Michael half Christine aufzustehen und sie schlichen sich vorsichtig zurück zu ihrem Auto. Maria kam auch vorsichtig aus ihrem Versteck. In der kleinen abgelegenen Stadt Mc Dermid Creek angekommen, suchten Christine und Michael hastig nach einem Ort, der ihnen vorerst Sicherheit bieten konnte. Die Straßen der Stadt waren ruhig, die Bewohner schienen sich unauffällig in ihren Alltag zu fügen.
Sie fanden eine unscheinbare Pension namens "Silent Haven" am Rand der Stadt. Das Gebäude wirkte verlassen und hatte einen unauffälligen Charme. Die Besitzerin, eine ältere Dame namens Mrs. Thompson, empfing sie mit freundlicher Zurückhaltung.
„Wir suchen nach einem ruhigen und sicheren Zimmer“, erklärte Michael vorsichtig.
Mrs. Thompson lächelte. „Ich habe ein abgelegenes Zimmer im obersten Stockwerk, es ist normalerweise nicht vermietet, aber es könnte Ihnen gefallen.“
Christine nickte erleichtert. „Das wäre perfekt.“
Sie erhielten den Schlüssel zu einem schlichten, aber sauberen Zimmer mit einem kleinen Fenster, das auf den ruhigen Hinterhof blickte. Es war genau das, wonach sie gesucht hatten.
Sobald sie sicher in ihrem Zimmer waren, entschieden sie sich, etwas zu verweilen und Christine die dringend benötigte Ruhe zu gönnen. Michael überprüfte sorgfältig die Fenster und Türen, um sicherzustellen, dass alles sicher war.
Die Stadt Mc Dermid Creek war klein und abgelegen, was ihre Chancen, unentdeckt zu bleiben, erhöhte. Doch sie blieben vorsichtig und planten, sich unauffällig zu verhalten, um nicht aufzufallen.
Nachdem sie Christine und Michael verloren hatten, wählte der Verfolger hastig eine Nummer auf seinem Handy. Es dauerte nicht lange, bis auf der anderen Seite der Leitung jemand abnahm.
"Joshua, wir haben sie verloren", meldete der Verfolger atemlos.
Joshua, dessen Stimme ruhig, aber bedrohlich klang, antwortete: "Wie konntet ihr sie verlieren? Ich habe euch klare Anweisungen gegeben, sie nicht aus den Augen zu lassen."
Der Verfolger erklärte schnell die wilde Jagd und wie sie durch die engen Gassen einer abgelegenen Stadt entkommen waren. Joshua blieb ruhig, aber seine Stimme verriet Enttäuschung und Ungeduld.
"Findet sie wieder, und dieses Mal bringt sie zu mir. Ihr wisst, was zu tun ist", ordnete Joshua an und beendete abrupt das Gespräch.
Der Verfolger und sein Begleiter, der im Auto saß, tauschten nervöse Blicke aus. Sie wussten, dass Joshua keine Fehler tolerierte und dass ihre Mission auf dem Spiel stand. Sie setzten sich sofort wieder in Bewegung, entschlossen, Christine und Michael zu finden, um sie aufzuspüren und Joshua zu übergeben.
Während Joshua das Babyzimmer sorgfältig vorbereitete und sich in Gedanken an das bevorstehende Kind verlor, fühlte er eine Mischung aus Aufregung und Besorgnis. Sein Verlangen, sein Kind zu sehen und die Sorge um Amy trieben ihn dazu, die Suche nach ihr zu intensivieren.
Er verbrachte Stunden in dem liebevoll eingerichteten Zimmer, ließ Gedanken und Erinnerungen an Amy und ihre gemeinsame Zeit durch seinen Kopf gehen. Jedes Detail im Zimmer war sorgfältig ausgewählt, als ob er hoffte, dass Amy irgendwann hier sein würde, um mit ihm und ihrem Kind eine Familie zu bilden.
Währenddessen blieb er in ständiger Kommunikation mit seinen Mitarbeitern, die Amy verfolgten. Er war ungeduldig und wartete auf das Signal, das ihn direkt zu ihr führen würde. Jedes Mal, wenn er in das Kinderzimmer ging, war sein Herz voller Sehnsucht und Ungewissheit über Amys Sicherheit und Wohlergehen.
Obwohl ihr Leben zusammen von Höhen und Tiefen geprägt war und manchmal sogar in heftigen Auseinandersetzungen endete, war seine Liebe zu ihr unerschütterlich. Sie hatte so lange an seiner Seite verbracht, dass er davon überzeugt war, sie würde verstehen, was sie für ihn bedeutete. Doch dann geschah etwas Unerklärliches – sie täuschte ihren Tod vor und verließ ihn. Solcher Verrat und tiefe Verwirrung lasteten auf seinen Schultern. Warum? Warum konnte sie nicht erkennen, dass er nur ihr Bestes wollte?
Er hatte sich nach einer Zukunft gesehnt, die er nur mit ihr – und nur mit ihr – haben wollte. Das Kind, das sie in sich trug, war der Hoffnungsschimmer, der sein Herz mit Sehnsucht erfüllte. Endlich schien die Möglichkeit greifbar, die Familie zu haben, von der er immer geträumt hatte – eine Familie mit ihr. Er konnte nicht begreifen, warum sie diese Chance, die er so sehr herbeigesehnt hatte, aufs Spiel setzte. Die Liebe, die er für sie empfand, ließ ihn verzweifelt nach Antworten suchen, während seine Gefühle zwischen tiefem Schmerz und unermüdlicher Hoffnung hin und her schwankten.
