Prolog-3

699 Worte
„Eure Majestät, flieht!“, rief Isha und schwang sein Zauberschwert durch die Luft, um die die wirbelnden Bänder zu bekämpfen. Er musste zurückweichen, als sich die schwarze Masse verfestigte und sich zu einem halben Dutzend tödlich scharfer Spitzen formte. Er schnitt drei von ihnen durch. Funken stoben aus seiner Klinge, als sie durch die Masse glitt, die sich daraufhin auflöste und wieder neu formte. Er umklammerte den Griff des Schwertes mit beiden Händen, während er verschiedene Zauber ausprobierte und immer wieder zuschlug, um herauszufinden, wie er die Bestie vorübergehend aufhalten könnte. Hinter sich hörte er, wie die Königin einen mächtigen Zauber sprach. Adern aus Diamanten erhoben sich aus dem Boden. Die langen röhrenförmigen Windungen drehten und wandten sich und bildeten einen Käfig um die Kreatur herum. Isha drehte sich um, als er aus dem Augenwinkel eine Bewegung in der Nähe des Fensters wahrnahm. Aus den Schatten erschien Magna. Sie trug ein blutrotes Gewand und ihr schwarzes Haar schwebte um sie herum, als würde es im Wind wehen, als sie aus dem wirbelnden, dunklen Nebel heraustrat. Isha setzte seinen Rückzug fort. Hinter sich konnte er die Schritte der Königin hören, die floh, um die anderen Wachen zu warnen. Er konnte bereits sehen, wie dünne Risse in dem diamantenen Gefängnis entstanden, das die Königin um die Kreatur herum geschaffen hatte. Während er eine Hand nach dem Türgriff ausstreckte, richtete er mit der anderen sein Schwert auf Magna. Sein Blick glitt über das Gesicht der Meerhexe. Ihre Haut war blass wie Mondlicht, und in ihren dunklen Augen lag ein gequälter Ausdruck, der zu groß für ihr hageres Gesicht zu sein schien. Ihre Lippen hatten die Farbe einer mondlosen Nacht und waren leicht geöffnet. Mit tintenschwarzen Augen starrte sie ihn an, ohne zu blinzeln. „Die Magie, die die Insel in sich birgt, muss wieder uns gehören“, sagte sie und ihre Stimme hallte seltsam im Raum wider. Ishas Hand umklammerte das Schwert fester. „Ich werde dich in den dunkelsten Tiefen des Ozeans begraben, bevor die Zauberinsel dir gehören wird, Meerhexe“, knurrte Isha mit eisiger Stimme. Er schloss die Tür und versiegelte sie mit einem starken Zauber, dann ergriff er sein Schwert mit beiden Händen. Mit einem lauten Schrei ließ er jede Unze seiner Zauberkraft in das Schwert hineinfließen. Dann hob er es in die Luft und ging auf Magna los. Sie stand unbeweglich da, als ob sie darauf wartete, von seiner Klinge durchbohrt zu werden. Die Diamantwände explodierten mit einem ohrenbetäubenden Lärm. Isha spürte den Schmerz, als die Diamantsplitter ihn trafen, aber er ignorierte ihn. Er schwang sein Schwert durch die Luft und hielt den Atem an, als das Ende der scharfen Klinge nur wenige Zentimeter von Magnas zartem Hals entfernt von einem dicken, schwarzen Tentakel aufgehalten wurde. Isha schrie schmerzerfüllt auf, als sich ein weiteres tödliches Band um seine Taille wickelte. Das Band hob ihn in die Luft, während weitere Bänder seine Arme und Beine umschlossen. Sein Schwert, das immer noch magisch glühte, fiel aus seinen tauben Fingern. Er kämpfte, aber die Bänder, die ihn festhielten, fühlten sich an wie die Faust eines Riesen, die ihn so fest zusammenpresste, dass er sich sicher war, dass seine Knochen brechen würden. Nach Luft schnappend sah er, wie Magna einen Schritt vorwärts ging und sich bückte, um sein Schwert aufzuheben. Isha versuchte, seine Magie aus dem Schwert herauszuziehen, aber die Schwärze saugte ihn aus. Frustriert krümmte er langsam die Finger seiner rechten Hand. „Mag … na“, keuchte er. „Du hast keine Ahnung, mit welcher Macht wir es zu tun haben, Isha“, teilte Magna ihm mit. Isha blinzelte, als Magna sein Schwert aufhob. Er öffnete seine Finger, um sich auf ihren Schlag vorzubereiten, und war überrascht, als sie ihm das Schwert stattdessen in die Hand gab. Dunkelheit trübte die Ränder seines Sichtfelds und plötzlich erschien ein heiteres Lächeln auf ihrem Gesicht. „Schlaf, Krieger“, murmelte Magna. Ishas Lippen verzogen sich zu einem Keuchen. Er konnte spüren, wie der Zauber seinen Körper verbrannte wie ein Strohfeuer. Seine Gesichtszüge verhärteten sich, bis er kein lebendiges, atmendes Wesen mehr war, sondern eine steinerne Statue, ein Abbild des großartigen Kriegers, der er einst gewesen war.
Kostenloses Lesen für neue Anwender
Scannen, um App herunterzuladen
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Schriftsteller
  • chap_listInhaltsverzeichnis
  • likeHINZUFÜGEN