Kapitel 2 Seite 6

1936 Worte
"Also, wir haben eine lange Fahrt vor uns. Ich habe noch einmal unsere Route in der Praxis überprüft. Eureka würde bedeuten, einen Umweg zu machen. Unser nächster Stopp ist in Winnemucca, das wird etwa elf Stunden dauern. Von dort aus ist es nicht mehr weit bis Idaho, nochmal ungefähr sieben Stunden Fahrt. Ich denke, das ist die beste Route." "Elf Stunden?!" Maria schaute genervt zu Michael. "Aber wir machen doch zwischendurch Pausen, oder?" "Natürlich! Wir werden definitiv zwischendurch halten müssen, um etwas zu essen und auf die Toilette zu gehen. Aber trotzdem müssen wir vorankommen, ich habe schließlich nicht ewig Urlaub." Christine tätschelte sein Bein, um ihm zu signalisieren, dass sie sein Anliegen verstand und er damit recht hatte. Sie setzten die Fahrt fort. Als er einen Blick in den Rückspiegel warf, trafen ihn Marias Augen. Ihr Blick hatte etwas Faszinierendes, das ihn tief berührte. Es fühlte sich an, als würden sie eine unsichtbare Verbindung teilen. Sein Herz schlug schneller bei dem Anblick dieser ausdrucksstarken Augen, die so viel Tiefe zu verbergen schienen. Trotz dieser intensiven Gefühle für Maria, die da waren und sich nicht leugnen ließen, wusste er tief in seinem Inneren, dass es falsch war. Denn in Wahrheit liebte er Christine. Es war eine unangenehme Konfrontation mit seinen eigenen Emotionen, ein Konflikt zwischen dem, was er fühlte und dem, was er wusste, dass richtig war. Er riss seinen Blick rasch von Marias Augen los, um sich auf die Straße zu konzentrieren. Die Präsenz von Maria berührte sein Herz tief, obwohl er ganz genau wusste, dass es für jemand anderen schlug. Die Fahrt ging weiter, und Maria sowie Christine waren von der malerischen Landschaft, die sich ihnen auf der Strecke bot, beeindruckt. Gegen Abend erreichten sie Winnemucca. Um sich die Beine zu vertreten, machten sie einen Halt in der Nähe des Highland Park. Obwohl er nicht so atemberaubend wie der Yosemite Park war, bot er dennoch eine willkommene Gelegenheit für eine Pause. Sie holten die Snacktasche aus dem Auto und ließen sich an einem Picknickplatz nieder, um etwas zu essen. Plötzlich klingelte erneut Christines Handy. Wieder eine unbekannte Nummer, wieder blieb der Anrufer stumm. "Michael, schon wieder so ein Anruf, bei dem niemand spricht!", sagte sie mit einem leicht irritierten Gesichtsausdruck. "Das ist jetzt schon das zweite Mal. Das ist doch etwas seltsam, findest du nicht?" Während sie sprach, konnte man deutlich Verwirrung in ihrer Stimme hören. Sie schien besorgt über die merkwürdigen Anrufe zu sein und suchte nach einer Erklärung. "Christine, ich denke, das ist wahrscheinlich wieder jemand, der sich verwählt hat. Mach dir keine Sorgen", versuchte Michael zu beschwichtigen. Doch in dem Moment, als er das sagte, spürte er eine leichte Unruhe in der Luft. Trotz seiner Worte fühlte auch er, dass etwas an diesen Anrufen seltsam war. Er entschied, die Situation im Auge zu behalten, während sie sich auf die Weiterfahrt vorbereiteten. "Wir sollten uns jetzt darauf konzentrieren, eine Unterkunft für die Nacht zu finden. Ich bin ziemlich geschafft und muss dringend neue Energie tanken", schlug sie vor, während sie sich ermüdet fühlte. Sie setzten sich wieder ins Auto und suchten die Umgebung ab. Schließlich entdeckten sie in der Nähe des Humboldt Bay Maritime Museums ein einfaches Motel – nichts Außergewöhnliches, aber immerhin mit einem freien Zimmer. Sie waren sehr müde und gingen früh ins Bett, schliefen tief und fest, doch Christine lag wach. Die anonymen Anrufe gingen ihr nicht aus dem Kopf. Die Dunkelheit des Zimmers schien die Spannung in der Luft zu verstärken, während sie verzweifelt versuchte, die Unruhe in ihrem Inneren zu beruhigen. Trotz der Erschöpfung plagten sie die anhaltenden Fragen über die anonymen Anrufe. Ihr Kopf füllte sich mit den Erinnerungen an jenen Vorfall an der Grenze, als sie beinahe angefahren wurde, und an die Situation, als Michael das Auto abhängte, das ihnen wie eine Verfolgung vorkam. Gibt es vielleicht einen Zusammenhang zwischen all dem? Und wenn ja, wer könnte dahinterstecken und warum? Fragen wirbelten in ihrem Kopf herum, während sie versuchte, die Puzzleteile dieser beunruhigenden Ereignisse zusammenzufügen. Jedes noch so kleine Geräusch draußen verstärkte ihre Unruhe, während sie vergeblich versuchte, in dieser unruhigen Nacht etwas Schlaf zu finden. In den frühen Morgenstunden, als alles in tiefer Stille lag, durchbrach plötzlich Christines Telefonklingeln die Ruhe des Zimmers. Sie war die Einzige, die wach war. Müde und verwirrt schaute sie auf ihr Handy und hob ab: „Wer ist da?