Kapitel 3

3675 Parole
3 Marcus Emmas graue Augen sind so groß, dass ich darin ertrinken könnte, und ihre Sommersprossen heben sich deutlich hervor, als alle Farbe ihr ohnehin schon blasses Gesicht verlässt. Ihre Locken sind wilder als sonst, sie schweben um ihren Kopf wie ein Feuerschein, und ihr kleiner, kurvenreicher Körper ist steif vor Schock, als sie mich von der anderen Seite des Raumes aus mit ihrem ebenso fassungslosen Großvater hinter sich anstarrt. »Hallo, Kätzchen«, sage ich ruhig, auch wenn die dunkle Vorfreude in meinem Blut kocht und sich mit anhaltender Wut und Schmerz vermischt. »Weißt du was? Ich habe meine Arbeit frühzeitig beendet und beschlossen, dich zu überraschen. »Er ist auf den Flughafen von Daytona Beach geflogen und vor einer halben Stunde angekommen, ist das zu glauben?«, ruft Mary Walsh aus, die vor Aufregung fast platzt. »Ich wollte dich anrufen, aber Marcus dachte, es würde mehr Spaß machen, dich hier zu begrüßen, wenn du ankommst. Wir haben Tee getrunken und Kekse gegessen und …« »Entschuldigt mich«, sagt Emma angespannt, nachdem sie sich von ihrer Lähmung erholt hat, marschiert auf mich zu, ergreift meinen Arm und schaut ihre Großeltern an. »Marcus und ich müssen reden.« Marys fröhliches Gesicht verschwindet, als sie merkt, dass ihre Freude nicht geteilt wird. »Natürlich, ich bin sicher, ihr beide müsst …« Ich höre den Rest von dem, was sie sagt, nicht, weil Emma mich aus dem Haus zerrt. Natürlich nicht im wörtlichen Sinne – sie ist winzig im Vergleich zu mir –, aber indem sie mich mit so viel Kraft am Arm zerrt, dass ich mich nicht widersetzen könnte, ohne dass ihre Großeltern merken, dass meine Anwesenheit nicht gerade willkommen ist. Sie müssen das gerade sowieso schon vermuten. Zarte Finger graben sich heftig in meinen Unterarm, als Emma mich die Straße hinunterschleppt, bis wir zwei Häuser weiter sind und durch die üppige Bepflanzung der Nachbarn vor den Augen ihrer Großeltern verborgen werden. Erst dann lässt sie meinen Arm los und tritt zurück, wobei sie mich mit so viel Wut anstarrt, dass jede Locke auf ihrem Kopf einen Freudentanz aufzuführen scheint. »Was zum Teufel machst du hier?«, zischt sie und ballt ihre am Körper herabhängenden kleinen Fäuste zusammen. »Ich habe dir gesagt, dass es vorbei ist …« »Und ich habe mich geweigert, das zu akzeptieren«, informiere ich sie grimmig – obwohl ich sie eigentlich einfach nur packen und sie zur Vernunft küssen will. Oder noch besser: ficken. Aber aus Respekt vor unserem öffentlichen Standort sage ich: »Zumindest schuldest du mir eine Erklärung.« »Du bist den ganzen Weg hierhergekommen, um eine Erklärung zu bekommen? Hast du noch nie von einer Erfindung namens Telefon gehört? Damit kann man anrufen und Nachrichten schreiben. Man kann sogar E-Mails damit verschicken.« Ihr Ton ist purer Sarkasmus, und das macht es mir umso schwerer, die Hände von ihrem köstlichen kleinen Körper zu lassen – der in eine enge Jeans und ein eingestecktes T-Shirt gehüllt ist, ein einfaches Outfit, das dennoch ihren vollen, herzförmigen Arsch und ihre schlanke Taille hervorhebt. Das gelbliche Licht der Straßenlampe, kombiniert mit der hohen Luftfeuchtigkeit, lässt ihre Porzellanhaut weich und taufrisch leuchten, und ich möchte sie nackt ausziehen und sie überall schmecken, wobei ich mich auf die glatten, zarten Falten zwischen … Verdammt. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür. »Willst du mir jetzt sagen, dass du darauf reagiert hättest?«, frage ich ruhig und reiße meine Gedanken von den nicht jugendfreien Fantasien weg. Ich brauche keinen weiteren Treibstoff für mein Verlangen; mein Schwanz ist sowieso schon dabei, ein Loch in meine Jeans zu bohren. »Weil ich dich angerufen habe, als ich auf dem Weg zum Flughafen war. Wiederholt – aber ich habe nur die Mailbox dranbekommen.