Kapitel 28: Die Stimmen unter der Haut Der Sommer kam nicht mit Fanfaren. Er schlich sich ein wie ein Dieb, der weiß, dass er willkommen ist, aber trotzdem vorsichtig bleibt. Die Tage wurden länger, ohne dass jemand es laut aussprach. Das Licht kroch früher über die Hügel, blieb länger auf den Blättern hängen, färbte den Himmel in ein blasses, fast schmerzhaftes Blau. Die Luft roch nach warmem Harz, nach blühendem Fingerhut und nach dem leichten Schweiß der Erde, die endlich atmen durfte. Doch unter diesem Duft lag immer noch etwas Kühles. Etwas, das nicht ganz verging. Wie ein Atem, der in der Lunge hängen bleibt, lange nachdem man ausgeatmet hat. Viktor bemerkte es zuerst an sich selbst. Er stand morgens am Fluss, nackt, die Füße im kalten Wasser, und wusch sich. Das Wasser war klarer

