Kapitel 3: Ein gefährliches Spiel

893 Worte
Aeris Persische Teppiche bedecken den Boden, goldene Porträts schmücken die Wände, und jedes Möbelstück scheint mit einer Präzision und einem Luxus geschnitzt zu sein, die mich verwirren. Alles hier ist zu… einfach zu viel. Zu viel für ein einfaches Dorfmädchen wie mich. Und doch bin ich hier. In diesem goldenen Käfig. Ein leichter Schauer läuft mir über den Rücken, als ich mich im Bett aufrichte, meine Hände um die frischen Laken klemmen. Ein Tablett wurde neben mir abgestellt. Es ist gefüllt mit frischen Früchten, Brot und einer Karaffe Wasser. Ich starre einen Moment lang darauf, zögernd. Isst man wirklich solche Dinge hier, in diesem Schloss, in dieser Welt, von der ich nichts weiß? Die Stille des Raumes wird durch ein leises Geräusch unterbrochen. Die Tür öffnet sich langsam, ohne ein Knarren. Ich muss nicht einmal aufblicken, um zu wissen, wer es ist. Ich spüre es. Er ist hier. Der Herr tritt geräuschlos ein, seine imposante Silhouette hebt sich im Türrahmen ab. Ganz in Schwarz gekleidet, ist er die Verkörperung eiskalter Eleganz. Seine dunklen Augen ruhen auf mir, und ich schaudere unter der Intensität seines Blicks, als könnte er in meine Seele eindringen, jede gedachte Sorge, jedes Geheimnis, das ich verberge, lesen. Sein Blick ist mächtig, aber was mich noch mehr beunruhigt, ist, dass er… neugierig zu sein scheint. — Gut geschlafen? Seine Stimme ist ruhig, fast zu sanft, als ob er meine Reaktion beobachten wollte. Langsam hebe ich den Blick zu ihm, und ein Schauer durchfährt mich. Seine Augen lassen mich nicht los. — Ja, antworte ich mit einer Zögerlichkeit, die meine verworrenen Gedanken verrät. Er neigt leicht den Kopf, und seine Lippen dehnen sich zu einem subtilen, schwer zu entschlüsselnden Lächeln. Er schreitet mit fast überirdischer Anmut durch den Raum, wie ein Raubtier, das bereit ist, zu springen, sich aber Zeit nimmt, jeden Moment zu genießen. — Bist du überrascht? fragt er, ein amüsiertes Funkeln in seinen Augen. Ich starre ihn an, meine Hände umklammern die Laken zwischen meinen Fingern, um mir Halt zu geben. Ich versuche, ihn nicht sehen zu lassen, wie sehr seine Präsenz mich stört. — Ich dachte, es wäre… anders, gestehe ich, obwohl ich mir der Ironie meiner Worte bewusst bin. Er bleibt einen Moment lang direkt neben dem Bett stehen und sieht mich an. Sein Blick wird intensiver, als würde er meine tiefsten Gedanken ergründen. — Du dachtest, ich würde dich in einen Kerker sperren? Ein Hauch von Spott schwingt in seiner Stimme mit, aber auch ein seltsamer Unterton. Ich mag diese Art der Manipulation mit seinen Worten nicht. Doch ich lasse es mir nicht anmerken. Ich fordere ihn mit meinem Blick heraus. — Ist das nicht, was man mit Opfern macht? antworte ich, ohne den Blick zu senken. Eine schwere Stille breitet sich zwischen uns aus. Er sieht mich einen Moment lang an, und ich spüre eine merkwürdige Spannung in der Luft, eine Spannung, die nichts mit Angst zu tun hat. Es ist etwas viel Heimtückischeres. Ein Spiel. Ein gefährliches Spiel, das ihm offensichtlich Freude bereitet. Dann setzt er sich langsam auf einen Stuhl neben dem Bett, immer noch auf mich schauend, als wäre jede meiner Bewegungen ein Rätsel, das er lösen wollte. — So sieht das Dorf die Dinge, murmelt er, seine Stimme tief und voller Andeutungen. Aber was sie nicht verstehen… ist, dass ich nur nehme, was mir bereits gehört. Seine Worte hallen in mir wider wie eine Glocke, und ein eisiger Schauer durchfährt mich. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich mehr Angst vor ihm oder vor dem habe, was er mit mir anstellen könnte. Aber eines ist sicher: Ich darf ihn nicht in das ziehen lassen, was er "gehören" nennt. — Glauben Sie, dass ich Ihnen gehöre? Die Frage entfährt meinen Lippen, bevor ich sie zurückhalten kann. Er sieht mich einen Moment lang an, sein dunkler Blick wird fast durchdringend, als ob meine Worte nur ein Versuch wären, die Wahrheit zu verbergen, die er bereits kennt. Ein Lächeln spielt um seine Lippen. Er antwortet nicht sofort, aber die Luft im Raum wird schwerer, erdrückender. — Glaubst du nicht? fragt er schließlich mit einer solchen Gewissheit, dass ich zögere. Ich balle die Fäuste unter den Laken, obwohl ich weiß, dass das nichts ändern wird. So sehr ich versuche, die Kontrolle zu behalten, hat er nie aufgehört, mich von Anfang an zu manipulieren. Er testet mich, er prüft mich. Und das macht mir Angst. — Nein, wehre ich mich, meine Stimme bricht fast am letzten Wort. Er bleibt einen Moment lang still, seine Augen in meinen versunken, als ob er auf etwas wartete. Ein Zeichen, vielleicht. Aber er sieht mich nur an, unbeweglich. Langsam steht er auf, ohne ein Wort zu sagen, und macht ein paar Schritte zurück. — Interessant, murmelt er schließlich, sein Lächeln verbreitert sich ein wenig. Aber vielleicht wirst du mich dazu bringen, meine Meinung zu ändern. Ich habe keine Zeit zu antworten. Er zieht sich mit derselben fast übernatürlichen Anmut zurück, die ihn auszeichnet, ohne einen Blick zurück, und lässt mich allein in diesem Zimmer, das nicht das meine ist, mit wirren Gedanken. Ich bleibe hier sitzen, die Augen auf die Tür gerichtet, die er gerade durchschritten hat, meine Hände zittern unter den Laken. Ich möchte mich davon überzeugen, dass ich nicht in seiner Gewalt bin. Aber die Wahrheit ist, dass dieses Spiel… dieses gefährliche Spiel gerade erst begonnen hat.
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