8.Kapitel Beltanie

1498 Worte
8.Kapitel Beltanie Frühling 66 V.Z Ich tauchte meinen Federkiel in die Tinte und schrieb folgendes nieder: „Rohan, eine Woche nach meiner Krönung. Wo soll ich anfangen? Die dringlichsten Geschäfte und Abkommen sind dank dem Kronrat erledigt worden. Königin Alyndra, eigentlich sollte ich sie jetzt nur noch Königin Mutter nennen, wurde erneut als Regentin von Arnor proklamiert. Der Grund dahinter ist wie mir zugetragen wurde, sowohl einfach wie auch weitsichtig. Arnor wird somit auch nach dem Tod meines Vaters von Rohan als eigenständiges Königreich anerkannt.  Für den Fall das Gondor wie schon so oft in meiner geliebten Heimat einfallen sollte, wird Rohan Arnor unterstützen. Ausserdem wird so auch die Botschaft übermittelt, das meine Mutter nach dem Trauerjahr nach einem geeigneten Mann suchen wird. Wir alle wissen zwar, dass dies vom Kronrat in Fornost entschieden wird, aber es ist laut meinen Beratern wichtig, diese Zeichen schon jetzt zu senden.  Wie auch meine Mutter, ist Lady Tariél ist abgereist. Ihr Mann wird über ihren Misserfolg als Botschafterin nicht erfreut sein, aber das ist nicht mein Problem. Genug der Politik, davon bekomme ich Kopfschmerzen.“ Nachdenklich fügte ich an: „Théodred besucht mich jeden Abend, ich bete für einen Erben. Die Menschen in Rohan huldigen Eru anders als es in Arnor üblich ist. Mir ist ihre Bezeichnung leider entfallen, vielleicht erinnere ich mich später daran.“ Kaum hatte ich mein Tagebuch geschlossen, klopfte es und Théodred betrat mein Zimmer. „Störe ich, Mylady?“ „Überhaupt nicht, mein Gemahl. Ich hatte euch nur nicht so früh erwartet. Lasst mich nur rasch meine Haube ausziehen, dann bin ich bereit.“ Ich griff mechanisch nach den Haarnadeln die meine Haube befestigten, doch Théodred war schneller und hielt mich davon ab, in dem er meine Hände in seine nahm. „Lasst das. Ich bin nicht dafür hier.“ Ich drehte mich etwas erschrocken zu ihm um und fragte: „Seid Ihr meiner schon jetzt überdrüssig geworden? Sagt mir, was ich falsch gemacht habe und ich verspreche Euch, das ich mich bessern werde!“  Er runzelte die Stirn und begann dann zu meiner Überraschung an zu lachen. „Für was für eine Art Mann haltet Ihr mich, meine Gemahlin? Ein Mann der herumhurt, obwohl er eine Frau hat, die auf ihn wartet ist ein Narr. Ein Mann der eine Königin hintergeht hingegen …“ Seine Hände legten sich auf meine Schultern. „Ist ein todgeweihter Narr.“ Ich lachte leise und sah zu ihm auf. „Was führt Euch denn nun zu mir?“ „Es scheint mir, dass Ihr seit der Abreise der Königin Mutter etwas einsam seid.“, erwiderte er beinahe gleichmütig auf meine Frage. Damit hatte er recht. Ich hatte niemanden hier in Edoras. Mein Gefolge war mit Mutter nach Fornost zurückgereist und meine Bediensteten waren zum Grossteil die gleichen Leute, die Alyndra hier als Königin gedient hatten. „Warum seid Ihr bei mir, wenn Ihr nicht das Bett mit mir teilen wollt?“ „Sagt Euch der Begriff Beltanie etwas?“ „Das Fruchtbarkeitsfest, das gemeine Volk nennt es auch gerne den Frühlingsanfang. Es ist heute, nicht? Ich habe die Bediensteten darüber reden hören.“ „Darauf wollte ich hinaus. Ich würde Euch gerne darum bitten, daran Teilzunehmen. Ihr seid nun die Königin, das Volk sollte Euch sehen.“  Es behagte mir nicht, an diesem Rytus teilzunehmen. Ich kannte die Geschichten um diesen Ort nur zu gut. Diejenigen über die Steine hatten mir während den Studien über Rohan  beinahe am besten gefallen. Am liebsten waren mir die zahlreichen Sagen über die Elben gefallen, laut denen die Elben diesen Ort mit einem Zauber belegt hatten.  Trotzdem stieg ich noch vor Mitternacht zusammen mit meinem Gemahl und meiner Leibgarde auf den Creagach na beatha, den mein Vorfahr König Théodred nach der Schlacht um Helms Klamm hatte errichten lassen. Kaum hatte ich den Anstieg bewältigt, war ich einen Moment lang geblendet vom Feuerschein. Soweit ich Blicken konnte, waren in regelmässigen Abständen vier grosse Feuer errichtet worden. Darum hatten sich grosse Menschenmengen gebildet. Als ich mich langsam auf das Zentrum des Geschehens zubewegte, folgten mir die Blicke der Anwesenden, hier und da wurde etwas gemurmelt. Die Maitanne ragte in der Mitte der vier Feuer in den Himmel Empor. „Ein schlanker Stamm“, ging mir überrascht durch den Kopf. Noch überraschter war ich, als mir vier Frauen entgegeneilten und vor mir auf die Knie fielen. „Banrìon Celebrian! BanrÌon Celebrian!