3. Beowulf.

485 Worte
3. Beowulf. So sott die Sorge den Sohn des Healfdene Jahr aus Jahr ein: der Edle vermochte Das Weh nicht zu wenden: die Gewalt war zu stark, Zu leidig lastend, die den Leuten geschah, 5Die neidgrimme Noth, der Nachtübel gröstes. Da hörte daheim Hygelaks Degen, Der gute Geatenheld von Grendels Thaten, Er aller Männer machtgestrengster, Die dieses Lebens Licht überschien, 10Hehr und edel. Er hieß den Wogengänger, Den raschen, rüsten, da er den berühmten Fürsten Ueber des Schwanes Pfad zu suchen gedächte, Den erlauchten Herrn, dem eines Helden Noth sei. Ihm hatten die Fahrt erfahrene Männer 15Lange verleidet, so lieb er ihnen war; Jetzt ermunterten sie ihn: sie bemerkten günstge Zeichen. Der Gute hatte aus den Geatenleuten Sich Kämpen gekoren, die kühnsten von allen, Die er finden mochte. Der funfzehnte selber 20Sucht' er das Sundholz. Ein seekundger Lootse Steuerte das Schiff über Scheren und Klippen. Die Frist schritt fürder, das Floß war auf der See, Das Boot geborgen; die Biedern eilten, Den Steven zu besteigen: die Strömung schwoll 25Ans Ufer zurück. Die Edlinge trugen In der Barke Busen die blinkenden Zierden, Die kostbare Kriegswehr. Als die Kielmänner nun Zur Wunschfahrt trieben das wohlgebundene Holz, Da flog über Flut, einem Vogel vergleichbar, 30Das schaumhalsge Schiff, geschoben vom Winde, Bis daß zur Ebenzeit des andern Tages So weit der gewundene Steven gewatet war, Daß Land ersahen die Seefahrenden. Die Brandungsklippen blinkten, die Berge ragten 35Hinter langen Höhen. Da war der Lauf vollbracht, Das Meer durchmeßen. Muthig alsbald Erstiegen den Strand die stattlichen Gäste, Und seilten den Seebaum. Die Schlachtkleider klangen, Helm und Harnisch. Dem Herrn dankten sie, 40Daß sie die Wellenwege so leicht durchwandelt hatten. Da gewahrte vom Walle der Wächter der Schildinge, Der hier der Seeküsten hüten sollte, Wie sie die blanken Schilde vom Schiffe trugen Und die guten Harnische. Er hätte gern erkannt 45In seinen Muthgedanken, wer die Männer wären. Auf dem Streitross stapfte zum Strande da Der Held Hrodgars, in den Händen kräftig Wägt' er des Speres Wucht, diese Worte rufend: »Wer seid ihr, wackere Waffenträger 50In den blanken Brünnen, die den brandenden Kiel Ueber die Waßerwege sich wiegen ließet Von jenseits der See? Dieses Ufers Hüter hab ich Acht des Strandes, Daß der Dänen Land kein leidiger Feind 55Mit fernem Schiffsheer zu schädigen komme. Nie sah ich offener hier Anfahrt halten Lindenschildträger, die Erlaubniss doch Noch schwerlich erlangten von des Landes Beschützern, Noch der Männer Mitwißen. Nie sah ich mächtigern 60Edling auf Erden, als den Einen unter euch, Den Helden im Harnisch: ihn hat man heut nicht zuerst Der Waffen gewürdigt, wo nicht sein Antlitz lügt, Sein edles Ansehen. Ich aber muß nun Eure Herkunft wißen, eh ihr von hier aus gar 65Als lose Späher in das Land der Dänen Vorwärts fahrt. Nun, ihr fernwohnenden Meerdurchsegler, meine Gedanken, Die einfachen, hört: eilends ist Noth, Daß ihr mir verkündet, woher euer Kommen sei.«
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