SIENNAS SICHT Das Badezimmer war noch warm vom Dampf, die Luft erfüllt vom Duft von Lavendel und Eukalyptus, sanftes Kerzenlicht tanzte wie kleine Goldflitter über die Fliesen. Ich war gerade tiefer in die Blasen gesunken und hatte mich vom Wasser mit allem Schweren in mir umspülen lassen, als ich hinter mir ein leises Luftgeräusch hörte – als ob jemand vor dem Sprechen tief einatmete. Ich drehte mich um. Und da war er. Luther. Er stand im Türrahmen, als wäre er aus dem Nichts aufgetaucht – breite Schultern, feuchtes Haar von der Nachtluft, sein Gesichtsausdruck undurchschaubar, aber so intensiv, dass er mir für einen Moment den Atem raubte. „Was machst du hier?“, fragte ich und richtete mich auf, während das Wasser um mich herum schwappte. „Ich wollte gerade baden gehen.“ Meine Sti

