Kapitel 1 – Der Anfang vom Ende
Aus Buntys Perspektive
Das Erste, was ich an der Blackthorne University kaputtgemacht habe, war mein Handy. Das Zweite war meine Würde.
Beides hat mir nicht das Leben ruiniert … Diese Ehre gebührte einem Fremden mit dunklem Haar, braunen Augen und dem Namen Nicholas Adams.
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„Das ist es.“
Ich umklammerte Matts Hand fester, als wir vor dem riesigen Gebäude der Blackthorne University standen.
Die Universität erstreckte sich vor uns wie eine Kulisse aus einem Film. Hohe Steingebäude ragten über den Campus empor, ihre dunklen Mauern leuchteten im Licht der Morgensonne. Studenten bewegten sich in alle Richtungen, zogen Koffer hinter sich her, lachten mit Freunden und machten Fotos vor dem Brunnen, der stolz in der Mitte des Innenhofs stand.
Es war … atemberaubend. Genau so, wie ich es mir immer erträumt hatte. Eine kühle Brise strich über meine Haut, während Studenten an uns vorbeieilten. Gelächter hallte über den Innenhof und vermischte sich mit dem Geräusch rollender Koffer und aufgeregter Gespräche.
Für einen Moment erinnerte ich mich daran, wie meine Mutter am Flughafen geweint hatte.
„Ruf mich jeden Tag an.“
„Mama, ich bin doch nur ein paar Bundesstaaten entfernt.“
Sie schniefte und drückte mich noch fester an sich. „Genau das ist zu weit weg.“
Papa hatte mich einfach nur umarmt, aber diese Umarmung sagte alles, was Worte nicht ausdrücken konnten.
Wir hatten jahrelang von diesem Moment geträumt.
Jetzt stand ich hier. Und plötzlich fühlte es sich nicht mehr wie ein Traum an …
„Unser erster gemeinsamer Tag“, sagte Matt leise.
Ich drehte mich zu ihm um. Sein vertrautes Lächeln beruhigte augenblicklich die nervösen Schmetterlinge in meinem Bauch.
Ich lächelte zurück. „Ich liebe dich, Matt.“
Sein Blick wurde sanfter. „Ich liebe dich auch, Schatz.“ Er drückte sanft meine Hand. „Ich werde immer für dich da sein.“
„Das hoffe ich doch“, lachte ich.
„Das sagst du jetzt.“
Ich hob eine Augenbraue. „Was soll das heißen?“
„Warte mal drei Wochen. Du wirst reiche, geniale Studenten kennenlernen und vergessen, dass es mich gibt.“ Er schmollte.
Ich schnappte theatralisch nach Luft. „Matthew Evans, bist du eifersüchtig?“ Ich grinste.
„Sehr …“
Ich verdrehte die Augen. Gott, ich liebte diesen Idioten.
Das Leben war nicht immer einfach für mich. Ich wuchs in einer Mittelklassefamilie in Kalifornien auf. Meine Mutter arbeitete in einem kleinen Blumenladen, während mein Vater lange Stunden in einer Firma arbeitete, die kaum genug bezahlte. Das Geld war immer knapp. Trotzdem hörten meine Eltern nie auf, mich zu unterstützen, also lernte ich fleißig … wirklich fleißig.
Die Blackthorne University war schon immer meine Traumuniversität gewesen, und als der Brief mit der Zusage für das Stipendium eintraf, hatte ich das Gefühl, dass sich all die schlaflosen Nächte endlich gelohnt hatten.
Und irgendwie war Matt die ganze Zeit an meiner Seite gewesen.
Wir lernten uns in der Highschool kennen. Er griff ein, als ein Mitschüler mich schikanierte. Der Schläger wollte ihn schlagen, stolperte dabei jedoch über seine eigenen Füße.
Irgendwie entwickelte sich aus diesem Desaster eine Beziehung.
Jetzt sind wir hier, zusammen … und schlagen ein neues Kapitel in unserem Leben auf.
„Komm schon“, sagte Matt. „Wir brauchen unseren Stundenplan.“
Die Menschenmenge wurde immer dichter, als wir das Hauptgebäude betraten.
Das Innere war noch beeindruckender. Riesige Kronleuchter hingen von der Decke. Marmorböden reflektierten das Sonnenlicht, das durch die hohen Fenster hereinfiel.
