Kapitel 1: Die Fünf-Millionen-Dollar-Lüge
Die Lichter von Manhattan verschwammen zu einem goldenen und neonfarbenen Fleck vor dem regennassen Fenster des SUVs. Julian Vane nahm sie nicht wahr. Er war zu sehr damit beschäftigt, auf den Bildschirm seines Tablets zu starren. Eine Schlagzeile starrte ihn an und riss sein Leben auseinander: „VANE-ERBES NACHTSCHLAG: DROGEN, AUSWÜCHSIGKEIT UND DER TOD EINER FUSION“.
„Ich war nicht dort, Marcus“, sagte Julian mit leiser Stimme.
Sein PR-Chef, Marcus, saß ihm gegenüber. Marcus blickte nicht von seinem Handy auf. „Das spielt keine Rolle. Es gibt ein Foto von einem Mann, der aussieht wie du, wie er mit zwei Models aus der Viper Lounge stolpert, und hinter dir liegt verdächtiges weißes Pulver auf dem Tisch. Der Vorstand tagt in vier Stunden. Die Fusion mit Holloway Tech bricht zusammen. “
„Das ist eine Falle“, sagte Julian und knallte das Tablet auf den Ledersitz. Die Spannung im Auto war kaum zu ertragen. „Mein Großvater steckt dahinter. "Er will mich aus dem Unternehmen raus haben.“
„Dann gib ihm einen Grund, dich im Unternehmen zu behalten“, sagte Marcus und blickte endlich auf. Seine Augen waren kalt. „Der Vorstand will kein Genie. Sie wollen einen Ehemann. Sie wollen Stabilität. "Sie wollen jemanden, der den Aktienkurs nicht jedes Mal in den Keller treibt, wenn er sich in die Nähe eines Nachtclubs begibt.“
Das Gewicht der Welt
Zwei Meilen weiter spürte Clara Evans eine ganz andere Art von Stille.
Sie saß im Büro von Evans and Associates, das eigentlich nur aus einem Schreibtisch in der Ecke ihrer Einzimmerwohnung bestand. Sie starrte auf eine Tabellenkalkulation, die sich einfach nicht ausgleichen wollte. Ihre Augen brannten. Das einzige Geräusch war das Summen des Kühlschranks.
Auf ihrer Tastatur lag ein Brief. LETZTE MAHNUNG: Ausstehender Betrag 142.000 $.
Die Dialyse ihres Vaters war kein Luxus. Es ging um Leben und Tod. Clara, die Frau, die einen fehlenden Penny in einem Milliarden-Dollar-Kontobuch finden konnte, fand keinen Weg, die Zahlen so zu manipulieren, dass sie ihn retten würden.
Der Stress ihres Lebens war eine Qual. Sie war das Mädchen. Diejenige, die lange blieb. Diejenige, die niemals gegen die Regeln verstieß. Und doch war sie hier, dreißig Sekunden davon entfernt, alles zu verlieren, während Männer wie Julian Vane an einem Samstagabend ein Vermögen verschwendeten.
Ihr Telefon vibrierte. Es war eine unbekannte Nummer.
„Clara Evans?“, fragte ein Mann.
„Das bin ich“, sagte Clara und versuchte, trotz des Zitterns in ihren Händen professionell zu klingen.
„Mein Name ist Marcus Thorne. Ich vertrete Vane Media. Wir haben Ihre Arbeit an der Miller-Prüfung geprüft. Wir haben einen Auftrag. "Einen, der Ihren Ruf erfordert.“
„Ich bin Buchhalterin, Mr. Thorne. "Keine Beraterin.“
„Das Honorar beträgt fünf Millionen Dollar, Miss Evans. Wir brauchen Sie in zwanzig Minuten im Vane Penthouse. "Vor Ihrer Tür steht ein Auto.“
Das Zusammentreffen zweier Welten
Das Penthouse der Vanes war eine Wohnung mit viel Glas und Marmor. Als Clara aus dem Aufzug trat, hatte sie das Gefühl, hier nicht hinzugehören. Sie trug einen Secondhand-Blazer und bequeme Pumps. Julian Vane stand am Fenster, ein Glas Scotch in der Hand und einen Sturm in den Augen.
Er drehte sich nicht um. „Sie ist zu klein“, sagte er, seine Stimme voller Verachtung.
„Ich kann dich hören“, sagte Clara, während sich ihr Rücken versteifte. Die Spannung zwischen ihnen war sofort spürbar.
