Kapitel 41: Der Moment, bevor der Schnee bricht

1256 Worte

Die Sonne kehrte nicht zurück. Nicht am nächsten Tag. Nicht am übernächsten. Der Himmel blieb eine einzige, schwere Platte aus Grau, die tiefer und tiefer sank, bis es sich anfühlte, als könnte man die Hand ausstrecken und sie berühren. Der Schnee fiel jetzt in perfekten, lautlosen Linien, senkrecht, ohne Wind, ohne Wirbel, als würde er von etwas Unsichtbarem gezählt und platziert. Jede Flocke landete exakt dort, wo die vorige gelegen hatte, und baute Schicht um Schicht eine Stille, die schwerer wog als jeder Sturm. Viktor spürte es in den Zähnen. Ein dumpfes Vibrieren, das nicht aufhörte. Kein Schmerz. Nur Druck. Als würde etwas in seinem Kiefer wachsen, das nicht dorthin gehörte. Er stand jeden Morgen früher auf, noch bevor das erste graue Licht durch die Ritzen kroch, und ging hinaus.

Kostenloses Lesen für neue Anwender
Scannen, um App herunterzuladen
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Schriftsteller
  • chap_listInhaltsverzeichnis
  • likeHINZUFÜGEN