Kapitel 6: Verdrängung

950 Worte
"Das verlief ganz und gar nicht wie geplant.", murmelte Magnus, während er neben Cedric stand und dem Jungen hinterher sah, der schnellen Schrittes davoneilte. Cedric schnaubte bloß. "Ach was. Der Plan war also nicht, dass der Junge Nein sagt?", gab Cedric sarkastisch zurück. "Ich verstehe das einfach nicht. Versteht er denn nicht, was hier am Spiel steht?", murmelte Magnus weiter vor sich her, ohne auf Cedric zu achten. "Nein, versteht er nicht. Wie ich bereits sagte, die Welt ist eine Andere. Es fiel schon mir schwer, deinen Worten Glaube zu schenken, als du zu mir kamst. Und das war vor hundert Jahren. Du dachtest doch wohl nicht, die Menschen wären während dieser Zeit Magie und dem Übernatürlichen wieder aufgeschlossener geworden?" Magnus seufzte resigniert. "Ich hatte es gehofft.", flüsterte er, ehe er sich aufrichtete und seine Miene wieder ernst wurde. "Behalte ihn im Auge Cedric. Früher oder später wird sich seine Magie zeigen, und dann braucht der Junge uns.", befahl er und Cedrics Blick wanderte alarmiert zu ihm. "Wieso ich?", fragte er, doch ein Blick von Magnus genügte, um ihn zum Schweigen zu bringen. "Ich muss nach Avalon zurückkehren. Desto länger ich in dieser Welt bin, desto größer ist die Gefahr für unsere Welt. Aida plant bestimmt bereits, Avalon an sich zu reißen." Bei diesem Gedanken verdüsterte sich Magnus Blick. "Denkst du nicht, sie haben mit ihrer eigenen Rekrutin zu tun? Wenn ein neuer Wizard erwacht ist, dann bestimmt auch eine neue Witch.", warf Cedric ein und Magnus Miene verdüsterte sich noch mehr. "Wer weiß, sie war schon immer unberechenbar. Doch dies muss nicht deine Sorge sein, sorge du nur dafür, dass der Junge nicht in Schwierigkeiten gerät." Tony eilte durch die Straßen, seine Gedanken rasten. Er versuchte zu verstehen, was gerade passiert war. Zauberer, vor seiner Tür. Verdammte, echte Zauberer. Und er soll auch einer sein. Das ist doch verrückt. Er war IT-Student, kein verdammter Zauberlehrling. Und doch, er konnte nicht abstreiten, dass Magie real war. Obwohl, vielleicht war alles nur ein Trick gewesen. Vielleicht hatten diese Irren ihn ja unter Droge gesetzt, und das war alles nichts weiter als eine verrückte Halluzination gewesen. Ja, mit dieser Erklärung konnte er leben. Alles andere war einfach zu verrückt. Er musste unbedingt mit Jackson reden. Tony begann in seiner Tasche nach seinem Handy zu kramen, ehe ihm wieder einfiel, dass sein Handy nun nichts weiter mehr war als ein Häufchen Staub. Gut, dann musste er wohl persönlich mit ihm sprechen. Da fiel Tony wieder ein, das Jackson zurzeit bestimmt in einer Vorlesung saß. In einer Vorlesung, in der er auch sein sollte. Und zwar nun schon seit über zwei Stunden. Großartig. Warum musste auch sein blöder Handy Akku leer sein. Wenn er das Handy angesteckt hätte, wäre er jetzt nicht hier und würde vor zwei Irren fortlaufen, die ihn unter Drogen gesetzt hatten, sondern er wäre im Vorlesesaal und würde einem langweiligen Vortrag seines Professors lauschen. Plötzlich verlor er den Boden unter den Füßen. Überrascht taumelte er etwas nach vorne, und wäre beinahe auf den Holzboden aufgeschlagen. Tony blinzelte ein paar Mal. Holzboden? Er war doch auf der Straße. Da sah er auf, und erstarrte. Er stand im Vorlesesaal. Vor ihm saßen seinen Studienkollegen, alle sahen ihn überrascht oder amüsiert an. Langsam wanderte Tonys Blick zur Seite, wo Professor Adrian mit verschränkten Armen dastand und Tony musterte. "Mr. Doreison, wie schön, dass Sie uns doch noch mit ihrer Anwesenheit beehren. Doch wenn man schon zu spät kommt, verlangt die Höflichkeit doch wenigstens, dass man anklopft, und sich dann für die Störung und Verspätung entschuldigt, anstatt einfach in den Saal zu stürmen.", wies der Professor Tony zurecht, der immer noch zu perplex war, um zu antworten. Als Tony keine Anstalten machte, etwas zu sagen, oder sich zu bewegen, räusperte sich Professor Adrian ungeduldig. "Mr. Doreison?", wiederholte er nun lauter. Endlich fand Tony seine Stimme wieder. "Äh, ja, tut mir leid Professor.", stammelte er, und teilweise hörte man Kichern aus der Menge. Professor Adrian verdrehte genervt die Augen. "Setzten, Mr. Doreison.", knurrte er, bevor er sich wieder der Tafel zuwandte, und einfach weiterredete, ganz so als sei nichts passiert. Immer noch verwirrt eilte Tony zu seinem Platz, wo ihn bereits ein grinsender Jackson erwartete. "Verdammt, das nenn ich einen Hammer Auftritt, Tony.", begrüßte er ihn leise. Tony ließ sich neben ihn sinken, und sah ihn irritiert an. Jackson runzelte die Stirn. "Du siehst fertig aus, was ist denn los?", fragte sein Freund ihn besorgt. Tony beugte sich zu ihm und flüsterte. "Jackson, findest du es nicht merkwürdig, das ich wie aus dem Nichts hier aufgetaucht bin?", fragte er ihn leise, ohne auf seine Frage einzugehen. Jackson runzelte die Stirn. "Wovon redest du bitte? Du bist doch durch die Tür da gekommen. Aber du hättest vielleicht warten sollen, bis die Vorlesung aus ist, ehe du so hereingestürmt kommst." Nun war es Tony, der die Stirn runzelte. "Warte mal, ich bin durch die Tür gekommen?", hakte er nach. Jackson grinste. "Klar, wie sollst du sonst hereingekommen sein. Verdammt, Tony, bist du auf Droge?" Tony vergrub sein Gesicht in den Händen. "Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung." Cedric starrte fassungslos auf die Stelle, wo gerade eben noch der Junge gestanden hatte. Nun war er weg. "Das gibt es doch nicht.", flüsterte Cedric und sah sich um. Der Junge war wirklich durch den Raum gesprungen. Selbst erfahrene Zauberer brauchen dafür Übung, und der Junge machte es völlig ungewollt. "Magnus bringt mich um.", murmelte Cedric, ehe er begann, einen Ortungszauber zu wirken. Er musste den Jungen unbedingt finden. Denn wie es aussah, war die Magie in ihm weitaus stärker, als Cedric erwartet hatte. Und er wollte sich nicht vorstellen, was der Junge anrichten könnte, wenn seine Macht unkontrolliert ausbricht.
Kostenloses Lesen für neue Anwender
Scannen, um App herunterzuladen
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Schriftsteller
  • chap_listInhaltsverzeichnis
  • likeHINZUFÜGEN