« Sie schiebt ihr Kinn heraus. »Vielleicht. Wie auch immer, du hattest kein Recht, im Haus meiner Großeltern aufzutauchen. Wie bist du überhaupt hierhergekommen? Alle Flüge nach Daytona sind seit Ewigkeiten ausverkauft.« Ein humorloses Lächeln erscheint auf meinen Lippen. »Ich habe einen Privatjet, Kätzchen.« Und einen Piloten, der unseren Flugplan von Orlando nach Daytona Beach ändern konnte, sobald ich erkannte, dass der Flughafen Daytona näher an meinem geplanten Zielort liegt. »Was das Aufkreuzen bei deinen Großeltern angeht, sie haben mich zu Thanksgiving eingeladen, erinnerst du dich?« Ihre Augen weiten sich bei der Erwähnung des Jets, aber dann zieht sie ihre Augenbrauen zusammen. »Das war vor unserer Trennung. Wenn sie wüssten …« »Aber das tun sie nicht, oder? Und du scheinst es nicht sehr eilig zu haben, es ihnen zu sagen.« Ich neige meinen Kopf. »Wieso nicht? Könnte es sein, dass du dir nicht so sicher über deine Entscheidung bist, wie es aussieht?« »Ich bin mir sicher.« Ihre kleinen Fäuste ballen sich fester zusammen, obwohl sie unbewusst einen Schritt zurücktritt. »Ich habe dir gesagt, dass ich dich nicht mehr sehen will.« Da ist sie, die widersprüchliche Körpersprache, nach der ich gesucht habe. Als ich ihr nachgehe, frage ich in einem trügerisch sanften Ton: »Warum nicht?« Sie blinzelt mich an. »Was meinst du mit ‚warum nicht‘?« »Das ist eine einfache Frage.« Ich hebe meine Hand und streiche eine hüpfende Locke hinter ihr Ohr. »Warum willst du mich nicht mehr sehen?« »Nun, weil – weil ich es nicht will, okay?« Sie bewegt sich, um aus meiner Reichweite zu treten, aber ich nehme ihre Hände in meine. »Warum nicht?«, wiederhole ich und reibe mit meinen Daumen über die Innenseiten ihrer Handgelenke. Ihr Puls rast unter der seidigen Haut. Ich bin ihr nicht gleichgültig, ganz im Gegenteil – und deshalb ergibt ihre Entscheidung keinen Sinn. Ich würde nie einer Frau nachjagen, die mich nicht will, aber Emma will mich. Ich habe ihre Sehnsucht nach mir geschmeckt, ich habe sie auf meinen Lippen und meiner Zunge gespürt. »Warum nicht? Weil wir nicht kompatibel sind!« Sie reißt ihre Hände aus meinem Griff, tritt zurück, und ihre Brust hebt und senkt sich mit sichtbarer Erregung. »Das führt nirgendwohin, also hat es keinen Sinn …« »Das führt nirgendwohin?« Zorn, heiß und stark, steigt in mir auf und vermischt sich mit der Lust, die durch meine Adern pumpt. Ich sehe die Umrisse ihres BHs unter dem dünnen Stoff ihres T-Shirts, und mein Schwanz pocht in meiner Hose und verlangt, in ihrem engen, süßen Körper begraben zu werden. »Wovon zum Teufel redest du da? Ich habe dich gebeten, einzuziehen.« »Weil du es nicht magst, wo ich wohne«, schreit sie und stellt sich auf ihre Zehenspitzen, um mit mir auf Augenhöhe zu kommen. Es ist ein lächerlicher Versuch – sie kommt kaum bis zu meinem Kinn, aber der Wind weht in ihre Locken, so dass sie mich im Nacken kitzeln, und anstatt Belustigung spüre ich ein heißes Aufwallen der Begierde, ein Bedürfnis, das so mächtig ist, dass es die Reste meiner Selbstbeherrschung auslöscht. Ohne einen Gedanken an die Nachbarn zu verschwenden, nehme ich ihr Gesicht zwischen meine Handflächen und beuge mich nach unten, um sie zu küssen – oder genauer gesagt, um sie lebendig zu verschlingen. Ich esse ihren Mund, als wäre es ihre Muschi, lutsche und lecke jeden Zentimeter ihrer weichen rosa Lippen, schiebe meine Zunge über ihre Zähne, streichele den Gaumen, koste und erkunde jeden Winkel. In ihrem Atem ist nur noch ein Hauch von Kaugummi – sie muss ihn