Kapitel 42: Der erste Frühling, der wehtut

1052 Worte

Der Schnee schmolz nicht gleichmäßig. Er zog sich zurück wie ein Tier, das weiß, dass es verloren hat, aber trotzdem noch beißt. An manchen Stellen blieb er in harten, schmutzigen Klumpen liegen, besonders in den Senken, wo die Sonne nie ganz hinkam. Dort faulten die Reste des Winters vor sich hin, gaben einen süßlich scharfen Geruch ab, der sich mit dem frischen Grün mischte, das überall durchbrach. Es roch nach Verwesung und Neubeginn zugleich. Nach etwas, das man nicht sauber trennen konnte. Viktor stand am Rand der Schlucht und schaute hinunter. Das Eis war jetzt nur noch ein dünner Film, durchzogen von Rissen, die wie alte Narben aussahen. Das dunkle Etwas, das früher aus ihnen gesickert war, war verschwunden. Stattdessen wuchsen winzige, blaue Blumen aus den Spalten. Ihre Blütenblät

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