3.

1351 Worte
Kapitel 3: Eine Veränderung liegt in der Luft Die Nachtluft fühlt sich jetzt anders an – geladen, als würde etwas passieren, und ich bin mir nicht sicher, ob ich bereit dafür bin. Sie stehen da, die drei, und beobachten mich mit einer solchen Intensität, dass ich das Gefühl habe, gleich in Flammen aufzugehen. Nathaniel, Stone und Raphael. Ich dachte, ich hätte sie verstanden, aber jetzt… jetzt habe ich das Gefühl, dass ich gar nichts verstehe. Mein Herz rast immer noch von der plötzlichen Offenbarung, von den Küssen, die mich völlig aus der Bahn geworfen haben. Ich bin es gewohnt, die Kontrolle über Situationen zu haben, aber das hier… das ist eine völlig andere Geschichte. „Ich glaube, ich brauche etwas Zeit zum Nachdenken“, sage ich, meine Stimme leise, fast verloren im kalten Wind, der durch den leeren Parkplatz weht. Der Schnee knirscht unter meinen Stiefeln, und ich mache einen Schritt zurück, um etwas Abstand zwischen uns zu schaffen. „Das alles passiert so schnell. Ich weiß nicht mal, was das alles bedeutet.“ Die Worte fühlen sich schwer an, als ich sie ausspreche, und die Luft fühlt sich noch schwerer an. Sie stehen alle schweigend da, als würden sie meine Worte abwägen. Die Spannung ist greifbar. Schließlich tritt Raphael vor, seine ruhige Haltung unverändert. „Wir setzen dich nicht unter Druck, Clara. Aber du solltest wissen… uns ist das hier ernst.“ Seine Worte setzen sich in meiner Brust fest, und ich schlucke schwer. Er klingt so sicher, so überzeugt von sich selbst. Und irgendwie macht mich das noch unsicherer. Ich schaue zu Stone hinüber, der lässig an das nächste Auto gelehnt ist, die Arme verschränkt, seinen Blick auf mich gerichtet. „Du musst jetzt keine Entscheidung treffen“, sagt Stone, seine Stimme leicht, aber mit einem unerwarteten Hauch von Ernsthaftigkeit. „Aber schließ uns nicht aus. Noch nicht.“ Langsam nicke ich und versuche, das alles zu begreifen. „Ich… ich weiß nicht, ob ich das jetzt alles bewältigen kann. Es ist einfach zu viel.“ Nathaniel, der bisher still gewesen ist, tritt einen Schritt auf mich zu, sein Ausdruck weicher. „Wir verstehen das. Aber… wisse, dass wir nicht verschwinden. Nimm dir die Zeit, die du brauchst.“ Seltsamerweise fühle ich eine Ruhe über mich kommen, als er das sagt. Vielleicht haben sie recht. Vielleicht muss ich heute keine Entscheidungen treffen. Aber das heißt nicht, dass ich nicht verwirrt bin. Ich dachte, ich wüsste, was ich wollte, aber jetzt… jetzt bin ich mir nicht mehr sicher. „Ich muss zurück rein“, sage ich nach einer langen Stille. „Rachel wird sich fragen, wo ich bin.“ Raphael nickt, sein Gesichtsausdruck bleibt unergründlich. „Wir lassen dich gehen, Clara. Aber vergiss nicht, was wir gesagt haben.“ Ich weiß nicht, was ich mit diesen Worten anfangen soll, aber ich drehe mich um und gehe zurück zur Turnhalle, während ich versuche, das Klopfen meines Herzens zu ignorieren. Erst als ich sicher drinnen bin und durch die Tür schlüpfe, lasse ich den Atem entweichen, den ich nicht bemerkt hatte, angehalten zu haben. Die Turnhalle ist immer noch voller Aufregung, die Musik dröhnt im Hintergrund. Ich lasse meinen Blick durch die Menge schweifen, bis ich Rachel am Punschtisch entdecke, und gehe zu ihr. „Clara! Wo warst du?“ fragt Rachel und hüpft fast auf der Stelle. „Alles okay?“ Ich nicke und zwinge mich zu einem Lächeln. „Ja, ich brauchte nur ein bisschen frische Luft. Es war mir ein wenig zu viel.“ Sie zieht eine Augenbraue hoch und glaubt mir offensichtlich nicht. „Zu viel? Du hast drei der heißesten Typen der Schule, die praktisch um deine Aufmerksamkeit kämpfen, und dir ist es zu viel? Ich glaube, du solltest mal einen Moment innehalten und dir klar machen, wie viel Glück du hast.“ Ich verdrehe die Augen, auch wenn ein kleiner Teil von mir ihr zustimmt. „Es ist nicht so, Rachel. Ich weiß nicht, was es ist, aber es ist… es ist verwirrend.