gekaut haben, kurz bevor ich sie am Flughafen geküsst habe –, aber darunter ist ihr eigener honigartiger Geschmack und Duft, der mich so süchtig macht, dass ich weiß, dass ich nie genug davon bekommen werde. Und wenn ich sie davon überzeuge, bei mir einzuziehen, muss ich das auch nicht. Dann kann ich sie verschlingen, wann immer ich will. Zuerst ist sie steif und passiv – sie widersetzt sich zwar nicht, erwidert den Kuss aber auch nicht – doch schließlich gleiten ihre Hände in mein Haar, und ihre Nägel graben sich in meinen Schädel, während ihre Zunge wütend gegen die meine drückt. Sie küsst mich mit dem gleichen heftigen Hunger, der durch meine Adern pulsiert, wobei ihr Körper gegen meinen drückt und ihre kleinen Zähne in meine Unterlippe einsinken. Der leichte Schmerz steigert meine Erregung ins Unermessliche, und mit einem leisen Knurren lasse ich eine Hand auf ihrem Rücken hinuntergleiten, um sie auf ihren Po … »Und was glaubt ihr beide, was ihr da macht?« Die näselnde Stimme ist wie eine Schrotflinte, die neben uns losgeht. Erschrocken springen wir auseinander und stehen dem Störenfried gegenüber – einer kleinen Frau, die auf dem Rasen vor uns steht und alt genug aussieht, um während des Bürgerkriegs geboren worden zu sein. In ein blumiges Gewand gekleidet, das ihren zarten Körper vom Hals bis zu den Zehen bedeckt, stützt sie sich an eine Gehhilfe und starrt uns an, während die wenigen Strähnen, die von ihrem Haar übrig geblieben sind, in der Brise um ihr faltenzerfurchtes Gesicht wehen. »Es tut mir so leid, Mrs. Potts«, sagt Emma atemlos und schiebt sich mit einer zittrigen Hand die Locken aus dem Gesicht. Es ist schwer zu sagen in diesem Licht, aber ich bin ziemlich sicher, dass sie rot wird. »Wir wollten Sie nicht stören.« Die alte Frau blinzelt sie an. Emma, Liebling, bist du das? Und wer ist das?« Sie dreht ihre Gehhilfe in meine Richtung und schaut zu mir auf. »Ist das der junge Mann, von dem deine Großmutter uns erzählt hat?« »Oh, ähm … ja. Das ist Marcus. Marcus Carelli. Er ist ... er ist zu Besuch. Aus New York, wo er lebt.« Emma brabbelt, da sie eindeutig aus der Bahn geworfen ist, und trotz des schmerzhaften Drucks in meinen Eiern kann ich nicht anders, als ihr Unbehagen zu genießen. Das ist das Mindeste, was sie dafür verdient, mich so durch die Mangel zu drehen. Schließlich beschließe ich, Mitleid mit ihr zu haben. Ich gehe auf sie zu, lege einen Arm um ihre Taille und lächele die ältere Frau an. »Ich bin Emmas Freund und für Thanksgiving hier. Schön, Sie kennenzulernen, Mrs. Potts. Ich entschuldige mich, wenn wir Sie in irgendeiner Weise gestört haben.« Sie schnaubt und winkt mit einer gichtigen Hand. »Oh, kein Problem. Ich dachte, es seien die Teenager von der Straße, die wie üblich nichts Gutes im Schilde führen. Ihr zwei macht jetzt weiter euer Ding. Aber benutzt Kondome, okay?« Sie dreht sich um, schlurft zu ihrem Haus, und ich unterdrücke ein Lachen. Als ich jedoch auf Emma hinunterblicke, sieht sie mich mit frischer Wut und ohne auch nur einen Hauch von Belustigung auf ihrem Gesicht an. »Freund?«, zischt sie und stößt mich weg, sobald Frau Potts außer Hörweite ist. »Du bist nicht mein Freund.« Meine eigene Belustigung verschwindet. »Das ist nicht das, was deine Großeltern denken. Deine Großmutter war sogar ganz begeistert, als sie erfuhr, dass du bei mir einziehen wirst. Sie macht sich Sorgen, dass du allein in der Stadt lebst, wusstest du das? Fast so sehr, wie sie sich darüber Sorgen macht, dass du seit dem College mit niemandem mehr ausgegangen bist. Das heißt, vor mir. Sie ist sehr glücklich, dass wir zusammen sind.