Kapitel 3

1302 Worte
Embers Sicht War das real? Wie konnte er mein Mate sein? Aber das ist nicht einmal der Teil, der mich bis ins Mark erschüttert. Was mich wirklich schockiert, ist die Tatsache, dass ich überhaupt ein Mate habe. Ich will nicht lügen: Nach so vielen unbeantworteten Gebeten an die Mondgöttin hatte ich aufgehört zu fragen. Ich hatte mich überzeugt, dass es mir nie bestimmt war, einen zu haben. Und doch… hier steht er, direkt vor mir. Zunächst krallte sich Unbehagen in meine Brust, mein Herz weigerte sich zu glauben, was meine Seele bereits wusste: Dieser Mann war mein Mate. Alpha Sky. Ein Name, den jeder wie Gift ausspuckt. Ein Mann ohne guten Ruf. Der Grund, warum ihn alle fürchten und hassen. Und doch… gab es eine Wahrheit, die ich nicht leugnen konnte, egal wie sehr ich dagegen kämpfte: Seit meiner Teenagerzeit wollte ich immer Sky. Die Erkenntnis traf mich wie ein Sturm, und sofort spürte ich, wie Claire in mir erwachte—freudig, fast zitternd vor Aufregung, dass wir endlich unser Mate gefunden hatten. Mein Blick hob sich zu ihm, suchend, hoffend… doch der Ausdruck auf seinem Gesicht war alles andere als einladend. Seine Augen verengten sich, nicht voller Anerkennung oder Wärme, sondern purer Abscheu. Die Stille zwischen uns dehnte sich, schwer und erdrückend. Meine Gedanken wirbelten wild. War seine Wut, weil ich seine Männer getötet hatte? Oder war es etwas Tieferes, etwas viel Schlimmeres—dass er mich einfach verachtete? Bevor ich es herausfinden konnte, donnerte seine Stimme durch die Luft, scharf und unbarmherzig: „Werft sie ins Verlies!“ Ich stand da, erstarrt. Würde er mich wirklich ins Verlies werfen, als wäre ich nichts? Erkennte er nicht, dass ich sein Mate war—oder war er einfach entschlossen, es zu ignorieren? Noch benommen bemerkte ich kaum zwei kräftige Wachen, die vortraten, bis ihre rauen Hände meine Arme packten und mich wie eine gewöhnliche Kriminelle behandelten. „Lass mich los!“ schrie ich, meine Stimme brach, während ich Sky anstarrte und ihn still darum bat, seine Meinung zu ändern. Aber statt mich auch nur anzusehen, drehte er sich um und ging weg, als wäre ich unsichtbar. War er wirklich so herzlos? Tränen brannten in meinen Augen und verschwommen alles. Ich hörte auf zu kämpfen und ließ mich wie eine leblose Puppe zum Verlies schleppen. Als wir ankamen, riss eine Wache die Tür auf, während die andere mich so heftig hineinstieß, dass ich hart auf den Boden fiel, mein Ellbogen über das kalte, unbarmherzige Steinpflaster schabte. Ein stechender Schmerz durchfuhr mich, und ich keuchte, unterdrückte ein Schluchzen. Aber die Tränen kamen trotzdem—nicht nur wegen des Schmerzes im Arm, sondern wegen des scharfen Schmerzes in meiner Brust. Ich fühlte mich verraten. Auf dem feuchten Boden zusammengerollt, weinte ich, bis mich die Erschöpfung übermannte, der bittere Geschmack von Ablehnung schwer auf meiner Zunge. Ich wusste, dass seine Ablehnung nur eine Frage der Zeit war. --- Ich blinzelte, benommen und desorientiert. Sonnenlicht kroch bereits durch den schmalen Spalt eines Fensters. „Verdammt,“ murmelte ich. „Es ist schon Morgen?“ Hatte ich wirklich so lange geschlafen—so lange, dass ich die Zeit verloren hatte? Ich drückte mich vom kalten Steinboden hoch, mein Körper zitterte von der Kälte, die bis in die Knochen gesickert war. Jeder Muskel schmerzte. Ich umarmte mich selbst zum Wärmen und taumelte zum kleinen Bett in der hintersten Ecke des Verlieses, meine einzige Hoffnung auf ein wenig Komfort. Aber als ich es erreichte, drehte sich mir der Magen um. Die Matratze war übersät mit Rattenkot. „Echt jetzt?