Die Studenten hatten sich in Gruppen versammelt, ihre Stimmen verschmolzen zu einem lauten Stimmengewirr.
Wohin ich auch blickte, machten die Leute Fotos. Einige nahmen Videos auf, während andere aufgeregt flüsterten und dabei zum Eingang starrten.
Ich runzelte die Stirn. „Worauf schauen die denn alle?“
Matt zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung.“
Plötzlich stürmte eine Gruppe von Studenten mit erhobenen Handys an uns vorbei.
Ein Raunen ging durch die Menge. Die Leute begannen, sich zu einer Seite der Halle zu bewegen.
Studenten, die sich noch vor wenigen Augenblicken unterhalten hatten, drehten sich plötzlich in dieselbe Richtung um. Sie alle hielten ihre Handys in die Luft.
Flüstern breitete sich von Gruppe zu Gruppe aus.
„Im Ernst, was ist denn mit allen los?“
Ein Mädchen wäre fast gegen mich gelaufen, als sie versuchte, näher heranzukommen. Ich sah, wie eine andere sich die Haare zurechtstrich, bevor sie ihr Handy zückte. Es war seltsam.
Niemand war doch bei einer Einführungsveranstaltung so aufgeregt, oder?
Ich stellte mich auf die Zehenspitzen. „Kannst du irgendetwas sehen?“
„Nee.“
„Vielleicht ist es ein Promi?“, sagte ich und versuchte weiterhin, durch die Menge zu spähen.
Matt schnaubte. „An einer Uni?“
„Man weiß ja nie.“
Er zog sanft an meiner Hand. „Ignorier sie einfach, Bunty. Lass uns unseren Stundenplan holen, bevor die Schlange unerträglich lang wird.“
„Stimmt, lass uns gehen.“
Wir wandten uns von der Menschenmenge ab.
Ich spürte, wie mein Handy in meiner Hosentasche vibrierte, und holte es vorsichtig heraus. Auf dem Bildschirm erschien eine Benachrichtigung.
OMG. Endlich gibt es ein Update!
Meine Augen wurden groß. Das gibt's doch nicht … Ein neues Kapitel?
Ich tippte schnell auf die Benachrichtigung. Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus. Alles war perfekt … Meine Traumuniversität, meine Traumzukunft und Matt an meiner Seite.
Nichts konnte diesen Tag ruinieren … absolut nichts.
Genau in diesem Moment machte ich einen weiteren Schritt nach vorne … und lief direkt in jemanden hinein.
Meine Schulter prallte gegen etwas Hartes. Der Aufprall raubte mir den Atem, und mein Handy rutschte mir aus den Fingern.
Die Zeit schien sich zu verlangsamen. Entsetzt sah ich zu, wie mir mein Handy aus den Fingern glitt.
Einmal … zweimal … bis es schließlich auf dem Marmorboden aufschlug.
Knack …
Das Geräusch hallte in meinem Kopf wider.
Mir stand der Mund offen.
Nein … Mein Handy. Mein armes Handy.
„Nein, nein, nein …“
Ich bückte mich sofort.
„Entschuldigung! Es tut mir so leid!“
Die Hitze stieg mir ins Gesicht.
Mit zitternden Fingern griff ich nach dem kaputten Handy.
Na toll … Einfach toll. Mein erster Tag an der Uni, gerade mal fünf Minuten vergangen, und schon hatte ich mein Handy zerstört.
„Alles in Ordnung?“, fragte Matt neben mir.
„Ich glaube schon.“ Ich zuckte zusammen. „Mein Handy allerdings nicht.“
Ich stieß einen frustrierten Seufzer aus, bevor ich endlich aufblickte – bereit, mich ordentlich zu entschuldigen … bereit, der Person ins Gesicht zu sehen, vor der ich mich gerade blamiert hatte.
In dem Moment, als sich unsere Blicke trafen, blieben mir die Worte im Hals stecken.
Der Lärm um mich herum verschwand. Die Menschenmenge, die Gespräche, die Bewegung – alles … weg.
Alles, was ich sehen konnte, waren dunkle Augen, die mich anstarrten.
Ein seltsamer Schauer lief mir über den Rücken.
Ich kannte seinen Namen nicht. Ich wusste nicht, wer er war.
Aber aus Gründen, die ich mir nicht erklären konnte, schrie jeder Instinkt in meinem Körper nur eines:
Lauf …