2.

1192 Worte
Kapitel 2: Unerwartete Wendungen Ich schließe die Tür hinter mir, als Stark über die Schwelle tritt. Er bleibt einen Moment stehen, als wolle er sich vergewissern, dass er hier richtig ist, und dann folgt er mir in den Flur. Die Atmosphäre zwischen uns ist seltsam. Etwas an diesem Mann ist so anders als alles, was ich bisher kannte. Seine Präsenz ist ruhig, fast unberührbar, aber irgendwie auch fesselnd. „Möchtest du etwas trinken?“ frage ich, obwohl ich kaum die Worte hervorzubringen vermag. Es fühlt sich falsch an, jemanden, den ich nicht kenne, in meiner Wohnung zu haben, und doch scheint es so, als ob dieser Moment nicht zu vermeiden war. „Wasser reicht“, sagt er ruhig und lässt sich auf dem Sofa nieder. Ich gehe in die Küche, öffne den Wasserhahn und lasse das kalte Wasser in das Glas laufen. Meine Gedanken rasen. Was wollte er wirklich hier? War es Zufall, dass er hier stand, oder hatte Jon ihn geschickt, um mich zu überprüfen? Als ich mit dem Glas zurückkomme, sehe ich, dass Stark die Hände ineinander verschränkt und den Raum mit einem stillen Blick mustert. Ich setze mich auf den Sessel gegenüber, immer noch unsicher, was jetzt zu tun ist. „Jon… hat dich geschickt, oder?“ frage ich schließlich, ohne zu wissen, ob ich die Antwort überhaupt hören will. Stark dreht sich zu mir, seine Augen sind aufmerksam, aber nicht unhöflich. „Nein, er hat mich nicht geschickt. Ich wollte mit dir sprechen, weil es Dinge gibt, die du wissen musst.“ Seine Stimme ist tief, und es klingt, als ob er sich genau überlegt, wie er sich ausdrückt. „Worüber?“ Meine Stimme klingt schärfer, als ich beabsichtige. Ein Teil von mir will diese Konfrontation, möchte wissen, was hinter den mysteriösen Worten von Jon steckt. Was passiert hier wirklich? Stark zieht leicht die Augenbrauen hoch, als ob er etwas abwägen würde. „Es geht nicht nur um Jon. Es geht auch um dich, Ayra. Es gibt Dinge, die nicht so sind, wie sie erscheinen.“ Ich lehne mich zurück, das Gefühl von Unbehagen wächst in mir. „Was meinst du damit?“ frage ich vorsichtig, weil ich befürchte, die Antwort könnte alles verändern. „Es ist kompliziert“, sagt Stark mit einem Seufzer. „Jon ist… nicht der, der er vorgibt zu sein. Und du solltest wissen, dass du in einem Spiel steckst, das du nicht verstehst.“ Ich starre ihn an. Die Worte treffen mich wie ein Schlag, aber gleichzeitig kann ich es nicht ganz fassen. „Was soll das heißen? Was für ein Spiel?“ „Es gibt Dinge in seiner Vergangenheit, die du nicht weißt“, erklärt er, aber seine Miene bleibt unleserlich. „Er ist nicht der Mann, den du zu kennen glaubst. Und das, was er dir versprochen hat… es ist nur eine Maske. Eine Ablenkung.“ „Warum erzählst du mir das?“ frage ich, obwohl ich die Antwort bereits ahne. Es fühlt sich wie ein Puzzlespiel an, bei dem ein entscheidendes Teil fehlt, aber ich spüre, dass er mir mehr sagen will. „Weil ich nicht will, dass du in diesem Spiel eine Rolle spielst, die du nicht verstehen kannst.“ Stark nimmt einen tiefen Atemzug, als ob er nach den richtigen Worten sucht. „Ich weiß, es ist schwer zu verstehen, aber du hast mehr Kontrolle über deine Zukunft, als du glaubst.