Kapitel 2
Rachel konnte sehen, dass Benjis Brust sich hob und senkte. Er lebte, aber er befand sich in großer Gefahr. Die Wunde an seinem Hals blutete noch immer, und die Lache am Boden sah aus, als ob er dass schon seit einer ganzen Weile tat. Sie trat vorsichtig zurück, denn sie wollte ihm nicht weh tun oder gar noch mehr Schaden anrichten. Was sie wirklich wollte war ihn aufzuheben und an sich zu drücken, ihn zu küssen und zu sagen, dass alles in Ordnung werden würde - aber das konnte sie nicht. Sie wusste nicht, ob es in Ordnung werden würde. Sein Anblick verriet, dass er sich in einer ernsten Lage befand.
„Benji,“ flüsterte sie in der Hoffnung, dass er antworten würde.
Das Geräusch seiner raschen Atemzüge war zu hören, und sie beobachtete, wie das Blut weiterhin aus seinem Hals floss.
„Benji, bist du in Ordnung? Bitte, sag mir dass du in Ordnung bist, BITTE!“ bat Rachel leise, den Tränen nahe.
Nichts.
Rachel rutschte näher an ihn heran und berührte seine eiskalte hand, was ihr einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Einen Augenblick lang hatte sie vergessen, dass sie Vampiere waren. Sie versuchte sich zu erinnern.
Sie erinnerte sich daran, die blaue Tafel gehalten zu haben. Wie sie Benjis Hand gehalten hatte und wie sie gesprungen waren. Ein Fall, von dem sie sicher war, dass er ihren Tod bedeuten würde. Aber sie war am Leben sie atmete und versuchte sich zusammen zu reimen, wie sie in diese Höhle geraten waren. Hatte der Sprung ihn getötet?
Sie sah auf ihr Handgelenk und hoffte, dass ihre Uhr noch immer dort war, und das war sie auch. Dieses Mal las sie 11:05 Uhr und das Datum war der 15te September.
„15ter September?“ fragte sie laut.
Wie konnte das sein?
September? Dachte sie. Das letzte an das sie sich erinnern konnte, war der Halloween Ball, und dass es fast Thanksgiving gewesen war. Sie dachte, dass wohl etwas nicht mit ihrer Uhr stimmen konnte, vielleicht war die Batterie fast leer, oder vielleicht war sie beschädigt. Sie griff nach Benjis Arm und blickte ungläubig auf seine Uhr.
15ter September. Wie konnte das sein? Befanden sie sich tatsächlich seit fast einem Jahr in dieser Höhle?
Aus heiterem Himmel fing Benji an zu husten und spuckte Wasser aus.
„Benji! Bist du in Ordnung? Antworte mir!“ rief Rachel.
Ein gurgelndes Geräusch kam aus seinem Hals als er ein Auge öffnete, und sie sehen konnte, dass ihm das Auge nach hinten gerollt war.
„Benji, bitte stirb nicht, du kannst micht nicht verlassen!“ bat Rachel. „Ich liebe dich."
Rachel schaute auf Benjis Lippen, und es schien als ob er versuchte etwas zu sagen. Sie konnte nicht ganz verstehen, was er zu sagen versuchte. Sie versuchte genauer hinzuhören und hörte ein leichtes Flüstern.
„Das rote Amulett,“ flüsterte Benji hauchzart, seine Augen waren noch immer unfocusiert.
„Rotes Amulett?“ fragte Rachel. „Was ist das?“
Ohne ein weiteres Wort sank Benjis Körper wieder in Ohnmacht, und lag schlaff auf dem Höhlenboden. Sie sah Benji noch einmal an, und ihr wurde klar, dass sie so schnell wie möglich Hilfe finden musste. Sie versuchte ihn aufzuheben - aber er war zu schwer. Sie konnte ihn nicht anheben. Sie wusste, dass die einzige Wahl die ihr blieb war, ihn hierzulassen und Hilfe zu holen. Sie hasste den Gedanken ihn alleine zu lassen - aber sie hatte keine Wahl.
Rasch lief Rachel durch die Höhle und suchte nach einem Ausgang. Es war dunkel und feucht und das kreischen von Fledermäusen hallte wieder. Einen Augenblick lang dachte sie fast, dass sie noch immer träumte, oder sich vielleicht in einen Horrorfilm geraten war.
Sie hatte panische Angst davor alleine zu sein, und ihr Herz fing an zu rasen und ihr Atem ging schneller. Sie musste hier raus - und schnell. Sie rannte einem Sonnenstrahl am anderen Ende der Höhle entgegen, aber als sie dort ankam, fand sie lediglich ein kleines Loch das nach draußen führte. Durch dieses Loch würde sie niemals passen.
Sie lief ans andere Ende, fand aber nichts außer Dunkelheit und Stalagmiten. Sie lief in eine andere Ecke und fand einen schmalen Durchgang, der gerade groß genug war, dass sie sich hindurch quetschen konnte.
Sie zog den Bauch ein und atmete flach, als sie sich durch die schmale Öffnung schob und der frischen Luft und den warmen Sonnenstrahlen die ihr auf das Gesicht schienen, entgegen ging.
Zum Glück hatte sie sich vorsichtshalber mit Hex Lotion eingerieben, deshalb war sie nicht besorgt sich zu verbrennen oder gar zu sterben.
Sie hatte jetzt nur noch das rote Amulett im Sinn, und Rachel war bewusst, dass sie herausfinden musste was das rote Amulett war und wo sie es finden konnte. Sie wusste, dass Benji sich in großer Gefahr befand, und vielleicht war dieses rote Amulett das einzige, was ihn jetzt retten konnte. Sie fühlte sich verloren und wusste nicht wo sie zu suchen anfangen sollte. Gerade jetzt brauchte sie Benji mehr den je, aber er lag im Koma und konnte ihr nicht helfen. Sie wünschte er hätte ihr von dem roten Amulett erzählen können, bevor er wieder bewusstlos wurde, aber dem war nicht so. Jetzt lag es an ihr die Teile zusammenzufügen. Es lag an ihr dies zu korrigieren und ihm das Leben zu retten. Immerhin würde er alles für sie tun. Jetzt war es für sie an der Zeit zu beweisen, wie sehr sie ihn liebte.
Rachel sprang in die Luft, ihre Flügel breiteten sich aus, und sie fühlte den kühlen Wind in ihrem Gesicht. Sie wusste, das sie es finden würde, egal was sie tun musste.