Seine Gedanken wurden von einem plötzlichen Anflug von Wut unterbrochen. Die Emotionen, die er so lange unterdrückt hatte, brachen hervor. Wie konnte sie es wagen, ihn zu verlassen? Er hatte ihr alles gegeben – sein Herz, seine Hingabe. Sie gehörte zu ihm und niemand anderem. Und das Baby in ihrem Bauch – das war auch seins, es gehörte ihm.
Die Liebe, die einst sein Herz erfüllte, wurde von einem brennenden Verlangen nach Rache und Kontrolle überlagert. Er war entschlossen, sie zurückzuholen, koste es, was es wolle. Schließlich war es sein Kind, und niemand sollte ihm das wegnehmen.
Seine Gedanken wirbelten in einem Strudel aus Liebe, Verlust und der unbändigen Angst davor, sie endgültig zu verlieren. Er war bereit, alles zu tun, um sie zurückzubekommen. Doch unter der Oberfläche der Entschlossenheit brannte eine gefährliche Flamme der Besessenheit und des Verlangens nach Kontrolle, die sein Handeln leitete.
Die Nacht im Silent Haven war angenehm, und das Frühstück von Mrs. Thompson erfreute alle mit seinem wohltuenden Geschmack. Während sie gemeinsam frühstückten, diskutierten sie die verbleibende Reise nach Idaho. Ihr Ziel war fast erreicht, und ihr erster Halt in Idaho sollte der Besuch der Twin Falls sein, bevor sie sich auf die Suche nach Elisabeth Ryder begaben. Christine schien deutlich nervöser zu sein als zu Beginn der Reise, was jedoch verständlich war. Je näher sie Idaho kamen, desto näher rückte ihr Traum, ihre Mutter zu finden.
"Michael, was ist, wenn sie mich überhaupt nicht mag?", fragte Christine besorgt.
"Wieso sollte sie dich nicht mögen, Chrissi?" Er lächelte sie an. Die offensichtliche Anspannung in ihr war unübersehbar, und Michael fand es zugleich amüsant und verständlich, sie so zu erleben. Sein Blick glitt immer wieder zu Maria hinüber. "Suchst du etwas?", fragte er skeptisch, als er sah, wie sie auf ihrem Handy herumtippte.
"Nein, alles in Ordnung. Ich will mich nur bei meinem Vater melden, es geht ihm gerade nicht so gut", erklärte Maria.
"Dann grüß ihn von mir!", warf Christine ein, als Maria aufstand und sich vom Tisch entfernte.
Sie wandte sich mit einem stechenden Blick an Michael. "Was, wenn sie gar nicht mehr lebt?", sagte sie sie, die Unsicherheit in ihrer Stimme kaum verbergend.
"Wir haben es versucht. Du kannst dann zumindest sagen, dass du alles getan hast", erwiderte er ruhig, doch seine Augen zeigten Verständnis für ihre Sorgen. "Meinst du, dass sie die Wahrheit sagt?", fragte sie dann, diesmal auf Maria bezogen.
"Nein, ich frage mich, ob Maria wirklich ihren Vater anruft. Was denkst du?", ergänzte sie.
Obwohl der Gedanke, Maria zu folgen, durch Michaels Kopf blitzte, entschied sich Christine dagegen. Ein Gefühl im Bauch ließ sie zögern, als ob dieser Schritt vielleicht zu früh käme. Vielleicht sollte sie doch noch warten. "Was auch immer sie geplant hatte, irgendwann würde sie sich selbst verraten", murmelte Christine, während sie Maria im Auge behielt.
Als Maria zurückkehrte, begaben sie sich nach oben, um ihre Sachen zu packen und auszuchecken. Immerhin lag noch eine fast dreistündige Fahrt vor ihnen, bevor sie bei den Twin Falls ankommen würden. Diese Chance, diese wunderschönen Wasserfälle zu sehen, wollten sie sich nicht entgehen lassen. Wer wusste schon, wann sie das nächste Mal hier sein würden?
Die Verfolger hatten sie erneut aufgespürt, hielten sich jedoch in sicherer Entfernung. Diesmal schienen sie entschlossen, sie nicht aus den Augen zu verlieren, weshalb sie darauf bedacht waren, nicht entdeckt zu werden. Ein angemessener Abstand wurde gewahrt, und Vorsicht war oberstes Gebot. Joshua hatte klare Anweisungen gegeben, sie auf keinen Fall erneut aus den Augen zu lassen, und diesmal waren sie entschlossen, diesen Befehl zu befolgen. Diesmal durfte wirklich kein Fehler mehr geschehen.
Joshua hatte einige Tage freigenommen, um sich ganz auf Amys Rückkehr zu konzentrieren. Er erledigte seine Arbeit von zu Hause aus, um sicherzustellen, dass er keinen Anruf verpasste, der den Treffpunkt für Amys Ankunft mitteilen würde. Er wartete sehnsüchtig darauf, dass seine Mitarbeiter ihm endlich Bescheid gaben, sobald Amy den Ort erreichte, an den sie wollte.