“ Ich nicke langsam, versuche, das alles zu verarbeiten. In meinem Kopf herrscht Chaos. Jon ist nicht der, für den ich ihn gehalten habe. Das alles scheint so weit entfernt von dem Bild, das ich von ihm hatte – der erfolgreiche, charmante Mann, der mir einen Urlaub in den Malediven versprochen hat, als Symbol für die Zukunft, die wir zusammen aufbauen wollten. „Und was soll ich jetzt tun?“ frage ich schließlich, als sich der Raum um mich zu drehen scheint. Stark steht auf, geht zum Fenster und sieht hinaus, als ob er nachdenken müsste. „Du musst dich entscheiden, Ayra. Du kannst nicht länger in dieser Ungewissheit leben. Du verdienst mehr als das.“ Seine Stimme ist ruhig, aber entschlossen. „Du hast Jon nie wirklich kennengelernt, oder?“ frage ich, meine Stimme etwas härter als beabsichtigt. „Warum sollte ich dir glauben?“ „Weil ich es gesehen habe“, sagt Stark leise und dreht sich zu mir. „Ich habe die Dinge gesehen, die er verborgen hält. Und ich möchte nicht, dass du verletzt wirst.“ Die Stille in der Luft ist fast greifbar, als ich versuche, seine Worte zu verstehen. Es fühlt sich an, als ob ich auf der Schwelle zu etwas stehe, das ich nicht kontrollieren kann. Etwas, das größer ist als ich. „Du musst ihn konfrontieren“, sagt Stark nach einer langen Pause. „Aber sei vorsichtig. Nicht alles ist so, wie es scheint.“ „Was genau hast du gesehen?“ frage ich, obwohl ich fürchte, die Antwort zu wissen. Stark scheint einen Moment lang nach den richtigen Worten zu suchen, dann spricht er ruhig. „Ich habe gesehen, wie er mit anderen Frauen spricht. Wie er Dinge sagt, die dir nicht gefallen würden. Es geht nicht nur um Unzufriedenheit, es geht um eine andere Seite von ihm, die du nicht kennst.“ Ich schließe für einen Moment die Augen. Der Schmerz, den diese Worte in mir auslösen, ist fast unerträglich. Doch tief in mir weiß ich, dass es die Wahrheit ist. Irgendetwas war immer nicht in Ordnung zwischen uns, aber ich wollte es nicht sehen. Vielleicht habe ich einfach gehofft, dass es irgendwann besser wird. Dass der Valentinstag der Wendepunkt sein würde. „Danke, dass du mir das gesagt hast“, sage ich schließlich, meine Stimme ist leiser als vorher. „Aber was mache ich jetzt?“ Stark sieht mich an, seine Augen intensiv, als ob er etwas in mir suchen würde. „Jetzt? Jetzt musst du dich entscheiden, Ayra. Du hast mehr Macht, als du denkst. Du musst für dich selbst einstehen.“ „Und was ist mit dir?“ frage ich, ein bisschen ungeduldig. „Warum hilfst du mir?“ Er zuckt mit den Schultern. „Ich möchte nicht, dass jemand anderes in diese Falle tappt. Aber was du damit machst, liegt an dir.“ Stark geht zur Tür, dreht sich dann noch einmal zu mir um. „Denke nach, Ayra. Du hast mehr Kontrolle, als du weißt.“ Und dann ist er weg. Ich stehe in meiner Wohnung, die nun stiller ist als zuvor, und der Gedanke, dass Jon nicht der ist, für den ich ihn gehalten habe, nimmt mehr und mehr Raum in meinem Kopf ein. Es ist wie ein Riss, der sich immer weiter öffnet, und alles, was ich für selbstverständlich hielt, scheint nun in Frage gestellt zu werden. Stark hat mir die Augen geöffnet. Aber was soll ich jetzt tun? Wie kann ich den Mann, den ich liebte, mit anderen Augen sehen? Mein Herz schlägt schnell, als ich daran denke, Jon zu konfrontieren. Aber was, wenn es noch schlimmer wird? Was, wenn er mir in die Augen lügt und sagt, dass alles in Ordnung ist?
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