Kapitel 2-3

635 Palavras
Mein Haus befindet sich in einer von Bäumen gesäumten Sackgasse, die von einer zweispurigen Straße abgeht, die sich durch Felder windet. Wie viele andere in dieser besseren Gegend in Homer Glen, Illinois, ist es riesig - fünf Schlafzimmer und vier Badezimmer plus einen voll ausgebauten Keller. Es hat einen großen Garten und ist von so vielen Eichen umgeben, dass es sich anfühlt, als befände es sich mitten im Wald. Es ist perfekt für die große Familie, die George wollte, und schrecklich einsam für mich. Nach dem Unfall habe ich darüber nachgedacht, das Haus zu verkaufen und näher an das Krankenhaus zu ziehen, aber ich konnte es einfach nicht über mich bringen. Das kann ich immer noch nicht. George und ich haben das Haus zusammen renoviert, die Küche und die Badezimmer modernisiert und sorgfältig jeden Raum dekoriert, um eine gemütliche und einladende Atmosphäre zu schaffen. Eine Familienatmosphäre. Ich weiß, dass die Chancen auf diese Familie jetzt inexistent sind, aber ein Teil von mir hängt an diesem alten Traum, dem perfekten Leben, das wir haben sollten. »Mindestens drei Kinder«, hatte George mir bei unserem fünften Date gesagt. »Zwei Jungen und ein Mädchen.« »Warum nicht zwei Mädchen und einen Jungen?«, hatte ich ihn grinsend gefragt. »Was ist mit Gleichberechtigung und so?« »Wie soll zwei gegen einen denn gleichberechtigt sein? Jeder weiß, dass Mädchen dich um ihre kleinen, hübschen Finger wickeln, und wenn man zwei von ihnen hat ...« Er erschauderte theatralisch. »Nein, wir brauchen zwei Jungen, damit die Balance in der Familie stimmt. Ansonsten ist Papa verloren.« Ich habe gelacht und ihn auf die Schulter geboxt, aber insgeheim mochte ich den Gedanken an zwei Jungen, die laut herumrennen und ihre kleine Schwester beschützen. Ich bin ein Einzelkind, aber ich wollte immer einen großen Bruder, weshalb es einfach für mich gewesen war, Georges Traum zu meinem eigenen zu machen. Nein. Denk nicht darüber nach. Mit Mühe verdränge ich diese Erinnerungen aus meinem Kopf, weil - egal, ob sie gut oder schlecht sind - sie immer zu jenem Abend führen, und damit kann ich gerade nicht umgehen. Die Krämpfe sind schlimmer geworden, und ich kann nur mit Mühe meine Hände am Lenkrad lassen, als ich in meine Garage für drei Autos fahre. Ich brauche Ibuprofen, ein Heizkissen und mein Bett, genau in dieser Reihenfolge, und wenn ich ganz viel Glück habe, werde ich sofort einschlafen, ohne dass ich Zolpidem benötige. Ich unterdrücke ein Stöhnen, schließe das Garagentor, gebe den Sicherheitscode ein, um den Alarm auszuschalten, und schleppe mich ins Haus. Die Krämpfe sind so schlimm, dass ich kaum gehen kann, ohne mich zu krümmen, also gehe ich ohne Umwege zum Medizinschrank in der Küche. Ich schalte nicht einmal das Licht an; der Lichtschalter ist weit von der Garagentür entfernt, und ich kenne die Küche außerdem gut genug, um mich auch im Dunkeln in ihr zurechtzufinden. Ich öffne den Medizinschrank, ertaste die Ibuprofenpackung, nehme mir zwei Tabletten und schiebe sie mir in den Mund. Dann gehe ich zur Spüle, lasse Wasser in meine Hand laufen und schlucke die beiden Tabletten damit hinunter. Keuchend halte ich mich am Küchentresen fest und warte darauf, dass die Medizin zu wirken beginnt, bevor ich versuche, etwas so Ehrgeiziges zu tun wie zum Schlafzimmer im ersten Stock zu gehen. Ich spüre ihn erst eine Sekunde, bevor es passiert. Ganz unterschwellig bemerke ich einen Luftzug hinter mir, einen Hauch von etwas Fremdem ... ein Gefühl plötzlicher Gefahr. Die Haare in meinem Nacken stellen sich auf, aber da ist es bereits zu spät. In einem Moment stehe ich noch neben der Küchenspüle, und im nächsten bedeckt eine große Hand meinen Mund, und ein harter Körper drängt mich von hinten gegen die Theke. »Nicht schreien«, flüstert eine tiefe Stimme in mein Ohr, und etwas Kaltes und Scharfes drückt gegen meinen Hals. »Du willst doch nicht, dass mein Messer abrutscht.«
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