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Der Heiratstrick der Verführerin

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Sebastian starrte Julias Kleidung voller Abscheu an. Dieser einfache Stoff an ihrem Körper genügte, um ihn vor Lust in den Wahnsinn zu treiben. Er spürte, wie seine Kontrolle allmählich schwand. Als er ihr feuchtes Hemd anstarrte, fragte er sich unweigerlich, ob ihre Brust darunter befestigt war.

*******************

In den geheimen Schatten der Londoner Spielhallen trotzt Julia, eine Adlige mit wildem Herzen, den Konventionen, um sich dem Nervenkitzel des Spiels hinzugeben. Doch als der Druck zu heiraten steigt, schmiedet sie einen skandalösen Plan: Sie will einen Mann heiraten, der ihr die Freiheit gewährt, nach der sie sich sehnt.

Mit einem Auge auf den Herzog von Wychford und den charmanten Grafen von Tonfield schwört Julia, sich durch Verführung den Weg zum Altar zu bahnen. Doch der Bruder ihrer besten Freundin, der aufdringliche Herzog von Hanton, droht, ihre Pläne zu durchkreuzen. Gegen Ende der Saison ist Julia mit einem von ihnen verlobt … doch mit welchem?

Wird Julias kühner Versuch, die Freiheit zu erlangen, sie glücklich machen oder wird ihr rücksichtsloses Streben nach Liebe ihr das Herz brechen?