« Für einen Moment bin ich mir fast sicher, dass Emma mich gegen die Wand schlagen oder auf der Stelle explodieren wird. »Du hast meiner Großmutter gesagt, dass wir zusammenziehen?« »Das habe ich.« Ich lächele dunkel. »Wirst du ihr etwas anderes sagen? Ihr den Feiertag ruinieren?« Ich bin ein manipulativer Bastard, ich weiß, aber ich kämpfe für uns – und ich habe nicht die Absicht, zu verlieren. Für einen Moment scheint Emma sprachlos zu sein. Dann wird ihr Temperament zu einer Supernova. »Du … du Arschloch!« Ihre Locken vibrieren fast vor Empörung. »Wer glaubst du, wer du bist?« Mein Lächeln verdunkelt sich weiter. »Dein Freund, Kätzchen. Der Freund, mit dem du bald zusammenlebst – zumindest, was deine Großeltern betrifft. Es sei denn, es macht dir nichts aus, ihnen – und mir – zu sagen, warum genau du willst, dass alles vorbei ist.« »Das habe ich dir bereits gesagt. Weil wir nicht kompatibel sind«, sagt sie zähneknirschend. »Du willst deine perfekte Emmeline, und ich …« »Emmeline?« Ein Puzzleteil – eines, das ich selbst nie gefunden hätte – fügt sich an seinen Platz. »Ist es das, worum es hier geht? Emmeline?« Emmas ganzer Körper versteift sich, und dann sehe ich ihn – den Schmerz unter der Empörung und Wut. Ihre Augen sind viel zu hell, sie glitzern mit unvergossenen Tränen, und ihr Kinn zittert ganz leicht. Sie ist verletzt – irgendwie habe ich ihr wehgetan –, und all das ist eine Reaktion darauf. Nur, was hat Emmeline auf irgendeine Art damit zu tun? Ich habe nur einmal mit der Frau zu Abend gegessen – an dem Abend, an dem Emma und ich uns durch unsere Verwechslung von Emma-Emmeline und Mark-Marcus bei unseren Blind Dates kennengelernt haben. Die elegante Anwältin hätte auf dem Papier vielleicht gut gepasst, aber die Chemie zwischen uns war gleich null, und während des ganzen Abendessens konnte ich nur an die feurige kleine Rothaarige denken, die ich kurz mit Emmeline verwechselt hatte. Tatsächlich weiß Emma nur deshalb von Emmeline, weil sie bei unserer ersten richtigen Verabredung fragte, ob ich die Frau, mit der ich eigentlich verabredet war, jemals getroffen habe, und ich habe ihr die Wahrheit gesagt. Wir sprachen dann über die Heiratsvermittlerin und welche Qualitäten ich mir bei meiner zukünftigen Frau wünsche. Oh f**k. Ich kann nicht glauben, dass ich so blind gewesen bin. Ich, der ich eine Karriere aus der Verbindung von Punkten und dem Erkennen dessen gemacht habe, was allen anderen nicht auffällt, habe eine Antwort, die in großen Buchstaben vor meinen Augen geschrieben war, nicht bemerkt. »Emma, Kätzchen …« Ich bewege mich langsam, um sie nicht zu erschrecken, und nehme ihre fest zusammengeballte Hand zwischen meine Handflächen. »Sag mir etwas. Warum hast du mich beim ersten Mal weggeschickt? An jenem Freitagabend, als ich deine Tür aufbrach?« Sie blinzelt. »Was?« »Warum hast du mich in jener Nacht weggeschickt?«, wiederhole ich. Nachdem sie mir gesagt hatte, ich solle gehen, war ich so sehr darauf konzentriert gewesen, mich davon zu überzeugen, dass es das Beste sei, dass ich nie wirklich darüber nachgedacht hatte, warum sie es tat. Ich ging wohl davon aus, dass sie die Zweifel, die ich damals an unserer Beziehung hatte, teilte, aber ich habe mir das nie richtig bewusst gemacht. »Wir hatten eine tolle Zeit, und plötzlich sagtest du, dass es nicht klappen wird und ich gehen solle«, fahre ich fort. »Warum?« »Nun, weil … weil es das Richtige war.« Jetzt, da sich der Schild ihres Zornes auflöst, wirkt sie so jung und verletzlich, dass meine Brust vor Zärtlichkeit anschwillt. »Wir sind überhaupt nicht kompatibel und …« »Wie, nicht kompatibel?