Kapitel 4

1449 Worte
Die roten Lichter aus dem Studio blinkten wie verrückt und ließen die Wände pulsieren. Julian stand auf der Feuerleiter, und das kalte Metall drang durch seine Schuhe in seine Füße. Er war gefangen zwischen der Polizei, die sich auf der Straße näherte, und der Frau, die sein Herz im Griff hatte. „Julian, komm schon!“, flüsterte Elena, packte seinen Mantel und zog ihn hinein. Sie war nicht sanft, sie war verzweifelt, als würde sie versuchen, einen Mann vor dem Ertrinken zu retten. Julian stolperte durch das Fenster. Er landete hart auf dem Boden, gerade als eine Polizeisirene direkt vor dem Lagerhaus verstummte. Dominic war bereits an der Stahltür, schloss sie ab und brachte eine Sicherheitsstange an. „Der Aufzug hinten führt in die Gasse“, sagte Dominic mit angespannter Stimme. „Die Polizei wird den ganzen Block in wenigen Minuten absperren. "Wir brauchen etwas, um sie abzulenken.“ Julian hörte ihm nicht zu; er starrte nur weiter auf das Tablet auf der Werkbank. Auf dem Bildschirm war Beatrice zu sehen, wie sie an einem Podium in der Lobby des Vane Plaza stand. Sie sah umwerfend aus, ihr Haar zu einem Knoten zusammengebunden, in einem weißen Anzug, der sie mächtig wirken ließ. „Mein Bruder hat schon seit einiger Zeit zu kämpfen“, sagte Beatrice zu den Kameras, ihre Stimme zitterte, als wäre sie wirklich traurig. „Das Scheitern seiner Ehe war der letzte Strohhalm. Wir haben heute Abend von den Problemen mit den Konten erfahren. "Es macht mich so traurig, sagen zu müssen, dass Julian weggelaufen ist, um Ärger zu vermeiden.“ „Sie ist gut“, flüsterte Julian, und ein Lachen entfuhr ihm. „Sie hat von den Besten gelernt.“ „Sie hat von dir gelernt“, schnauze Elena und warf ihm einen mit Farbe befleckten Kapuzenpulli zu. „Zieh das an. Versteck den Anzug. "Wenn du da hingehst und wie ein reicher Typ aussiehst, bist du erledigt.“ Julian betrachtete den Hoodie. Es war ein graues Teil, das nach Farbe und nach Elena roch. Er zog seinen Blazer aus und schlüpfte in ein Sweatshirt. Es fühlte sich schwer an, als würde es ihn nach unten ziehen. „Warum hilfst du mir?“, fragte Julian und sah Elena an, als sie ihm ein Handy reichte. „Du hast die Unterlagen. Du hast Dominic. "Du könntest mich einfach von der Polizei abholen lassen.“ Elena blieb stehen, ihre Hand schwebte über einer Tasche. Sie sah ihn an, und für einen Moment wirken ihre Augen ein wenig weich, als hätte sie Mitleid mit ihm. „Weil ich Beatrice kenne. Sie will nicht nur die Firma, Julian. Sie will dich auslöschen. "Auch wenn ich dich zurücklassen will, werde ich nicht zulassen, dass sie dem Mann Schaden zufügt, den ich einst kannte.“ Dominic überprüfte die Monitore. „Die Polizei ist vor dem Gebäude. Zwei Wagen. Sie sprechen mit dem Einsatzleiter. "Wir haben noch drei Minuten weniger.“ „Nimm das Auto“, sagte Julian zu Dominic. „Der Maybach ist wie ein Aushängeschild. Wenn du damit in Richtung Brücke fährst, wird die Polizei dir folgen. "Ich gehe mit Elena durch den Hinterausgang.“ „Nein“, sagte Dominic mit einem Lächeln im Gesicht. „Ich habe eine Idee. "Julian, gib mir deine Uhr und dein Handy.“ Julian reichte sie ihm, ohne nach dem Grund zu fragen. Dominic warf sie in einen Lieferwagen, der im Lastenaufzug stand. Er drückte den „Ab“-Knopf. „Die Polizei wird denken, dass du im Lieferwagen bist“, erklärte Dominic. „Ich schicke ihn nach Queens. Ihr zwei geht durch den Keller in den U-Bahn-Tunnel. "Drei Blocks weiter gibt es eine Tür.“ „Und du?“, fragte Elena, ihre Stimme ein wenig „Ich treffe euch sechs Stunden am Haus“, antwortete Dominic. Er sah Julian an, sein Blick war hart. „Pass auf sie auf, Julian. "Wenn ihr wegen deiner Familie etwas zustößt, wird die Polizei deine geringste Sorge sein.“ Die U-Bahn-Tunnel glichen einem Labyrinth aus Beton, durch das das Geräusch von Zügen in der Ferne hallte. Julian und Elena gingen schweigend auf das Licht zu, das von der Taschenlampe des Handys ausging. Julian hatte das Gefühl, die Welt würde immer kleiner werden. Fünfzehn Jahre lang drehte sich sein Leben um Ausblicke und Privatjets. Jetzt ging er durch die Tunnel der Stadt und folgte der Frau, die er wie einen Geist behandelt hatte. „Ich wusste nichts von der Uhr," sagte Julian, und seine Stimme hallte wieder von den Wänden . „Die aus Plastik. "Ich habe vieles vergessen, nachdem mein Vater die Firma übernommen hatte.