“ Eine meiner Wachen sah das Ausbleiben einer Reaktion meinerseits wohl als Aufforderung den Weg Frei zu machen und ging einen Schritt auf die Frauen zu.  „Nein.“ Meine Stimme klang fest und klar.  „Lasst sie.“ Théodred nickte dem Mann zu, worauf der Mann wieder hinter mich trat.  „Erhebt euch. Heute Nacht feiern wir als ein Volk, nicht als Herrin und Diener.“  Die Frauen gehorchten, sahen mir aber nicht in die Augen. Ihre Blicke waren auf den Boden gerichtet. „Wenn ihr mir sagen würdet, weshalb ihr zu mir gekommen seid?“, setzte ich ungeduldig an. Es war schliesslich die kleinste der vier, die das Wort ergriff. „A banrÌon Celebrian, Ihr und Euer Gemahl erweist uns eine unsagbare Ehre, indem Ihr zu diesem Fest erscheint. Heute Nacht verkörpern wir bei der heiligen Zeremonie die vier Jahreszeiten. Würdet Ihr uns die Ehre erweisen und den Baum der Fruchtbarkeit segnen?“  „Den Baum der Fruchtbarkeit?“, wiederholte ich an Théodred gewandt. Die Sprache Rohans war der von Arnor ähnlich, doch reichte mein Wissen nicht aus, um diesen Zusammenhang zu verstehen. „Die Maitanne“, sagte er und deutete darauf. „Der Legende nach bringt es eine reife Ernte und einen milden Winter, wenn die Königin sie segnet.“ Ich nickte und sah etwas kritisch zu der Tanne herüber. Sie stand ziemlich genau in der Mitte eines Steinkreises, was im klaren Licht des Vollmondes sowohl wunderschön wie auch furchteinflössend auf mich wirkte. Ich wusste zwar nicht, was bei der Segnung eines Baumes gesagt werden sollte, aber das konnte kaum von belang sein, oder? Wenig später fand ich mich vor besagter Tanne wieder und hoffte, das man meine Stimme auch hören würde. So laut ich konnte rezitierte ich einen kurzen Segen auf Gàidhling: „Am fear nach dèan cur sa Mhàrt, cha bhuain e san Fhoghar.  Gum fosglach dorus na bliadhna ùire chum sìth, sonas is sàmchair.  Gun cuireadh do chupa thairis le slàinte agus sonas.  Gum biodh ràth le do thurus.  Deagh-bheus, slàinte agus beartas!“ Wer im März nicht säht, wird im Herbst nichts ernten Möge dir die Tür des kommenden Jahres den Weg zu Frieden, Glück und stillem Zufriedensein öffnen. Möge Eru dich und die deinen Segnen. Tugend, Gesundheit und Glück!  Ich hatte meine Augen geschlossen, während ich die Worte gesprochen hatte. Mir war dank der Feuer um mich herum angenehm warm, die Worte meiner Muttersprache erfüllten mich zusätzlich mit Stolz. Die Slàinte! Rufe der anwesenden hörte ich kaum. Zum ersten Mal seit meiner Krönung fühlte ich mich wahrhaftig wie die Banrìgh Celebrian, die rechtmässige Königin von Rohan.  Wie jeder schöne Augenblick verflog auch dieser viel zu schnell. Ich zog mich etwas zurück, um den vier Frauen von vorhin Platz zu machen. Sie waren nun in schmucklose weisse Kleider gehüllt und trugen einen Schleier über ihren Haaren, jede hatte eine Laterne in der linken Hand.  Sie schritten langsam in den Steinkreis, die Hand mit der Laterne in die Mitte gerichtet, die andere gen Himmel. Sie knicksten anmutig, gingen einige Schritte weiter und knicksten erneut. Dieses Ritual wiederholten sie vier mal, darauf ging alles sehr schnell. Sie schritten leichtfüssig um jeden der Steine, die Laternen unbeirrt in der Hand, dann fassten sie sich an den Händen und umkreisten zuerst die Tanne, dann die Steine mit fliessenden Bewegungen. Sie hätten lächerlich aussehen sollen, aber so war es nicht. Ich beobachtete das geschehen gebannt.  Eine der Tänzerin trennte sich von den anderen dreien, jedoch ohne die Energie?, frage ich mich verwundert, des Rituals zu stören. Sie drehte sich zur Maitanne und sprach einige Worte in einer fremden Sprache. In dem Moment in dem sie verstummte, drehten sich die anderen zu ihr und hielten die Laternen ebenfalls in Richtung der Tanne.  Vielleicht lag es an der warmen Luft oder dem Vollmond, aber ich wusste, das ich in diesem Augenblick einen Ruck unter meinen Füssen spürte. Was es auch sein mochte, es kam nicht von den versammelten Menschen. Mein Herz schlug mir vor Schreck bis zum Hals. Panisch griff ich nach Théodreds Arm, doch da war nichts. Ein Geräusch schien in meinem Kopf entstanden zu sein, ein lautes Summen. Es schwoll zu einem regelrechten dröhnen an, bis es kaum mehr zu ertragen war. Ich schrie auf, doch es kam kein Ton aus meiner Kehle. Ein paar Hände hielt mich fest, von scheinbar weit weg meinte ich meinen Namen zu hören.  Das dröhnen endete abrupt. Ich merkte nicht mehr, das ich zu Boden sank, es kümmerte mich nicht. Es herrschte nur noch die seelige Stille die auf das dröhnen folgte.
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