleicht sogar seine Versprechen hielt und sie ihre Familie bald wiedersehen konnte …
Ein matschiges Gefühl unter ihrem Fuß riss sie aus ihren Gedanken. Überrascht schaute Mia nach unten und sah, dass sie auf ein großes, gepanzertes Insekt getreten war. »Iiiih!«
»Was ist los?«, fragte Korum überrascht.
»Ich bin gerade auf etwas getreten«, erklärte Mia ihm angeekelt, während sie versuchte, sich ihren Turnschuh am nächstbesten Grasbüschel zu säubern.
Er sah belustigt aus. »Sag jetzt nicht … Hast du Angst vor Insekten?«
»Ich würde es nicht direkt als Angst bezeichnen«, sagte Mia vorsichtig. »Es ist eher so, dass ich sie unglaublich widerlich finde.«
Er lachte. »Warum? Sie sind doch nur eine andere Art lebende Kreaturen, genauso wie du und ich.«
Mia zuckte mit den Schultern und entschied sich dagegen, es ihm zu erklären. Sie war sich auch nicht sicher, ob sie es überhaupt selbst verstand. Stattdessen betrachtete sie lieber eingehender ihre Umgebung. Obwohl sie in Florida aufgewachsen war, fühlte sie sich in der tropischen Natur in ihrer ursprünglichen Form nicht wirklich wohl. Sie bevorzugte definitiv ordentlich gepflasterte Wege in wunderschön gestalteten Parks, wo sie mit möglichst wenig Kontakt zu Insekten auf einer Bank sitzen und die frische Luft genießen konnte.
»Habt ihr keine Straßen oder Gehwege?«, fragte sie Korum fassungslos, als sie gerade über etwas sprang, was aussah wie ein Ameisenbau.
Er lächelte sie nachsichtig an. »Nein. Wir mögen unser Umfeld so natürlich und unverändert, wie es nur geht.«
Mia rümpfte ihre Nase und mochte diesen Gedanken überhaupt nicht. Ihre Turnschuhe waren schon komplett mit Schlamm überzogen, und sie war dankbar dafür, dass die offizielle Regensaison in Costa Rica noch nicht begonnen hatte. Ansonsten würde sie sich jetzt wohl durch Sumpfland kämpfen, schoss es Mia durch den Kopf. In Anbetracht des hochfortschrittlichen Standards der krinarischen Technologie fand sie es komisch, dass sie unter solchen primitiven Bedingungen leben wollten.
Eine Minute später betraten sie eine weitere Lichtung, diesmal allerdings eine sehr viel größere. In ihrer Mitte stand ein cremefarbenes Gebäude. Es hatte die Form eines gestreckten Würfels mit abgerundeten Ecken und besaß weder Fenster noch Türen – oder andere sichtbare Öffnungen.
»Ist das dein Haus?«
Mia hatte solche Gebäude wie dieses heute Morgen in der dreidimensionalen Karte in Korums Arbeitszimmer gesehen. Sie hatten auf sie aus der Entfernung eigenartig und ungewohnt gewirkt, und dieser Eindruck verstärkte sich jetzt, als sie es ganz aus der Nähe betrachtete. Es sah einfach so unglaublich fremdartig aus, so anders als alles andere, was sie bis jetzt in ihrem ganzen Leben gesehen hatte.
Korum nickte und führte sie zum Gebäude. »Ja, das ist mein Zuhause – und jetzt ist es auch deines.«
Mia schluckte nervös, als ihre Angst durch seine letzte Aussage verstärkt wurde. Warum sagte er das immer wieder? Dachte er wirklich, sie würde für immer hier leben? Er hatte ihr versprochen, sie zurück nach New York zu bringen, damit sie ihr letztes Jahr an der Uni beenden konnte, und Mia klammerte sich verzweifelt an diesem Gedanken fest, als sie auf die hellen Wände des Hauses starrte, die vor ihr schimmerten.
Als sie sich näherten, löste sich die Wand vor ihnen auf einmal auf, und es entstand eine Öffnung, die groß genug war, um sie eintreten zu lassen.
Überrascht atmete Mia hörbar ein, und Korum lächelte über ihre Reaktion. »Mach dir keine Sorgen«, sagte er. »Das ist ein intelligentes Gebäude. Es sieht deine Bedürfnisse voraus und erschafft Durchgänge, wo welche benötigt werden. Das ist nichts, vor was du Angst haben müsstest.«
»Macht es das für jeden oder nur für dich?«, fragte Mia und hielt vor der Öffnung an. Sie wusste, dass ihr Zögern, hineinzugehen, nicht logisch war. Wenn Korum vorhaben sollte, sie gefangen zu halten, dann konnte sie sowieso nichts dagegen machen – sie befand sich ja schon in einer außerirdischen Kolonie aus der sie keine Fluchtmöglichkeiten hatte. Und trotzdem brachte sie es nicht fertig, freiwillig ihr neues Zuhause zu betreten, ohne dass sie sich sicher war, es auch wieder ungehindert verlassen zu können.
Korum, der ihre Bedenken zu erahnen schien, warf ihr einen aufmunternden Blick zu. »Das wird es auch für dich tun. Du kannst, wann immer du möchtest, das Haus betreten oder verlassen, auch wenn es für dich das Beste sein könnte, die ersten Wochen in meiner Nähe zu bleiben … zumindest bis du dich an unsere Art zu leben gewöhnt hast, und ich die Möglichkeit hatte, dich den anderen vorzustellen.«
Mia atmete erleichtert aus und schaute zu ihm hoch. »Danke«, sagte sie leise, und ein Teil ihrer Panik verschwand.
Vielleicht würde es ja doch nicht so schlimm sein, vorübergehend hier zu leben. Wenn er sie wirklich am Ende des Sommers zurück nach New York bringen würde, wäre die Zeit in Lenkarda einfach nur ein mehrmonatiger Aufenthalt an einem unglaublichen Ort, den sich nur wenige Menschen überhaupt vorstellen konnten, und dann auch noch zusammen mit dem außergewöhnlichen Geschöpf, in das sie sich verliebt hatte.
Da sie sich jetzt ein wenig mit der Situation angefreundet hatte, trat Mia durch die Öffnung und betrat zum ersten Mal in ihrem Leben ein krinarisches Wohnhaus.