Der erste Schnee fiel in der Nacht, ohne Vorwarnung. Kein Wind kündigte ihn an. Kein Donnergrollen. Nur Stille, dann plötzlich dieses leise, unaufhaltsame Rieseln, als würde der Himmel selbst seine Haut abschütteln. Am Morgen lag alles unter einer dünnen, makellosen Decke. Der junge Baum stand kerzengerade, das neue silbergrüne Blatt trug bereits eine Haube aus Weiß. Es sah aus, als würde es frieren, aber es brach nicht. Viktor stand barfuß vor dem Haus, die Zehen tief im Schnee. Er spürte die Kälte nicht sofort. Erst nach einer Weile kroch sie hoch, langsam, wie eine Erinnerung, die man nicht haben will. Er bewegte die Zehen. Der Schnee knirschte leise. Darunter war immer noch Schlamm. Immer noch Erde. Immer noch das, was sie waren. Liesel trat neben ihn. Sie trug nichts über dem dünnen

