Kapitel 3: Der Auslöser Seite1

1313 Worte
Amy hatte bald ihren siebzehnten Geburtstag und wusste nicht genau ob sie sich darauf freuen sollte. Auf der einen Seite war sie seit ein paar Tagen entspannter und der verbale Ausrutscher nach der Feier bei Denise war wohl ein einmaliger Ausrutscher gewesen. Auf der anderen Seite wollte sie nichts anderes als endlich einmal allein auszugehen. Joshua ging auch immer öfter allein ins Studio und ließ sie zuhause warten. Sie hatte zwar genug Möglichkeiten, sich hier zu beschäftigen. Es gab zahlreiche Bücher, ein Heimkino und einen Tanzsaal und trotzdem hatte sie den Wunsch nie aufgegeben, einmal etwas anderes zu sehen, eine alte Kneipe oder einfach mal ins Einkaufszentrum zu gehen. Aber das konnte sie Joshua nicht sagen, er war strikt dagegen und würde - wie immer - nicht mit sich reden lassen. Sie saß am Fenster und beobachtete den Morgennebel. Dabei dachte sie über ihr Leben nach. War das wirklich alles? Hatte sie wirklich nichts mehr zu erwarten? Sie dachte zurück an ihr Leben bevor Joshua sie aus dem Heim holte. Die Erinnerungen waren zwar nicht mehr so klar, sie war inzwischen fast neun Jahre bei Joshua, aber sie hatte noch Erinnerungen an die Kinder, mit denen sie befreundet war, und obwohl das Heim verwahrlost und dreckig war, war sie nie wirklich einsam. Diese Einsamkeit, die sie hier erlebte, war manchmal unerträglich. Plötzlich wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. „Amy", rief Joshua als er zu ihr ins Zimmer kam, „wo bleibst du, ich warte schon seit zehn Minuten. Das Frühstück ist angerichtet und ich habe Hunger. Mach das nie wieder! Lass mich nie wieder warten!" Sie zuckte zusammen als sie sah, wie aufgebracht er wieder war. „Es tut mir ..." sagte Amy mit Zurückhaltung. Noch bevor sie ihren Satz zu Ende bringen konnte zog er sie zu sich, ergriff ihr Haar und flüsterte ihr ins Ohr „Lass mich nie wieder warten, Amy! Zieh dich an, in zwei Minuten will ich dich unten sehen.„ Danach ging er und knallte die Tür hinter sich zu. Gerade als sie dachte, dass er netter zu ihr sein würde, fing er wieder an ihr wehzutun. Sie zitterte am ganzen Körper. Darauf war sie nicht vorbereitet gewesen. Aber er hatte ja recht, sie hätte schneller sein müssen. Sie hätte sich nicht verspäten sollen. Diese Situation war allein ihre Schuld! Schnell zog sie sich an und ging zum Frühstückstisch. „Mach das nie wieder, Amy!", sagte er als sie sich hinsetzte. Sie blickte ihn nur kurz an und nickte. Sie versuchte, ihm nicht zu zeigen, wie weh er ihr getan hatte und kämpfte mit den Tränen. Sie hatte einen Kloß im Hals und und wollte eigentlich nichts essen und doch tat sie es, weil sie ihn nicht weiter provozieren wollte. Er würde wieder wütend werden, wenn sie nicht tat was er wollte. Nach dem Frühstück ging Joshua zum Studio und ließ sie zuhause. Amy war es inzwischen gewohnt, dass er oft allein zum Studio ging und obwohl er oftmals nicht nett zu ihr war, vermisste sie ihn ab und zu. Es war merkwürdig, wie sie sich fühlte. Sie war erleichtert, wenn sie sich nicht von ihn beobachtet fühlte und er ein paar Stunden außer Haus war, doch genauso groß fühlte sie eine Leere, wenn er nicht da war. Eine Stunde später klingelte es an der Tür. Amy hörte, wie ein Angestellter sich mit jemanden unterhielt und das Gespräch etwas lauter wurde. Sie wollte nachschauen, wer dort ist und sah, dass Denise sich an dem Angestellten vorbeidrängelte. „Amy, wie schön dich zu sehen. Wie geht es dir?", fragte sie. „Joshua ist nicht hier, er ist arbeiten." „Keine Sorge, ich warte hier. Dann kann ich dir etwas Gesellschaft leisten." Amy war verwundert. Denise hatte bei ihrer Geburtstagsfeier nicht den Anschein gemacht als mochte sie sie. Sie hatte ein ungutes Gefühl dabei, Denise hier warten zu lassen, vor allem nach all den