“ Wieder Stille, aber sie konnte jemanden atmen hören. „Wer ist da? Warum tun Sie das?“, rief sie mit zittriger Stimme. „Hallo, Amy!“ Die Stimme ließ sie versteinern. Sie kannte diese Stimme. Tränen stiegen ihr in die Augen, und sie legte schnell auf. Erst jetzt wurde auch Michael wach und sah sie an. Sie zitterte. „Chrissi, was ist passiert? Wer war das?“, fragte er besorgt. "Michael … ich kenne diese Stimme. Das war Joshua!" Ihre Worte kamen zwischen zitternden Atemzügen hervor. Er ging zu ihr hinüber, um sie zu beruhigen. „Bist du sicher? Es ist schon so lange her, und ich dachte, er wäre im Gefängnis.“ Christine versuchte, ihre Fassung wiederzuerlangen. „Ja, ich erkenne seine Stimme. Er kommt mich holen.“ Ihre Worte waren gefüllt mit einer Mischung aus Angst und Entsetzen. Michael versuchte, sie zu beruhigen. „Lass uns erst einmal ruhig bleiben. Bist du dir wirklich sicher?" Während Christine, Michael und Maria sich in Sicherheit wähnten, klingelte plötzlich Christines Handy unaufhörlich. Joshua rief sie immer wieder an, die Nummer wurde auf dem Bildschirm angezeigt. Ihr Herz begann schneller zu schlagen. Michael sah die Besorgnis in ihren Augen und fragte leise: „Was sollen wir tun?“ Christine schluckte schwer. „Er hat meine Nummer. Woher hat er meine Nummer? Er wird uns finden.“ Michael schlug vor, dass sie das Telefon ausschalten sollten, um nicht geortet zu werden. Christine zögerte, aber schließlich stimmte sie zu und schaltete das Handy aus. Die Anrufe hörten auf. Stille herrschte im Raum, nur das leise Summen der Straßen draußen war zu hören. Doch die bedrückende Atmosphäre blieb, da sie wussten, dass Joshua sie weiterhin suchte. Plötzlich hörten sie laute Stimmen von draußen. Michael ging zur Tür, um nachzusehen. Als er zurückkam, war sein Gesicht blass. „Es ist die Polizei“, sagte er atemlos. „Sie sind hier wegen eines Hinweises auf eine verdächtige Person in der Nähe. Zumindest glaube ich, dass sie das gerade eben zu dem Hausmeister gesagt haben.“ Christine und Michael tauschten beunruhigte Blicke aus. Sie wussten, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis Joshua herausfand, wo sie waren, und die Polizei war nun auch involviert. „Wir müssen hier weg“, flüsterte Christine mit zitternder Stimme. Michael nickte zustimmend. Sie entschieden sich, sofort zu gehen, bevor die Situation außer Kontrolle geriet. Mit schnellen Schritten verließen sie das Motel und begannen, sich hektisch einen neuen sicheren Ort zu suchen, während sie sich bewusst waren, dass Joshua näher kam und die Polizei sie im Blick hatte. Als Michael weiter über die Quelle der Informationen nachdachte, kreisten seine Gedanken unaufhörlich um Maria, Christines angebliche Freundin und die Tochter ihres Chefs. Er beschloss, mit Christine über seine Zweifel zu sprechen. "Christine, ich weiß, dass du Maria sehr vertraust, aber ich kann dieses Gefühl nicht abschütteln. Es ist merkwürdig, wie schnell Joshua uns aufgespürt hat, und Maria hat sich in letzter Zeit so eigenartig verhalten. Vielleicht sollten wir sie direkt darauf ansprechen?", schlug er vor. Christine zögerte einen Moment, bevor sie antwortete. "Ich verstehe deine Bedenken, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Maria mich verraten würde. Sie ist meine Freundin und die Tochter meines Chefs. Was würde sie damit bezwecken?" Michael zuckte mit den Achseln und seufzte. "Vielleicht ist es besser, wenn wir Maria unauffällig beobachten, ohne sie direkt zu konfrontieren. Vielleicht bekommen wir so einen