KAPITEL NEUNUNDVIERZIG Irinas Sicht Das Auto fuhr stundenlang durch die Nacht und ließ die Stadt weit hinter sich. Ich sah durchs Fenster, wie die Gebäude kleiner, die Straßen enger und die Lichter weniger wurden. Wir fuhren aufs Land, irgendwohin, wo es ruhig war, weit weg von allem, was ich kannte. Meine Tränen waren endlich getrocknet. Ich hatte keine Tränen mehr, die ich weinen konnte, ich fühlte mich nur noch leer. Plötzlich trat das Baby. Es trat kräftig gegen meine Rippen und erinnerte mich daran, dass ich nicht allein war. Ich legte sanft meine Hand auf meinen Bauch. „Es tut mir leid“, flüsterte ich. „Es tut mir leid, dass ich dir kein besseres Leben bieten konnte.“ Mikhail saß mir schweigend gegenüber. Er hatte seit unserem letzten Gespräch kein Wort gesagt. Sein Gesicht