Streitigkeiten der letzten paaren Monate zwischen ihr und Joshua. Aber Denise setzte sich schon auf das Sofa und machte nicht den Anschein, dass sie so schnell wieder gehen würde. Sie ließ sich etwas zu trinken bringen. Die Angestellten schienen beunruhigt zu sein und berieten im Hintergrund, was sie jetzt tun sollten. „Amy, erzähle mir von dir! Wie hast du meinen Bruder kennengelernt und warum wohnst du so schnell schon bei ihm?" Amy erzählte ihr vom Kinderheim und wie Joshua sie aus dieser Situation gerettet hatte. „Du bist doch bestimmt nicht an dieses Leben gewohnt, so abgeschottet von allem." „Es ist ok, manchmal wird es einsam, aber Joshua ist ja bei mir.„ Es kostete sie viel Kraft, nicht von den Wutausbrüchen zu erzählen obwohl sie wirklich wissen wollte, ob es schon immer so war. Aber ihr war es unangenehm, darüber zu sprechen. „Weißt du, was du brauchst, Amy? Du musst mal etwas anderes sehen und etwas Spaß haben. Komm, schnapp dir deine Jacke, wir gehen! "sagte Denise in einem sehr freundlichen Ton. „Nein, ich muss hier auf Joshua warten!" „Komm schon, er wird das schon verstehen. Ich bin seine Schwester. Du gehst ja nicht allein." Plötzlich ging die Tür auf. „Denise, was machst du hier?„ rief Joshua ihr zu. „Ich wollte deine Freundin kennenlernen und du warst ja nicht hier. Ich habe sie eingeladen, mich beim Shoppen zu begleiten, das ist doch ok, Bruderherz, oder?„ Ihre Stimme war freundlich aber ironisch. Komm, Amy, wir gehen!", drängte sie. „Amy, wo willst du hin?" „Ich muss hier raus Joshua, bitte! Nur eine oder zwei Stunden, dann bin ich wieder hier." Amys Herz klopfte wild, aber sie wollte nur noch hier raus. Sie schnappte sich ihre Jacke und ging schnellen Schrittes Richtung Tür. Joshua lief ihr nach und blockierte den Weg. „Bitte, Joshua. Nur dieses eine Mal!", flehte sie ihm an. „Nein, du gehst jetzt sofort von der Tür weg!" „Bitte, lass mich gehen!" „Du gehst nirgendwo hin!", schrie er sie an, packte sie am Arm und schleuderte sie zurück in die Eingangshalle, sodass sie zu Boden fiel. „Denise, es wird Zeit für dich zu gehen!", sagte er aufgebracht und winkte den Angestellten zu damit sie sie nach draußen begleiten sollten. Als Denise aus dem Haus war, zog er Amy die Treppe hoch, in ihr Zimmer. Er verschloss die Tür hinter sich und fing an auf sie einzuschlagen. Immer wieder schlug er sie mit den Fäusten ins Gesicht. Sie versuchte sich zu wehren, doch das machte ihn nur noch aggressiver. Als er bemerkte, dass sie sich nicht bewegte und Nasenbluten hatte, ließ er von ihr ab. „Du wirst mich niemals verlassen, Amy! Du gehst hier nie weg ohne mich, versteh das endlich!", sagte er noch, ließ sie auf dem Boden liegen, ging hinaus und verschloss die Tür hinter sich. Amy weinte. Sie raffte sich auf und legte sich auf das Bett, als auf einmal die Tür wieder aufgeschlossen wurde und Joshua wieder hereinkam. Amy sah ihn voller Angst an, denn sie befürchtete, dass er sie wieder schlagen würde. Er kam auf sie zu und riss ihr die Kleidung vom Leib. „Ich werde dir schon zeigen, wem du zu gehorchen hast!", rief er und verging sich an ihr. Sie wagte es nicht, sich zu wehren und er hielt durch den gesamten Akt ihre Handgelenke fest. Sie wollte schreien, blieb aber stumm. Sie hatte wieder das Gefühl, das sie schon damals hatte, dieses Gefühl, nicht wirklich anwesend, ihrem Körper entflohen zu sein. Sie fühlte sich wieder machtlos und hilflos. Es kam ihr vor wie eine Ewigkeit und die Tränen rollten ihr über das Gesicht. „Weine nicht, meine Liebe", flüsterte er ihr ins Ohr. Sie war verwirrt von seinem Verhalten, erst schlug er sie und war unheimlich wütend und danach war er wieder ganz anders. Er war einfühlsam und flüsterte ihr liebe Worte ins Ohr. Sie verstand ihn einfach nicht.
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