Als ich aufwache, sind unsere Körper miteinander verschlungen, durch den klebrigen Schweiß miteinander verbunden. Ich erinnere mich nicht daran in seiner Umarmung eingeschlafen zu sein, aber es muss trotzdem passiert sein, da ich mich jetzt in ihr befinde, und von seinem kräftigen Körper umhüllt werde.
Es ist dunkel und er schläft. Ich kann seine gleichmäßige Atmung hören, und das Heben und Senken seiner Brust spüren, da mein Kopf auf seiner Schulter liegt. Mein Mund ist trocken und meine Blase ist voll, also versuche ich mich vorsichtig unter seinem schweren Arm herauszuwinden – der sich sofort fester um mich legt.
»Wohin willst du gehen?« Lucas’ Stimme ist heiser, ganz rau vom Schlaf.
»Zum Badezimmer«, erkläre ich ihm vorsichtig. »Ich habe eine volle Blase.«
Er hebt seinen Arm an und sein Bein gibt meine Waden frei. »In Ordnung. Geh.«
Ich rücke von ihm ab und zucke wegen des wunden Gefühls tief in mir zusammen. Ich weiß nicht, wie lange er mich jenes zweite Mal gefickt hat, aber es könnte problemlos eine Stunde oder länger gewesen sein. Ich habe den Überblick darüber verloren wie oft ich gekommen bin, die Orgasmen verschmolzen zu einer unendlichen Welle von Höhepunkten und Tälern.
Meine Beine zittern als ich aufstehe, meine Oberschenkelinnenseiten schmerzen davon, dass sie so weit auseinander gespreizt wurden. Nachdem er mich von hinten genommen hatte, drehte er mich herum, ergriff meine Knöchel und hielt meine Beine geöffnet, während er in mich eindrang, so tief zustieß dass ich ihn angebettelt habe aufzuhören – was er natürlich nicht tat. Er hat seine Hüften bewegt und den Winkel seiner Stöße geändert um diesen empfindlichen Punkt in mir zu treffen, und ich habe den ganzen Schmerz vergessen, mich in der überwältigenden Lust seiner Inbesitznahme verloren.
Ich atme tief ein und zwinge mich dazu, in die Gegenwart zurückzukommen, da meine Blase mich an ein weiteres dringendes Bedürfnis erinnert. Unsicher gehe ich zum Badezimmer und aufs Klo. Danach wasche ich meine Hände, putze meine Zähne und spritze mir kaltes Wasser in mein Gesicht um mein Gleichgewicht wiederzuerlangen.
Alles ist gut, sage ich mir, als ich auf mein blasses Gesicht im Spiegel schaue. Alles läuft nach Plan. Großartiger s*x ist ein Bonus. Also was ist das Problem daran, dass ich auf einen rücksichtslosen Fremden auf diese Art und Weise reagiere? Das hat nichts zu bedeuten. Es ist einfach s*x, ein bedeutungsloser körperlicher Akt.
Aber mit ihm ist er nicht bedeutungslos.
Nein. Ich schließe meine Augen und zwinge diese Stimme zu verschwinden bevor ich mehr Wasser in mein Gesicht spritze und meine Zweifel wegwasche. Ich habe einen Job zu erledigen und es ist nicht falsch, diese Nacht als ein Extra dieses Jobs zu betrachten.
Es ist nicht falsch, dass ich es zulasse Lust zu spüren – solange ich ihm keine Bedeutung zumesse.
Als ich mich ein wenig mehr wie ich selbst fühle, gehe ich zum Bett zurück, in dem Lucas auf mich wartet. Sobald ich mich hingelegt habe, zieht er mich wieder an sich heran, umgibt meinen Rücken mit seinem Körper und legt eine Decke über uns. Ich seufze wohlig als die Wärme mich umhüllt. Dieser Mann ist wie ein Ofen, er strahlt so viel Hitze aus, dass mir sofort warm ist und ich die ständige Kälte in meinem Apartment vergesse.
»Wann reist du ab?«, frage ich leise als er es mir noch bequemer macht, indem er meinen Kopf auf seinen ausgestreckten Arm legt und seinen anderen Arm über meine Hüfte schlingt. Das ist es, was ich von ihm wissen muss, was ich Obenko für mein Versagen schuldig bin - aber trotzdem zieht sich etwas in meiner Brust zusammen während ich auf Lucas’ Antwort warte.
Dieser Gefühlsausbruch kann kein Bedauern darüber sein, dass er bald abreist.
Das würde keinen Sinn ergeben.