“ Elena blickte nicht zurück. „Du hast sie nicht vergessen, Julian. Du hast sie eingetauscht. Jedes Mal, wenn du die Arbeit zum Abendessen vorgezogen hast, ist ein Stück deiner Erinnerung mitgegangen. "Du bist zu einem Mann aus Papier geworden.“ „Ich dachte, ich würde einen Ort für uns schaffen“, sagte er. Elena blieb stehen. Sie drehte sich um; das Licht der Taschenlampe fiel auf ihr Gesicht und ließ sie wie einen Geist aussehen. „Nein. Du hast dir selbst einen Käfig gebaut. Ich war etwas Schönes darin. "Du hast nicht einmal bemerkt, dass Beatrice mich im Penthouse besucht hat, während du weg warst.“ Julian verspürte einen Schock. „Beatrice war im Haus? „Sie hat nach dem Hauptbuch gesucht“, flüsterte Elena. „Sie hat mir gesagt, du seist schwach. Sie hat mir gesagt, dass du Geheimnisse hütet, die uns beide ruinieren würden. "Sie hat versucht, mich dazu zu bringen, den Code für den Tresor zu finden.“ „Hast du das?“ „Ich habe ihr gesagt, ich wüsste es nicht“, flüsterte Elena. „Ich wusste, wo du den Schlüssel zu meinem Schmuckkästchen aufbewahrst. Ich habe gesehen, wie sie ihn eines Tages gesehen hat. Ich habe nichts gesagt, weil ich sehen wollte, ob du es bemerken würdest. "Ich wollte sehen, ob dir klar wird, dass deine Schwester ein Problem ist.“ „Das habe ich nicht.“ „Du warst zu sehr mit der Arbeit beschäftigt.“ Sie erreichten die Tür. Julian stieß sie auf, wobei das schwere Metall knarrte. Sie stiegen hinauf in eine Gasse in einem Teil von Brooklyn, den Julian nicht kannte. Die Luft war schwer vom Geruch nach Regen und Müll. Elena zog ihre Kapuze über den Kopf. „Wir müssen zu dem Kunstort in Red Hook. Mein Lehrer hat dort ein Loft. "Beatrice weiß nichts davon.“ „Elena“, sagte Julian und packte sie am Arm. Sie riss sich los. Er ließ sie los und fühlte sich schlecht. „Das Hauptbuch. Wenn Beatrice es hat, kann sie mich lebenslang ins Gefängnis stecken. Die Konten meines Vaters … Ich habe einige dieser Papiere unterschrieben, als ich zweiundzwanzig war. Damals wusste ich nicht, was das war. "Auf dem Papier bin ich derjenige, der das getan hat.“ „Ich weiß“, sagte Elena. „Deshalb werden wir uns nicht verstecken. "Wir werden die einzige Person finden, vor der Beatrice Angst hat.“ „Wer?“ „Deine Mutter.“ Julian stockte der Atem. „Meine Mutter ist vor zehn Jahren gestorben.“ Elena griff in ihre Tasche. Sie holte ein kleines Foto heraus. Es zeigte eine Frau in einem Garten, dessen Gesicht teilweise vom Sonnenlicht verdeckt war. „Der Ort in der Schweiz ist nicht nur für Beatrice“, sagte Elena mit ruhiger Stimme. „Ich habe ein bisschen nachgeforscht, als ich vorhatte, wegzugehen. Dein Vater hat sie nicht begraben. Er hat sie versteckt … "Beatrice besucht sie schon seit Monaten.“ Julian hatte das Gefühl, als würde sich der Boden unter ihm bewegen. Der Verrat war so groß, dass er das Gefühl hatte, er würde ihn gänzlich verschlingen. Bevor er etwas sagen konnte, vibrierte das Handy in seiner Hand. Es war eine SMS von einer Nummer, die er nicht kannte. [Unbekannt: Der Junge, der die Plastikuhr gewonnen hat, war immer langsam. Wenn du sie lebend sehen willst, geh nicht in die Schweiz. Komm zum Pier. Allein… Als Nächstes werde ich die Beerdigung deiner Frau planen.] Julian sah Elena am Telefon an. Die Polizei war eine Sache. Seine Schwester spielte ein Spiel, das blutig enden konnte. „Was ist los?“, fragte Elena, als sie sah, wie sein Gesicht blass wurde. Julian löschte die SMS. Er sah die Frau an, die er verloren hatte, und erkannte, dass er lieber sterben würde, als sie in Beatrice’ Visier zu sehen. „Es ist nichts“, log er, während die Maske wieder an ihren Platz glitt. „Nur eine Eilmeldung. "Lass uns nach Red Hook fahren.“
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