Die Luft im Flur wurde d**k, fast gallertartig, sodass ich kaum atmen konnte. Es war schwer, klar zu denken, außer dem plötzlichen, instinktiven Schrei „Lauf!“, der in meinem Hinterkopf widerhallte.
Der Riese, der mir den Weg versperrt hatte, machte einen halben Schritt auf mich zu. Er überragte mich, ein Berg aus Muskeln, eingehüllt in einen teuren Trainingsanzug. Ich reichte ihm bis zur Brust.
Er neigte seinen massigen Kopf, und seine Nüstern blähten sich erneut.
„Was ist das?“, brummte er der Gruppe zu, seine Stimme tief und resonant wie mahlende Steine. „Riecht nach … Angst und Mensch.“
Ein leises Grunzen und Schnüffeln antwortete ihm, wie von einem Rudel, das ein neues Element in seinem Territorium begutachtet.
Ich presste meinen Rücken fester gegen die kalte Betonwand und wünschte, ich könnte einfach hindurchgehen. Mein Herz hämmerte so schnell, dass es sich wie ein ständiges Summen gegen meine Rippen anfühlte.
„He! Zurück, ihr überdimensionalen Köter!“
Der Ruf kam hinter der Muskelwand hervor, scharf und gereizt.
Die Spieler teilten sich langsam, fast widerwillig, und gaben den Blick auf einen kleinen, kahlköpfigen Mann in einem zerknitterten Poloshirt und Khakihosen frei. Er sah aus, als hätte er seit den Neunzigern nicht mehr geschlafen.
Das musste Miller sein, der Mann, den ich treffen sollte.
Er drängte sich mit überraschender Furchtlosigkeit durch die Riesen und schlug dem Mann mit den grünen Augen auf den Arm.
„Mach Platz, Stone, du versperrst den Flur. Und hör auf, an der Neuen zu schnüffeln … das ist seltsam.“
Der Riese namens Stone grunzte, trat aber einen Schritt zurück und löste den intensiven Blickkontakt. Die Spannung im Flur wich sofort von einer drohenden Prügelei zu einem äußerst unangenehmen Gefühl.
Miller blieb vor mir stehen und musterte mich mit blutunterlaufenen Augen und dunklen Ringen um die Augen. „Bennett, richtig?“
„Ja, Sir“, flüsterte ich.
„Du bist da. Du bist besser als die letzten beiden.“ Er rieb sich seufzend das Gesicht. „Na gut, komm schon. Lass uns dich vorbereiten, bevor der Trainer mit den Übungen anfängt und die Testosteronkonzentration hier ins Unermessliche steigt.“
Er packte meinen Arm … sein Griff war überraschend fest … zog mich von der Wand weg und führte mich an den zuschauenden Spielern vorbei durch die Tür mit der Aufschrift „Ausrüstungsraum“.
Wenn ich dachte, der Flur rieche schon schlimm, dann war der Ausrüstungsraum eine ganz neue Dimension der olfaktorischen Hölle.
Es war ein riesiger Raum, vom Boden bis zur Decke vollgestopft mit Ausrüstung, Trikotständern, Regalen voller Schoner und Helmen, die wie abgetrennte Köpfe in Reihen hingen.
Der Geruch war hier noch intensiver und konzentrierter. Es war der Duft roher, ungezügelter männlicher Aggression, Schweiß, der in die synthetischen Polster eingedrungen war.
Der scharfe Geruch frisch geschliffener Schlittschuhkufen und der darunterliegende, moschusartige Duft von Kiefern und Wildnis, der in Silver Creek alles zu durchdringen schien.
Miller ließ meinen Arm los und ging zu einer großen, laut ratternden Industriewaschmaschine.
„Das ist dein Bereich“, sagte er und deutete mit einer ausladenden Armbewegung durch den Raum. „Deine Aufgabe ist einfach: Sorg dafür, dass sie genug trinken und alles Nötige haben, und halt dich raus. Du füllst die Flaschen und bringst Handtücher. Wenn ein Schläger bricht, hast du einen neuen parat, bevor die Scherben aufs Eis fallen.“
Er ging zu einem großen Metallregal und nahm einen Stapel Handtücher. „Die Wasserflaschen stehen da drüben“, sagte er und deutete auf einen großen Spülbereich mit Reihen von großen Quetschflaschen.
„Füllt sie mit der Elektrolytmischung aus dem blauen Behälter. Benutzt nicht den roten Behälter … der ist für die Regeneration nach dem Spiel. Wenn ihr ihnen das vor dem Training gebt, sind sie drei Tage lang total aufgedreht“, fügte er hinzu.
Ich nickte benommen und versuchte, die Information zu verarbeiten, während mein Gehirn noch damit beschäftigt war, zu realisieren, dass ich von solchen Typen umgeben war.
„Und das hier“, sagte Miller und ging zu einem großen Wagen, der mit etwas gefüllt war, das wie dicke, schwarze Gummiblöcke aussah, „ist der Puckwagen. Fasst ihn nicht an, außer ihr sagt es euch. Das sind keine normalen Pucks, die sind beschwert. Der Trainer mag sie schwer für die Übungen.“
Er blieb stehen und sah mich ernst an. „Hör mir zu, Bennett. Diese Jungs … die sind nicht wie die Studentenverbindungsbrüder, mit denen du vielleicht in Oakhaven zu tun hattest. Die sind Raubtiere. Die sind territorial, aggressiv und im Moment total aufgekratzt wegen der Meisterschaft. Die wollen nicht gefährlich sein … meistens jedenfalls nicht, aber sie sind es. Du bist klein und verletzlich. Vergiss das nie.“
Ich schluckte schwer. „Werde ich nicht.“
„Gut. Das Training fängt in zwanzig Minuten an. Füllt die Flaschen auf und bringt sie zur Bank. Der Tunnel zum Eis ist durch diese Tür.“ Er deutete auf eine schwere Metalltür am anderen Ende des Raumes.