“ Rachel beugt sich vor und senkt ihre Stimme. „Du willst mir sagen, dass nicht ein einziger Teil von dir davon begeistert ist? Drei Typen, Clara! Sie haben dich alle geküsst. Du hast gerade eine Menge Macht in der Hand.“ „Macht?“ wiederhole ich und ziehe eine Augenbraue hoch. „Ich bin mir nicht sicher, ob das Macht ist, Rachel. Es fühlt sich eher wie ein Chaos an.“ Sie lacht und versteht mich offensichtlich nicht. „Vertrau mir, das ist eine Art von Chaos, die man nur einmal im Leben erlebt. Du solltest es genießen.“ Ich schenke ihr ein kleines Lächeln, auch wenn ich ihre Begeisterung nicht teile. Ein Teil von mir will ihr zustimmen – will glauben, dass das etwas ist, worüber ich mich freuen sollte. Aber ein anderer Teil von mir hat das Gefühl, dass ich mich auf etwas einlasse, das viel zu kompliziert ist. Ich entschuldige mich bei Rachel und sage, dass ich mir etwas zu trinken holen will. Während ich zum Erfrischungstisch gehe, versuche ich, meinen Kopf freizubekommen. Die Gesichter der Winters-Brüder blitzen immer wieder in meinem Kopf auf. Stones lässiges Grinsen, Raphaels nachdenklicher Blick, Nathaniels verschmitztes Lächeln. Sie wirken alle so unterschiedlich und doch… irgendwie gleich. Sie sind alle so intensiv, und sie sehen mich alle an, als wäre ich die Antwort auf etwas, das sie schon lange suchen. Aber was soll ich damit anfangen? Ich bemerke kaum, als jemand neben mir am Tisch auftaucht, bis ich eine vertraute Hand auf meiner Schulter spüre. Ich drehe mich um, erschrocken, und blicke direkt in Raphaels Gesicht. Er steht so nah, dass ich die Wärme seiner Präsenz spüren kann, und für einen Moment vergesse ich, wie man atmet. „Ich habe dir gesagt, dass wir dich nicht allein lassen“, sagt Raphael, seine Stimme leise, mit dieser ruhigen Intensität, die ich inzwischen mit ihm verbinde. „Wir wollen dich nicht drängen, Clara. Aber wir müssen wissen, ob es dir gut geht.“ Ich schlucke schwer, unsicher, was ich sagen soll. „Ich weiß nicht, ob es mir gut geht“, gestehe ich, meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Das alles ist einfach so… verwirrend. Ich weiß nicht, was das alles bedeutet, Raphael.“ Raphael sieht mich einen Moment lang an, als würde er seine nächsten Worte sorgfältig abwägen. „Ich weiß, dass es viel ist. Aber wir verlangen nicht, dass du heute eine Entscheidung triffst. Wir wollen nur, dass du verstehst, dass das hier real ist. Dass wir real sind.“ Langsam nicke ich, mein Herz hämmert in meiner Brust. „Ich weiß. Aber ich weiß nicht, was ich mit all dem anfangen soll. Ihr seid so… unterschiedlich. Stone macht ständig Witze, Nathaniel steht immer im Mittelpunkt, und du bist… du bist ernst. Ich weiß nicht, was das alles bedeutet. Oder ob es überhaupt wichtig ist.“ Raphael tritt näher, sein Blick unverwandt auf mich gerichtet. „Es ist wichtig. Alles davon. Jeder einzelne Teil davon. Aber am wichtigsten, Clara, bist du. Was du willst. Was du brauchst.“ Ich schaue auf meine Hände, fühle mich plötzlich verletzlich. „Ich weiß nicht, was ich will. Ich weiß nicht mal, was ich brauche.“ „Dann nimm dir Zeit“, sagt Raphael leise, seine Stimme fast ein Flüstern. „Aber wisse eins… wir sind hier. Alle drei von uns. So lange, wie du es brauchst.“ Seine Worte setzen sich in meiner Brust fest, und ich sehe auf, begegne seinem Blick. Da ist etwas in seinen Augen – etwas, das mein Herz schneller schlagen lässt. Es fühlt sich an, als stünde ich an der Kante einer Klippe, und alles, was ich tun müsste, wäre, einen Schritt nach vorne zu machen. Aber ich habe Angst. Ich habe Angst zu fallen. Aber ich weiß auch, dass sich heute Nacht etwas in mir verändert hat. Etwas passiert, und ich weiß nicht, wie ich es aufhalten soll. „Danke“, sage ich leise, meine Stimme voller Emotionen. Raphael schenkt mir ein sanftes Lächeln, seine Augen warm. „Immer, Clara. Immer.“
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