« Das hat sie bereits gesagt, und ich habe es als eine verwirrende Nicht-Antwort ignoriert – aber was, wenn sie es ernst gemeint hat? Was wäre, wenn sie sich das, was ich bei unserer ersten Verabredung gesagt habe, zu Herzen genommen hätte und, während sich meine Gefühle in dieser Angelegenheit mit meiner wachsenden Besessenheit weiterentwickelt haben, ihre Zweifel an uns nie verflogen sind? Ihre Hand zuckt in meinem Griff, und sie wendet sich ab. »Du weißt genau, wie. Du willst eine Frau, die ›ein Gewinn für gesellschaftliche Anlässe wäre‹. Wie Emmeline oder … oder Claire – du weißt schon, die Frau des Politikers aus House of Cards?« Und da ist er, der Kern der Sache. Ich habe die Serie nie gesehen, aber ich weiß, wovon sie spricht, da ich einmal auf ein Interview der Schauspielerin gestoßen bin. Die Figur, die sie spielt – die perfekte Ehefrau eines skrupellosen Politikers –, ist in der Tat so, wie ich mir meine zukünftige Lebenspartnerin immer vorgestellt hatte. Aber wenn ich sie mir jetzt vorstelle, weigert sich das Bild, sich in meinem Kopf zu formen. Alles, was ich sehe, ist meine kleine Rothaarige, umgeben von ihren weißen, flauschigen Katzen. Ich weiß noch nicht, was das bedeutet, aber ich weiß, dass wenn ich Emma nicht überzeuge, uns eine Chance zu geben, ich es nie herausfinden werde. Ich atme tief durch. »Emma, Kätzchen, hör mir zu …« »Warum tust du das?«, bricht es aus ihr heraus, und sie blickt mich wieder an. Ihre Augen glitzern noch mehr, und die Tränen sind kurz davor, überzulaufen. »Warum bist du hier? Spielst du einfach gerne mit mir? An einem Wochenende bist du voll dabei, die nächsten drei Tage bist du weg …« »Ja.« Ihre Augen weiten sich bei meiner gefühllosen Antwort, und ich ergreife ihre andere Hand, bevor sie mich schlagen kann. »Ja«, fahre ich fort und halte ihrem Blick stand. »Ich spiele gern mit dir, Kätzchen … Ich liebe es sogar. Ich liebe es auch, dich zu ficken. Und ich liebe es wirklich, mit dir zusammen zu sein. Ich liebe es, dich im Schlaf zu halten, und ich liebe es, dich beim Essen zu beobachten. Scheiße, selbst die Art und Weise, wie du atmest, macht mich an. Wenn ich könnte, würde ich Tag und Nacht mit dir spielen, dich ständig in meinem Bett und an meiner Seite haben. Denn du bist das, was ich brauche, Emma. Nicht Emmeline oder Claire oder irgendeinen ›Aktivposten‹.« Sie starrt mich an, als würde sie ihren Ohren nicht trauen, und in gewisser Weise kann ich das auch nicht. Aber allein die Vorstellung, mit einer anderen Frau auszugehen, fühlt sich falsch an, regelrecht abstoßend. Vielleicht werde ich in Zukunft, wenn meine Besessenheit von Emma nachlässt, meine Suche nach der ultimativen Trophäenfrau wieder aufnehmen, aber im Moment will ich nur die Frau, die vor mir steht. Eine Frau, die ich davon überzeugen muss, denn sie schüttelt bereits ungläubig den Kopf. »Das … das meinst du nicht so.« Sie befreit sich aus meinem Griff und weicht zurück. »Das ist die Chemie, die da spricht, das ist alles. Wir sind zu verschieden, zu …« »Sind wir das denn?« Gnadenlos gehe ich auf sie zu. »Weil es sich am letzten Wochenende nicht so anfühlte. Eigentlich …« »Warum bist du dann am Sonntag verschwunden?« Ihre Stimme zittert, als ich ihre Schultern ergreife und ihren Rückzug stoppe. »Du hast dich in mein Leben gedrängt, mir das Gefühl gegeben, dass es zwischen uns etwas Besonderes gibt, und dann warst du einfach … weg. Keine Anrufe, keine Nachrichten, nichts.« »Und das war mehr als dumm von mir. Das tut mir leid.