„Noch Fragen?“, fragte er.
„Unzählige“, dachte ich. Zum Beispiel: „Warum riecht es hier wie im Zoo? Tragen die überhaupt Hemden? Werde ich heute Nacht sterben?“
„Nein, Sir“, sagte ich stattdessen.
„Okay. Vermassel es nicht“, warnte er.
Nach dieser mitreißenden Vorbereitungsrede drehte sich Miller um und verließ den Geräteraum. Ich blieb allein in dem riesigen, muffigen Raum zurück.
Ich stand einen Moment lang still, die Stille nur unterbrochen vom dumpfen Tuckern der Waschmaschine und meinem rasenden Herzschlag. Ich war entsetzt und völlig überfordert.
Doch dann, nach einigen Minuten, …Ich kreiste um meine Gedanken, holte tief Luft und ging zum Waschbecken.
Die nächsten zwanzig Minuten vergingen wie im Flug. Ich füllte Dutzende von Flaschen, meine Hände zitterten leicht, als ich das leuchtend blaue Elektrolytpulver anrührte.
Ich stapelte Handtücher und versuchte, die gedämpften Rufe und das Zuschlagen der Spinde aus dem Nebenraum zu ignorieren … die Spielerkabine.
Als alles fertig war, belud ich den Wagen. Er war schwer, vollgepackt mit Wasserflaschen und Handtüchern, und die Räder quietschten laut auf dem Betonboden, als ich ihn zu der schweren Metalltür schob, die Miller mir gezeigt hatte.
Ich stemmte mich mit der Schulter dagegen und drückte. Sie ächzte auf und gab einen langen, abfallenden Betontunnel frei.
Der Tunnel war kälter als der Ausrüstungsraum. Die Luft war eisig.
Am Ende des Tunnels sah ich ein helles, weißes Licht … die Eisbahn.
Ich schob den Wagen den Hang hinunter, während das Geräusch der Räder in dem engen Raum widerhallte.
Als ich dem Licht näher kam, veränderten sich die Geräusche in der Arena.
Ich hörte das scharfe, rhythmische Knirschen der Schlittschuhe auf dem Eis und das laute Klacken der Pucks gegen die Bande.
Ich kam direkt hinter der Spielerbank aus dem Tunnel.
Die Arena war riesig, Tausende leerer Sitze erhoben sich allseitig in die Dunkelheit. Der Videowürfel, der von der Decke hing, war dunkel, aber meine ganze Aufmerksamkeit galt dem Eis.
Das Team drehte bereits gemächliche Runden und wärmte sich auf. Wenn sie im Flur schon groß wirkten, so waren sie hier auf dem Eis unglaublich massig und glitten mit einer Raubtier-Anmut über das Eis, die ihrer Größe widersprach.
Ich parkte den Wagen hinter der Bank und begann, die Flaschen in die Fächer auf dem Armaturenbrett zu stellen, während ich dem Eis den Rücken zukehrte und versuchte, effizient und unauffällig zu sein.
„Einfach den Job machen, das Geld kassieren und nach Hause gehen“, dachte ich.
Ein lauter Pfiff hallte schrill in der riesigen Halle wider und brachte die Schlittschuhläufer zum Stehen.
„Na los, rein damit!“, brüllte eine tiefe Stimme von der Mitte des Eises … der Trainer.
Ich hörte das Rauschen der Schlittschuhe, als die Spieler zur Bank fuhren. Ich hielt den Kopf gesenkt und konzentrierte mich darauf, die Flaschen perfekt auszurichten.
„Nicht hochschauen, keinen Augenkontakt herstellen“, ermahnte ich mich.
Ein großer Schatten fiel auf mich, die Lufttemperatur schien auf zehn Grad zu sinken.
Ich erstarrte, meine Hand schwebte über einer Wasserflasche.
Jemand stand direkt hinter mir auf der anderen Seite der niedrigen Bande, und die Person war riesig.
Ich wollte nicht hinsehen, ich wusste, ich sollte nicht hinsehen, aber die Stille dehnte sich aus, sie war bedrückend und erwartungsvoll.
Langsam, gegen jeden Überlebensinstinkt … hob ich den Kopf und sah eine Gestalt direkt vor mir stehen, aber ich starrte auf die Mitte des Trikots.
Nummer 7. Ein „C“ für Captain prangte auf seiner Brust.
Langsam und vorsichtig hob ich den Blick über die breiten Schultern zu seinem kräftigen Hals … und blickte dann in die Augen, die die Farbe von flüssigem Gold hatten.
Sie starrten mich direkt an, die Augen eines Wolfes, uralt und furchteinflößend.
Mein Gehirn setzte aus, als mir die Erinnerung einfiel … er war es … Jaxson Blackwood, der Mann vom Poster. Er blinzelte nicht, rührte sich nicht, er stand einfach nur da und starrte mich an, seine Nüstern bebten, als er meinen Duft einatmete.