2. Grendel.

525 Worte
2. Grendel. Bei nahender Nacht eilt' er nachzuspüren In dem hohen Hause, wie die Hringdänen Nach dem Aelgelage sich darin gebettet. Da fand er auf dem Estrich der Edelinge Schar 5Nach dem Schmause schlafend. Sie kannten Sorge nicht, Kein lastendes Leid, das die Leute drückt. In grausamem Grimme war er gleich bereit, Und entriß der Rast mit raffender Gier Der Degen dreißig. Von dannen eilt' er dann, 10Sich der Beute brüstend dem Baue zu, Mit den geraubten Recken zurück in sein Haus. Da ward um die Uchte, beim ersten Tagen, Grendels grause Kraft den Geerdänen kund. Auf des Festmals Freude folgte Wehruf, 15Lauter Morgenschrei. Der erlauchte König, Der fromme Fürst unfreudig saß, Drangsal duldend: um die Degen sorgt' er, Als sie des Leidigen Laufspur ersahen, Des verwünschten Geistes. Zu groß war das Unheil, 20Zu leidvoll lastend. Doch lange ruht' er nicht: In der nächsten Nacht naht' er wieder und übte Der Mordübel mehr; ihn ermüdete nicht Gefährd und Frevel: er war zu fest darin. 25Da war unschwer zu finden dem der anderwärts Gerne geruhiger rasten wollte, Ein Bett in den Bauten, da ihm entboten war Und für sicher gesagt mit sichtlichen Zeichen Des Höllengeistes Haß: wer hielte sich da 30Nicht fern hinfort, dem Feind zu entweichen? So schaltete schonungslos und scheute das Recht nicht Der Eine wider Alle, bis eitel stand Der Häuser wonnigstes. Es währte lange so: Seinen Zorn erduldete zwölf Winter lang 35Der Freund der Schildinge, schwere Trübsal Lastendes Leid. Lautbar ward es bald, Unverborgen kund den Kindern der Menschen In grausigen Liedern, wie Grendel so schwer 40Wider Hrodgar wüthe: er erwies ihm Haß, Fehd und Gefährde in der Halbjahre viel, Unversöhnliche Feindschaft. Frieden wollt er Der Degen Keinem des Dänenlands gönnen, Noch gegen Lösegeld ihr Leben schonen. 45So hatt auch Niemand, die Hoffnung wär thöricht. Wehrgeld zu gewärtigen von des Wüthrichs Hand. Der üble Unhold ängstigte stäts, Der traurige Todschatte, Tugend und Jugend Meuchelnd und mordend in den Mitternächten 50Dem Nebelmoor entsteigend. Niemand weiß genau, Wo die Geister der Hölle hausen und brüten. So übte der arge Eingänger lange Vielfachen Frevel, der Feind der Menschen, Häßlichen Hohn. Heorot bewohnt' er, 55Den schmuckreichen Saal, in schwarzen Nächten; Aber dem Gabenstuhl Gottes durfte, Der seine Minne misste, der Mörder nicht nahen. Der Kummer kränkte den König der Schildinge. Mit gebrochenem Muthe manchmal saß er wohl 60Mit den Reichen zu raunen, ob sie ihm Rath ersännen, Was die Hochgeherzten am Heilsamsten thäten So grimmem Graus entgegen zu wirken. In Hof und Heiligthum verhießen sie oft auch Opfer und Weihen, mit Worten flehend, 65Daß der Geisttilger ihnen gnädig hülfe Wider den Würger. Das war ihr Gebrauch, Die Hoffnung der Heiden: der Hölle gedachten sie In Geist und Sinn, den Schöpfer verkennend, Der die Thaten wägt. Sie wusten von Gott nichts, 70Den Herrn der Himmel verherrlichten sie nicht, Den Walter der Wonnen! Weh dem, der da soll Zur Sühne der Bosheit die Seele tauchen In Feuerflammen; er freue sich nicht, Daß ein Ende werde. Wohl ihm, der da darf 75Nach des Hingangs Tag den Herren suchen, Und Frieden finden an Vaters Busen!
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