Kapitel 4 Die Flucht Seite 1

1030 Worte
Am nächsten Morgen war Amys Geburtstag. Sie hatte sich diesen Tag schöner vorgestellt als morgens in den Spiegel zu schauen und eine aufgeplatzte Lippe und ein angeschwollenes Gesicht zu sehen. Aber sie machte das Beste daraus. Sie zog ihr schönstes Kleid an und ging zum Frühstückstisch. Sie wollte vor Joshua dort sein um ihn nicht wieder zu verärgern. Er kam zu ihr rüber, küsste ihre Stirn und setzte sich. „Amy, heute gehen wir essen. Du hast Geburtstag und ich habe dir etwas Wichtiges mitzuteilen!" Sie war neugierig. Was hatte er auf dem Herzen? Was war ihm so wichtig, dass er es mit ihr besprechen wollte? Hatte er sich es vielleicht doch anders überlegt und sie durfte nun doch etwas unternehmen? Viele Fragen gingen ihr durch den Kopf. Amy verbrachte den restlichen Morgen wieder allein, während Joshua arbeiten war, doch versprach er früher nach Hause zu kommen damit er noch Zeit mit ihr verbringen konnte. Am späten Nachmittag kam er und fuhr mit Amy in ein Restaurant. „Alles Gute zum Geburtstag, meine Liebe", fing er an als sie am Tisch saßen, „du bist nun siebzehn Jahre alt und in einem Alter, wo mir keiner etwas anhaben kann. In ein paar Tagen werden wir heiraten, ich habe schon alles in die Wege geleitet!" Amy war sprachlos. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie wusste zwar, dass er sie wahrscheinlich niemals gehen lassen würde, aber das ganze legal zu machen, mit einer Heirat, daran hätte sie nicht gedacht – und sie wollte es auch nicht. „Nein!", rutschte es Amy leise über die Lippen. Joshua schaute zu ihr rüber. „Ich glaube, dass du mich nicht richtig verstanden hast, meine Liebe! Das war keine Frage.Du wirst mich heiraten. Ich habe damals viel Geld für dich bezahlt, ich habe dir ein gutes Leben geboten. Ich habe alles gekauft, was du haben wolltest. Nun will ich endlich meinen Lohn dafür sehen. Ich war deine erste Beziehung und ich werde deine letzte sein!„ Mit dieser Aussage nahm er einen Ring aus der Tasche und zog ihn ihr über ihren Finger. Sie zitterte am ganzen Körper, doch sie wollte ihn nicht verärgern. Sie verspürte Angst und das Gefühl nur weglaufen zu wollen. Doch sie war wie versteinert. Sie wollte ihn nicht heiraten, sie glaubte immer noch an die große Liebe und wollte jemanden heiraten, den auch sie liebte und nicht jemanden, der sie in einem goldenen Käfig gefangen hielt. Vor dem Restaurant wurde es lauter. Irgendetwas stimmte nicht. „Lächle, wenn wir gleich rausgehen, meine Liebe! Die Presse steht vor der Tür!„ Und wieder sah man Amy an, dass sie geschockt war. Warum tat er das? Jahrelang hatte er ihr eingeredet, dass sie nicht alleine ausgehen sollte, weil er sie schützen wolle ... und nun benachrichtigte er die Presse, wenn er mit ihr unterwegs war! Warum machte er das nur? Joshua nahm Amy in den Arm und ging nach draußen. Überall blendeten Blitzlichter Amys Augen. Sie fühlte sich unwohl, eingeengt und beobachtet. Joshua ging durch die Menge und sagte kein Wort. „Joshua, Joshua! Wer ist die Dame neben Ihnen?", riefen die Journalisten durcheinander. Kurz bevor Joshua mit Amy ins Auto steigen wollte, drehte er sich um. „Ihr wollt wissen, wer sie ist? Amy ist meine Verlobte!", rief er der Masse lächelnd zu. Auf einmal wurde es ruhig und noch bevor die Presse weitere Fragen stellen konnte, verschwand Joshua mit Amy im Auto. Das war es also, wovor er sie beschützen wollte. Auf einmal wurde ihr klar, was er damit meinte, dass er sie von der Außenwelt beschützen wollte. Sobald die Presse wusste, dass er unterwegs war, wurde er gejagt. Jeder wollte wissen was er machte und mit wem. Jeder wollte das perfekte Bild und die perfekte Story. Es war beängstigend für sie. Diese eine Begegnung mit der Presse war schon genug, sie fühlte sich dabei wie ein Tier im Käfig von dem jeder ein Foto wollte. Es war ein beklemmendes Gefühl und sie war froh, dass es vorbei war. Sie wollte auch während der Fahrt nicht reden, sie musste erst diesen Abend verarbeiten. Es war so viel auf einmal, erst zu hören, dass sie Joshua heiraten sollte und dann diese Begegnung mit der Presse. Sie fühlte sich überfordert und eingeschüchtert. Immer wieder spürte sie, wie Joshua sie anschaute. Wahrscheinlich wollte er sehen, wie ihre Reaktion war auf das Geschehene. Er sagte kein Wort, aber sie spürte, wie er sie mit Adleraugen anschaute. „Du hattest gesagt, dass du mich aus allem raushältst, Joshua! Warum hast du das zugelassen?", fragte sie ihn als sie zuhause ankamen. „Es wird Zeit, dass die Welt weiß, wer du bist", sagte er nur und lächelte. Amy sah in seinem Gesicht, das er das geplant hatte. Wahrscheinlich führte er wieder etwas im Schilde. „Das hast du doch alles geplant, du willst mich einschüchtern, damit ich nicht rausgehe!„ Sie spürte eine ungeheure Wut im Bauch und wollte nur noch weg - weg von ihm und weg von allem hier. „Du gehörst zu mir, und das soll die Welt jetzt wissen." Amy verspürte wieder Angst, aber diesmal war es die Angst, dass er wieder zuschlagen würde nachdem sie so entsetzt und wütend reagiert hatte, doch er wandte sich ab und ging in sein Büro. „Schlaf gut, meine Liebe, in ein paar Tagen bist du rechtlich meine Frau!", rief er ihr hinterher als sie auf ihrem Zimmer ging. Amy wollte nicht schlafen, sie war zu aufgebracht. Sie wollte und konnte ihn einfach nicht heiraten. Irgendetwas musste sie doch machen können. Vielleicht konnte Denise ihr helfen, aber warum sollte sie das machen? Es schien, als mochte Denise Amy nicht wirklich. Sie hatte dafür aber keine Erklärung. Nein - Denise würde nicht helfen. Sie setzte sich wieder auf die Fensterbank und starrte hinaus. Es wurde langsam dunkel. Es sah so mystisch aus und sie stellte sich vor, welche Sachen sie dort draußen erleben könnte. Sie würde am Stand entlanggehen, eine Party besuchen oder einfach nur in einem Park im Regen tanzen. Viele schöne Gedanken kamen ihr in den Sinn und sie fühlte sich frei. Plötzlich wurde sie aus ihren Träumen gerissen. Sie hörte Joshua, er war aufgebracht.
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