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1.
London, England, 1830 Julia war besorgt; es war fast Zeit für sie, sich in die Spielhölle zu schleichen. Sie hatte keine Angst, nicht die geringste, aber sie hätte es hassen können, erwischt zu werden. Was für ein Skandal wäre es für ihre Familie, dass die älteste Tochter der Cavendishs nichts weiter als eine abscheuliche Frau war, mit der man nichts zu tun hatte. Nicht, dass es sie störte, was die feinen Leute über sie sagen, aber sie befürchtete, dass ihre Schwester Camila, sollte sie erwischt werden, ihre Chancen auf eine angemessene Partie mit einem Herzog oder Grafen verlieren könnte. Ihre Mutter, Ophelia Cavendish, würde bald einen Ball zu Ehren ihrer Schwester anlässlich ihres Debüts veranstalten, und Julia würde es hassen, diejenige zu sein, die auf dem Ball einen solchen Aufruhr verursachte, sollte ihr Zeitvertreib auffliegen. Außer ihrer Schwester und ihrer Freundin, die sie deckt, weiß niemand, was sie in den letzten drei Monaten getrieben hat. Da Julia die Gesellschaft anderer Frauen aus ihrem Bekanntenkreis, die nur über die neueste Mode und die Anbahnung eines angesehenen jungen Mannes redeten, satt hatte, suchte sie nach ein wenig Aufregung in Spielhöllen. Julia zog ihre Kniehose an und steckte ihre wilde, rubinrote Haarpracht in einen ziemlich großen Hut. Sie betrachtete sich im Spiegel, zufrieden mit dem, was sie dort sah. Ihr brauner Mantel, an dessen hohem Kragen vier Capelets befestigt waren und der sie bis übers Knie bedeckte, saß irgendwo zwischen Knie und Knöchel. Er reichte gerade so weit, dass ihre schwarzen Stiefel unter dem Mantelsaum hervorlugten und so voluminös waren, dass sie ihre milchfarbene Kniehose völlig verdeckten. Sie schob die Hände in die tiefen Taschen des Mantels und drehte sich um, um ihr Profil von links zu betrachten. Ihre klaren blauen Augen kniffen zusammen, und sie lächelte schief. Nicht einmal eine Spur ihrer rubinroten Locken war unter dem Hut zu sehen. Es verdeckte ihr Haar und warf Schatten auf ihr Gesicht, betonte die Fülle ihrer dichten Brauen, den Bogen ihrer kecken Nase und ihre durchdringenden ozeanblauen Augen, die sie eher wie einen jungen Burschen als wie eine hübsche Frau aussehen ließen, was sie aber war. Nach einem letzten Blick auf ihren mit Blumen bestickten Spiegel schlüpfte Julia durch ihr Fenster aus dem Haus und betrat den kleinen Hof unter ihrem Fenster. Dann raste sie hinaus auf die Straße, um eine Droschke zu mieten, die sie zu ihrem ersehnten Ziel, den Angels, bringen sollte. Unter dem wolkenlosen Himmel und dem Vollmond, umgeben von vielen Sternen, und der kalten Nachtluft, die durch das offene Fenster hereinströmte, ließ sich Julia durch die Londoner Stadtteile chauffieren, bis sie weit in die berüchtigte St. James Street vorgedrungen waren, wo die Hölle lauerte. Bald hielt die Kutsche vor einem weißen, einstöckigen Gebäude mit bodentiefen Fenstern. Julia stieg aus und bezahlte den Kutscher großzügig. Dann lüftete sie ihren Hut und betrat die St. James Street Nr. 4. Julia nahm immer zwei Stufen auf einmal, nicht aus Eifer, schnell in die Hölle zu kommen, sondern aus Gewohnheit. Ihr brauner Mantel raschelte auf den langen, schmalen Stufen, bis sie den von kaum einer Kerze erleuchteten Treppenabsatz erreichte. Sie senkte den Kopf und stieß die Tür mit dem Ellbogen auf. Reihenweise Samttische erstreckten sich durch die lange Spielhölle, strategisch in verschiedenen Winkeln platziert. Manche waren rund, andere lang und rechteckig, mit samtgrünen, roten oder tiefblauen Tischplatten. Kerzenlicht flackerte über den edlen, tiefen Mahagoniboden und erhellte den Raum. Billardkugeln prallten aufeinander, und die Stimmen der Männer wurden im Chor lauter, als sie Sieg oder Niederlage bejubelten. Julia hielt den Kopf gesenkt, während sie ging, und ihre blauen Augen wanderten von einem Tisch zum anderen, während sie sich dem Ende des Raumes näherte. In einer Ecke spielte eine Gruppe ein Hazard-Spiel. Einer von ihnen würfelte auf einem edlen Samttisch, während ein anderer mit der Faust auf den Tisch schlug und sein Glas in einem Zug leerte. Männerstimmen erhoben sich, als sie den Gewinner feierten, indem sie einem vorbeigehenden Diener ein Glas Brandy abnahmen. In den drei Monaten ihres Besuchs in der Hölle war Julia zu einer echten Sensation geworden. Ob es an ihrem Glück lag oder hauptsächlich an ihrem Talent dafür, wusste Julia nicht. Im Moment spielte sie mit Cole Fletcher, dem Earl of Tonfield. Normalerweise würde Julia nicht mit einem Lord spielen, aber seit sie regelmäßig in die Angels ging, war es zur Gewohnheit geworden. Sie war immer mit Gewinnen nach Hause gegangen, und es war allgemein bekannt, dass die jungen Männer versuchten, sie auszutricksen oder das verlorene Geld zurückzugewinnen. Außerdem kannte die Hölle keine Diskriminierung. Sie war auf die Bedürfnisse von Lords und einfachen Leuten ausgerichtet, eine Tatsache, die sie sorgfältig bedacht hatte, bevor sie sich dort niederließ. * * * Sebastian, der Herzog von Hanton, nahm widerwillig Platz und nippte an seinem Drink. Er hatte gezögert, teilzunehmen, aber sein Freund aus Kindertagen hatte darauf bestanden. Wo um Himmels Willen war Cole? Sebastian hatte ihn bei seiner Ankunft kurz gesehen, aber seitdem war er ihm nicht mehr begegnet. „Verdammt, Cole!