Da drehte sich Julian um. Er war attraktiver, als die Klatschblätter vermuten ließen. Sein Gesicht war eine Maske der Arroganz. Er ging auf sie zu und umkreiste sie wie ein Raubtier. „Du bist diejenige? Das Mädchen mit der guten Bonität und dem kranken Vater? Du bist meine Rehabilitation?“
Claras Blut kochte. „Ich bin Buchhalterin. Wenn du nach einer Requisite suchst, schlage ich vor, du gehst zurück in die Viper Lounge.“
Sie wandte sich zum Gehen. Julians Hand schoss hervor und packte ihren Unterarm. Sein Griff war nicht gewalttätig. Er war fest. Für einen Moment verschwand die Luft zwischen ihnen. Sie konnte sein Parfüm und den scharfen Geruch des Scotch riechen.
„Warte“, sagte er mit zusammengebissenen Zähnen. Für einen Moment sah sie hinter der Maske einen Funken Menschlichkeit aufblitzen. Verzweiflung. „Fünf Millionen, Clara. Ich weiß von den Schulden. Ich weiß, dass dir in drei Tagen die Zwangsräumung droht. Ich brauche eine Verlobte für die Vorstandssitzung. Du musst deinen Vater am Leben erhalten. Es ist ein Deal. Nichts weiter.“
Clara blickte auf seine Hand an ihrem Arm und dann in seine dunklen Augen. Das war der Teufel. Er bot ihr die Welt an. Der Preis war ihre Seele. Oder zumindest ihr Name.
„Was muss ich tun?“, flüsterte sie.
„Du musst sie glauben lassen, dass ich dich liebe“, sagte Julian, während ein Lächeln seine Lippen verzog. „Du musst jetzt damit anfangen.“
Die Ankunft
Die Aufzugstüren piepston. Marcus trat ein, sein Gesicht war blass.
„Wir haben ein Problem“, sagte Marcus und blickte auf sein Handy. „Der Vorstand hat nicht bis zum Morgen gewartet. Arthur Vane ist unten. Er kommt gerade mit einem Team und einer Moralitätsklausel hoch. "Wenn er hier einen Fremden findet, Julian, wird er dir noch heute Abend deine Anteile entziehen.“
Julian sah Clara an. Seine Augen waren verzweifelt. Er packte sie an der Taille und zog sie fest an seine Brust. Clara stieß einen Schrei aus, ihre Hände landeten instinktiv auf seinen Schultern.
„Julian, was machst du da –“
„Still“, sagte er. „Er muss es sehen.“
Die Flügeltüren zum Penthouse schwangen mit einem Knall auf. Arthur Vane stand dort, ein grauhaariger Industriegigant, flankiert von drei Anwälten. Er blieb stehen und kniff die Augen zusammen, als er seinen Enkel sah, der eine Frau in einem Blazer umarmte.
„Julian, dröhnte der alte Mann. „Erkläre mir dieses Eindringen.“
Julian ließ nicht los. Er verstärkte seinen Griff um Clara und sah seinem Großvater in die Augen. „Es ist kein Eindringen, Großvater. "Es ist eine Ankündigung.“
Julian beugte sich vor und hauchte Clara ins Ohr: „Spiel mit, sonst verlieren wir beide.“
Dann, noch bevor Clara Luft holen konnte, küsste Julian Vane sie nicht einfach nur. Er nahm sie in Besitz. Es war eine Darbietung für das Publikum. Als sich seine Lippen auf ihre pressten, traf Clara eine schmerzhafte Erkenntnis. Sie schmeckte den Scotch und spürte seine Hitze, und für den Bruchteil einer Sekunde fühlte sich der vorgetäuschte Teil des Kusses echt an.
Arthur Vane trat mit einem Lächeln im Gesicht vor. „Wunderbar … Es gibt eine Sache, die du nicht über Julian wusstest. "Clara ist keine Buchhalterin.“
Der alte Mann warf eine Mappe auf den Marmortisch. „Sag es ihm, Clara. Sag ihm, für wen du vor heute Abend gearbeitet hast. "Sag ihm, warum du seine Firma wirklich geprüft hast.“
Julians Griff um ihre Taille verstärkte sich, seine Augen blitzten vor Zweifel. „Clara?“
Clara blickte von der Mappe zu dem Mann, der sie festhielt, ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen. Die fünf Millionen Dollar fühlten sich plötzlich wie ein Stein um ihren Hals an.
„Ich …“, begann sie. Die Worte erstarben ihr im Hals.