“ zischte ich. Ekel und Wut brannten in mir. Sollte dies nun das Leben sein, das ich ertragen musste? War das, was mein Vater für seine sogenannte geliebte Tochter wollte? Nein. Ich ballte die Fäuste. Ich würde mich nicht damit abfinden. Etwas in mir brach. Meine Wut stieg wie Feuer, verbrannte die Taubheit in meinen Adern. Die Kälte verschwand, ersetzt durch eine plötzliche, pulsierende Hitze, die von meiner Haut ausstrahlte. Mein Zittern hörte auf, nicht weil das Verlies wärmer geworden war, sondern weil ich es war. Gerade als ich mich dem Ende des Verlieses zuwandte, klirrten plötzlich Schlüssel, und die schwere Tür quietschte. Eine Wache trat ein und trug ein Tablett mit Essen. „Nimm das, du verrückte Schlampe,“ höhnte er, sein spöttischer Ton schnitt tiefer als der Hunger, der an meinem Magen nagte. Die Worte trafen mich wie ein Schlag in den Magen. Wer zum Teufel war er, um so mit mir zu sprechen? Wut durchströmte mich. Ohne nachzudenken, sprang ich vor und packte seinen dicken Bart, zog kräftig, bis er schrie. Er ergriff meine Taille, versuchte mich in die Luft zu heben und auf den Boden zu schleudern, doch ich wirbelte geschickt, nutzte sein eigenes Gewicht gegen ihn. Mein Arm schloss sich um seinen Hals und dann— Knack. Sein Körper wurde schlaff und fiel zu meinen Füßen. Schnell bückte ich mich und zog den Dolch aus der Scheide an seiner Seite. Mein Herz pochte, doch meine Hände waren ruhig. Keine Zeit zu verlieren. Aus dem Verlies schlüpfend, entdeckte ich eine weitere Wache mit dem Rücken zu mir. Lautlos wie ein Schatten schlich ich näher. Gerade als er sich drehen wollte, stieß ich meine Klinge zwischen seine Rippen. Sein Atem stockte in einem stillen Keuchen, bevor er zusammenbrach, tot. Ich rannte aus dem Gefängnis hinaus und direkt am Rand des Rudelgebiets vorbei, meine Lungen brannten bei jedem Atemzug. Gerade als ich in die Bäume fliehen wollte, drangen Stimmen zu mir. „Kade plant, Sky zu töten, und ich arbeite mit ihm zusammen,“ flüsterte eine Frau. Ich blieb mitten im Schritt stehen, erstarrt. Hatte ich das richtig gehört? Kade?! Der Name schoss durch mich wie eiskaltes Wasser. Mein Atem stockte. Sky musste sofort davon wissen. Ich schlich näher, tat unbemerkt, doch seine scharfen Augen entdeckten mich. „Hast du was gehört?“ fragte er, Misstrauen tropfte aus seiner Stimme. Ich runzelte die Stirn und versuchte, die Panik in mir zu verbergen. Dann ertönte ein Schrei hinter mir. „Da ist sie… holt sie!“ Ich wirbelte herum. Skys Wachen zeigten direkt auf mich. Mein Herz schlug gegen meine Rippen. Ohne zu zögern drehte ich mich um und rannte. Sie stürmten hinter mir her. Ich rannte, das Herz hämmerte, und schlängelte mich durch die Flure mit einem einzigen Gedanken: Finde Sky—bevor es zu spät ist. Ich stieß direkt in ein Treffen mit den Ältesten—und Sky. Sein Gesicht verdunkelte sich sofort. Mit einer schnellen Bewegung vom Thron aufstehend, packte er mich am Arm und zog mich weg. Bevor ich protestieren konnte, warf er mich in einen Raum, die Tür schlug hinter uns zu. „Ich habe gehört, dass jemand im Rudel gegen dich plant!“ rief ich atemlos. „Dein Rudel ist wirklich in Gefahr!“ Sein Griff lockerte sich, und endlich konnte ich wieder atmen. Doch anstatt Schock oder Alarm über meine Worte, huschte etwas anderes über sein Gesicht. Es war nicht Überraschung. Es war Erkenntnis. Eine Realisation. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Er trat näher, und ich wich zurück, bis mein Rücken die kalte Wand berührte. Mein Hals war trocken; mein Herz hämmerte so laut, dass ich dachte, er könnte es hören. Dann geschah das Unmögliche— er markierte mich. Einfach so. Ohne Warnung. Ohne Erlaubnis. Ich öffnete den Mund, um zu protestieren, aber er sprach zuerst, mit tiefer, ruhiger Stimme: „Wir werden in fünf Tagen heiraten,“ sagte er. „Du wirst mir sagen, wer der Maulwurf ist. Aber wenn du Ärger ins Rudel bringst—“ Er hielt inne, seine nächsten Worte ein kaltes Versprechen. „—werde ich dich ohne zu zögern töten.“ Der Atem, den ich gehalten hatte, entwich in einem keuchenden Ausatmen. Die Markierung auf meiner Haut brannte wie ein Versprechen… und eine Drohung zugleich.
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