Hinweis, ob sie in irgendeiner Weise involviert ist, ohne dass sie sich direkt angegriffen fühlt." Entschlossen, sich vorerst von der aktuellen Umgebung zu entfernen, setzten Christine und Michael ihre Reise fort. Sie entschieden sich dafür, vorerst keine großen Risiken einzugehen und eine sichere Distanz zu wahren. Während der Fahrt überlegten sie, was sie als nächstes tun sollten. Die Gedanken an Maria und ihre mögliche Rolle in der Enthüllung ihres Aufenthaltsortes ließen sie nicht los. Christine griff nach ihrem Handy und überprüfte es noch einmal sorgfältig auf ungewöhnliche Aktivitäten oder verdächtige Anwendungen. „Alles sieht normal aus“, sagte Christine erleichtert. „Ich finde es seltsam, wie Joshua uns gefunden hat, aber ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass Maria darin involviert ist.“ Michael nickte nachdenklich. „Vielleicht war es wirklich Zufall oder Joshua hatte Zugriff auf Informationen, von denen wir nichts wissen.“ Doch plötzlich, als sie durch die engen Straßen der Stadt fuhren, bemerkten sie ein bekanntes Auto, das sie während ihrer Flucht damals in der Ferne gesehen hatten. „Das ist dasselbe Auto wie damals!“, rief Christine erschrocken aus. Michael war alarmiert. „Schnell, halte dich bereit! Wir müssen uns verteidigen.“ Das Auto hinter ihnen beschleunigte plötzlich und begann, sie zu verfolgen. Michael steuerte geschickt durch die engen Straßen, um dem Verfolger zu entkommen. Christine hielt Ausschau und versuchte, einen Ausweg zu finden. Das Auto hinter ihnen ließ nicht locker. Es schien, als wäre der Fahrer entschlossen, sie nicht entkommen zu lassen. Adrenalin schoss durch Michaels Adern, als er ihr Fahrzeug in enge Gassen lenkte, um dem Verfolger zu entkommen. Doch das Auto hinter ihnen blieb hartnäckig. „Wir müssen irgendwie verhindern, dass sie uns weiter verfolgen!“, rief Michael. Er steuerte mit hoher Geschwindigkeit in Richtung des Stadtrandes, hoffend, dass sie möglicherweise eine Abzweigung nehmen könnten, die der Verfolger nicht erwartete. Doch das Auto hinter ihnen gab nicht auf. Plötzlich, als sie eine scharfe Kurve erreichten, sah Michael eine schmale Gasse auf der linken Seite. „Dort!“, rief er aus. „Fahren wir dort rein!“ Er zögerte nicht und lenkte das Auto in die schmale Gasse. Das Verfolgerauto versuchte zu folgen, doch die Enge der Gasse zwang es zu einem abrupten Halt. Mit pochenden Herzen und schnellen Atemzügen hielten Christine und Michael an, als sie sicher waren, dass der Verfolger sie nicht mehr sehen konnte. Sie atmeten tief durch, während das Adrenalin noch in ihren Adern pulsierte. „Schnell, wir müssen hier weg!“, sagte Michael, und sie beschlossen, das Auto zu verlassen und sich zu Fuß durch die Gassen zu schleichen, um ihren Verfolger abzuschütteln. Christine atmete schwer, als sie realisierte, dass sie in ihrer Schwangerschaft nicht so schnell rennen konnte. Michael erkannte sofort die Dringlichkeit der Lage. „Wir müssen uns verstecken“, flüsterte er, während er einen Arm um Christine legte, um ihr zu helfen. „Versuch dich zu beruhigen. Wir finden einen Ort, an dem wir uns verstecken können.“ Sie huschten durch die engen Gassen, auf der Suche nach einem Versteck. Christine spürte, wie ihr Herz rasend schnell schlug, nicht nur vor Aufregung, sondern auch wegen der Sorge um ihr ungeborenes Kind. Plötzlich entdeckten sie eine kleine Seitengasse, die zu einem alten, verlassenen Gebäude führte. Michael zögerte nicht und führte Christine dort hin. Sie fanden einen schmalen Durchgang, der in den Hinterhof des Gebäudes führte, und kauerten sich dort hin. Das Verfolgerauto raste durch die engen Straßen der Stadt und schien sie aus den Augen verloren zu haben. Christine versuchte, ruhig zu atmen, während Michael Wache hielt und Ausschau hielt. Die Minuten vergingen, und sie hörten, wie das Motorengeräusch des Verfolgerautos schwächer wurde. Doch sie wagten nicht, sich zu früh zu bewegen. Erst als sie sicher waren, dass sie nicht mehr verfolgt wurden, wagten sie sich aus ihrem Versteck.
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