« Ich werde jetzt keine Entschuldigungen vorbringen; sie hat recht damit, wütend zu sein. Die Art und Weise, wie ich mich zu ihr hingezogen fühle, ist so stark, so überwältigend, dass es sich wie eine Sucht anfühlt – und als ich am Sonntag merkte, dass ich mich dadurch von meiner Arbeit ablenken ließ, nutzte ich die Notlage des Fonds, um eine Art Entgiftung einzuleiten. Aber ich habe nicht darüber nachgedacht, wie das für Emma ist, habe ihre Gefühle nicht berücksichtigt, als ich mich entschied, mich für ein paar Tage von ihr zu distanzieren. Sie gab mir eine Chance, und ich habe es versaut. Jetzt brauche ich eine weitere. »Es tut mir leid«, sage ich noch einmal, als sie schweigt, und ihre grauen Augen sind wie dunkle Pfützen im gedämpften Licht der Straßenlaterne. »Es wird nicht wieder vorkommen, das verspreche ich dir.« Und dann senke ich meinen Kopf und küsse sie noch einmal – diesmal ganz sanft und süß. So süß, wie es mit einem aufgebrachten Ständer möglich ist. Es ist ein Entschuldigungskuss, eine Bitte-vergib-mir-Geste. Zumindest hatte ich das vor. Aber in dem Moment, in dem unsere Lippen sich berühren, vergesse ich alle meine Absichten, die so sehr von ihrem Geschmack und ihren Gefühlen gefangen sind, dass mein Kopf leer wird und meine Lust dunkel und wild. Meine Hände bewegen sich von selbst, eine Hand gleitet in ihr Haar, während die andere ihre Hüfte ergreift, um sie zu mir zu ziehen, während ihr Kopf unter dem hungrigen Druck meiner Lippen zurückfällt. »Kommt ihr beiden Turteltauben bald rein? Mary geht ins Bett und möchte sicherstellen, dass bei euch alles für die Nacht vorbereitet ist.« Verdammt. Ich unterdrücke ein gereiztes Knurren, hebe den Kopf und blicke Emmas Großvater wütend an, der etwa sechs Meter entfernt steht und uns mit einem Gesichtsausdruck betrachtet, der nur als fröhliches Grinsen bezeichnet werden kann. Er muss nach uns gesucht haben und hat uns natürlich gerade dann gefunden, als ich dabei war, Emma daran zu erinnern, was sie verpasst. Widerwillig lasse ich sie los, und sie dreht sich zu ihm um, wobei sie so rot wird, dass ich es selbst in diesem Licht sehen kann. »Gramps, hi! Das tut mir so leid. Wir wollten gerade …Wir waren … Also, wir sind gleich da, okay? Gib uns nur noch eine Minute.« Ted Walsh sieht aus, als ob er kurz davor ist, zu lachen. »Sicher. Ich sage Mary Bescheid.« Er geht zurück zum Haus, und ich nehme Emmas Hand, drehe sie zu mir um. »Kätzchen, hör mir zu …« »Nein, du hörst mir zu«, zischt sie und sticht mir mit dem Zeigefinger auf die Brust. »Ich lasse nicht zu, dass du mit meinen Großeltern Spiele spielst. Das – was auch immer das ist – ist zwischen uns, und sie haben nichts damit zu tun, verstanden?« »Ja«, sage ich und unterdrücke ein Lächeln. Dieser grimmige Blick auf ihrem Gesicht ist verdammt niedlich, das ist er wirklich. Und wenn das in die Richtung geht, von der ich glaube, dass es dort hingeht … »Also schön.« Sie atmet hörbar aus, und ihre Wut lässt etwas nach. »In diesem Fall kannst du zu Thanksgiving bleiben. Da du schon mal hier bist und so. Aber«, sie hält wie ein Lehrer ihren Zeigefinger hoch, »das bedeutet nicht, dass wir wieder zusammen sind. Es ist nur für den Seelenfrieden meiner Großeltern. Und ich werde definitiv nicht bei dir einziehen. Du wirst heute Nacht hierbleiben, morgen mit uns Thanksgiving feiern, und dann hast du wieder einen Notfall in deinem Fonds und fährst. In der Zwischenzeit hältst du den Mund und lässt mich die Fragen meiner Großeltern über uns beantworten. Verstanden?« Das werden wir noch sehen. »Ja, verstanden«, bestätige ich laut, und bevor sie ihre Meinung ändern kann, gehe ich mit ihrer Hand fest in der meinen zum Haus ihrer Großeltern, und dunkle Befriedigung summt in meinen Adern. Mein wütendes kleines Kätzchen weiß es noch nicht, aber es hat gerade die größte Schlacht des Krieges verloren – und ich gehe nicht, bevor ich ihre vollständige Kapitulation habe.
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