“, murmelte Sebastian leise. ,,So behandelt man keinen Freund, der drei Jahre lang weg war.“ Vor drei Jahren war Sebastian von London nach Paris gegangen, um bei den Cousinen seines Vaters zu wohnen. Das Leben in London war anstrengend für ihn gewesen, mit den vielen Bällen und den eifrigen Mamas, die für ihre Töchter einen Partner suchten. In Paris hatte er sich innerhalb von drei Jahren den Ruf eines unverbesserlichen Wüstlings erworben. Sebastian hatte nicht zurückkehren wollen, doch sein Vater war eines frühen Todes gestorben. Die alleinige Verantwortung für das Anwesen und sogar die Vormundschaft für seine Schwester fielen ihm zu, was letztlich alle Gründe für seine Rückkehr zusammenfasste. Es gab dringende Angelegenheiten, die erledigt werden mussten, und er war der richtige Mann dafür. Sebastian trank den Rest seines Drinks und entließ die Kurtisane an seiner Seite. Er musste seinen Freund finden. Der Bastard hatte nicht einmal Lust, ihm Gesellschaft zu leisten. In dem langen, dunklen Raum, der durch den Lichtstreifen der Wandlampen sichtbar wurde, ging Sebastian an Tisch um Tisch vorbei, an dem sich viele Männer drängten, die Sie tranken Rum und lasen Karten in ihren Händen. Leises Stimmengewirr drang von beiden Seiten des Raumes herüber, und dröhnendes Gelächter umgab die Hölle. Einige der Männer waren bereits betrunken, und wenn man nicht aufpasste, waren es diese Typen, die normalerweise für Krawall und Schlägerei sorgten, wenn sie nach mehreren Spielrunden und ein oder zwei verlorenen Grundstücken keinen Sieg erringen konnten. Sebastian seufzte, als er die Tür am Ende erreichte und in die andere Seite des Raumes trat, die normalerweise den guten Leuten vorbehalten war, denen, die spielen konnten und sich bei Geldmangel problemlos Geld von der Bank leihen konnten. Cole war nicht schwer zu erkennen; da er Sebastian den Rücken zuwandte, erkannte er, dass es Cole war. Sebastian war jedoch überrascht, ihn spielen zu sehen. Cole war nicht der Typ, der spielte; er saß eher in der Nähe und sah anderen beim Spielen zu. Aber was Sebastian noch mehr überraschte, war der Junge, mit dem Cole spielte. Er kam ihm irgendwie bekannt vor.Er musterte Der Junge betrachtete ihn genau. Man hätte ihn für jung halten können, jugendlich und mit jungenhaftem Aussehen. Er war eher ein hübscher Junge. Er trug einen ziemlich großen Mantel, der ihn schützte und es unmöglich machte, den Stoff unter dem Mantel zu erkennen. Der Junge hatte zarte Hände, bemerkte Sebastian. Hände, die man nicht mit einem Mann in Verbindung bringen sollte. Er war immer der Meinung gewesen, dass Männerhände schwielig und rau sein sollten, nicht zart. Dieses Attribut sollte Frauen vorbehalten bleiben. Sebastians Blick huschte schnell zum Hals des Jungen, schlank und zart, und dann zu seinem Gesicht. Als sich ihre Blicke trafen, schwor Sebastian, er sollte verdammt sein, wenn er nicht eine Ahnung hätte, wer das war. Wenn Sebastian sich selbst für richtig hielt, würde er sagen, dass dies tatsächlich die Freundin seiner Schwester, Lady Julia Cavendish, war. Und hätte er mehr als zwei Gläser Brandy getrunken, hätte Sebastian sich für einen Irren gehalten. Verdammt noch mal! Was machte sie hier? Verstand sie die Tragweite ihres Tuns? Die Was für einen Skandal das verursachen würde. Zweifellos würde seine Schwester ihren gerechten Anteil daran erben. Seine ruhige kleine Schwester. Sebastian war insgeheim verärgert über sie. Er wollte hingehen und ihr körperliches Leid zufügen, aber er hielt sich zurück, weil er damit nur unnötige Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde, genau das, was er nicht wollte. So oder so, schäumte er. Das kleine Ding dachte nicht richtig. Sich an einem Ort, der für Gentlemen gedacht war, gemütlich zu machen, war in der Gesellschaft verpönt. Julia könnte ihren Ruf und den seiner Schwester ruinieren, nur indem sie mit ihr verkehrte. Sebastian war wütend. Er wollte nichts anderes, als Julia über seine Schultern werfen, sich von den Angels verabschieden und die Sache hinter sich bringen. Aber welche Entschuldigung hatte er dafür? Er konnte unmöglich einen jungen Burschen über seine Schultern werfen und gehen. Er müsste sich erklären, und das wollte er nicht. Sebastian trank einen weiteren Becher Brandy in einem Zug, als ihm plötzlich klar wurde, dass er warten würde, bis sie fertig war.

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