Lucas knabbert an meinem Ohr. »Am Morgen«, flüstert er und seine Zähne fahren mein Ohrläppchen entlang. Sein Atem lässt einen warmen Schauer durch mich fahren. »In einigen Stunden muss ich von hier verschwunden sein.«
»Oh.« Ich ignoriere diesen irrationalen Anflug von Traurigkeit und führe in meinem Kopf eine kurze Berechnung durch. Der Uhr auf meinem Nachttisch nach zu urteilen, ist es kurz nach ein Uhr morgens. Wenn er mein Apartment so gegen sechs verlassen muss, muss ihr Flugzeug um acht oder neun starten.
Obenko hat nicht viel Zeit, das zu planen, was er mit Esguerra vorhat.
»Kannst du nicht länger bleiben?« Ich drehe meinen Kopf, um mit meinen Lippen an Lucas’ ausgestrecktem Arm entlangzufahren. Das ist die Art von Frage, die eine Frau stellen könnte, die Gefühle für einen Mann hat, und deshalb habe ich keine Angst, ihn dadurch misstrauisch zu machen.
Er lacht leise. »Nein, meine Schöne, das kann ich nicht. Und du solltest froh darüber sein« – sein Arm der auf mir liegt bewegt sich und seine Hand gleitet hinunter um mein Geschlecht zu bedecken– »wenn du so wund bist wie du gesagt hast.«
Ich schlucke als ich mich daran erinnere, dass ich gegen Ende des Marathon-Sexes um Gnade gebettelt habe, da ich von dem vielen Ficken innerlich ganz wund war. Unglaublicherweise werde ich durch die Erinnerung daran erneut erregt – und dadurch, dass mich eine große, starke Hand zwischen meinen Beinen berührt.
»Ich bin wund«, flüstere ich und hoffe gleichzeitig, dass er aufhört und dass er es nicht tut.
Zu meiner Erleichterung und Enttäuschung bewegt er seine Hand zurück zu meinen Hüften, obwohl ich spüre dass sich sein Schwanz an meinem Hintern verhärtet. Dieser Mann ist eine Sexmaschine mit unersättlicher Lust. Laut der Akte die ich über ihn bekommen hatte, ist er vierunddreißig Jahre alt. Die meisten Männer die ihre Teenagerjahre hinter sich gebracht haben wollen nicht dreimal s*x in einer Nacht haben. Einmal, vielleicht zweimal. Aber dreimal? Sein Schwanz sollte sich nicht schon durch eine solche Kleinigkeit verhärten.
Ich frage mich, wie lange es her ist, dass Lucas Kent das letzte Mal mit einer Frau zusammen war.
»Wirst du bald wiederkommen?«, frage ich und lasse meine Überlegungen fallen. Es ist lächerlich, aber bei dem Gedanken daran, dass er mit anderen Frauen s*x hat – ihnen eine solche Lust bereitet wie mir – zieht sich mein Brustkorb unangenehm zusammen.
»Ich weiß es nicht«, sagt er und dreht sich, um seine halbe Erektion angenehmer an meinen Po zu schmiegen. »Eines Tages vielleicht.«
»Ich verstehe.« Ich starre in die Dunkelheit und kämpfe gegen den Teil von mir an, der wie ein Kind heulen möchte, dem sein Lieblingsspielzeug weggenommen wird. Das ist nicht echt, nichts davon ist echt. Selbst wenn ich wirklich eine Übersetzerin wäre, wüsste ich, dass es sich hierbei um nichts weiter als einen One-Night-Stand handelt. Aber ich bin nicht das unbesorgte, leichte Mädchen das ich zu sein vorgebe. Ich habe nicht aus Spaß s*x mit ihm gehabt; ich habe es getan, um Informationen zu bekommen – und jetzt, da ich sie habe, muss ich sie sofort Obenko zukommen lassen.
Als Lucas gleichmäßig atmet und ich weiß, dass er schläft, greife ich vorsichtig nach meinem Telefon. Es liegt auf dem Nachttisch weniger als einen Meter von mir entfernt und ich schaffe es, es in meine Hand zu nehmen ohne Lucas zu wecken, der mich immer noch an sich drückt. Ich ignoriere den wachsenden Schmerz in meiner Brust und schreibe eine Nachricht an Obenko, um ihn wissen zu lassen, dass Kent bei mir ist und um welche Zeit sie planen, abzureisen.
Wenn mein Chef vorhat, einen Anschlag auf Esguerra zu verüben, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, da zumindest einer seiner Sicherheitsmänner gerade nicht bei ihm ist.
Sobald die Textnachricht gesendet ist, lösche ich sie von meinem Telefon und lege das Gerät wieder auf meinen Nachttisch. Danach schließe ich meine Augen und zwinge mich dazu, mich an Lucas’ hartem Körper zu entspannen.
Mein Auftrag ist, was auch immer geschieht, erledigt.