Er hat sich das selbst eingebrockt

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Kapitel 5 Analises Perspektive Meine Eltern gingen eine Stunde später, aber es war nicht früh genug. Denn mein Vater saß noch neben mir und half mir, die nächsten Schritte zu planen, als ich eine Nachricht von Roger erhielt. Sie alle starrten mich an, nachdem mein Vater fast schon geknurrt hatte, als er die Bezeichnung „Ehemann“ auf meinem Handybildschirm erblickt hatte. Ich änderte es schnell zu: „Roger! Nicht antworten!“, und darüber schien er glücklicher zu sein. Dann klickte ich auf die Nachricht, da ich bereits gespannt auf die kreative Art war, wie er mich diesmal belügen wollte. Roger: „Liebling, ich fliege am Montagmorgen nach Paris. Ich hoffe, mit einem neuen Designer einen Deal abzuschließen, um ihn ins Boot zu holen. Das würde dir helfen, da du dann nicht mehr so beschäftigt sein würdest. Ich möchte nicht, dass du erneut ohnmächtig wirst. Du wirst ja auch schließlich bald meine Frau sein. Du hast uns schon an die Spitze gebracht. Du solltest nicht mehr so hart arbeiten müssen.“ Ana: „Mit welchem Designer wirst du denn sprechen?“ Roger: „Ich weiß noch nicht, um wen es sich genau handelt. Ich habe hier von einem aufstrebenden Designer gehört, also wollte ich mit einigen Personen in Paris sprechen. Ich möchte das noch abschließen, bevor wir in die Flitterwochen fahren. Ich möchte nicht, dass irgendetwas unsere gemeinsame Zeit verkürzen wird, wenn wir in Paris sein werden. Ich möchte, dass alles im Voraus geregelt sein wird.“ Ana: „Okay.“ Roger: „Liebling, wir sollten den neuen Designern vielleicht auch erlauben, deine Designs zu verwenden, nachdem sie hier angekommen sind. Das würde ihnen und unserem Unternehmen viel Aufmerksamkeit einbringen. Aufmerksamkeit ist für uns alle von Vorteil und wird helfen, den Umsatz zu steigern. Ich weiß, dass es deine Designs sind, aber als Miteigentümerin hast du mir immer erlaubt, sie zu nutzen. Es wäre für uns beide profitabel, oder? Ich möchte nicht, dass unsere Kunden denken, dass unser Unternehmen Probleme bekommen wird, wenn du dich etwas ins Privatleben zurückziehst. Ich glaube, dass dies unserem Geschäft helfen wird zu wachsen.“ Ana: „Ich werde darüber nachdenken.“ Roger: „Bist du sauer auf mich, Liebling? Du wirkst heute Abend nicht wie du selbst.“ Ana: „Ich habe nur ein wenig Kopfschmerzen.“ Roger: „Solange du keine hast, wenn wir in den Flitterwochen sind ...“ Er besaß sogar noch die Frechheit, ein Zwinker-Emoji hinzuzufügen, nachdem er das geschrieben hatte. Als ob ich ihn jemals wieder an mich heranlassen würde. Ich wusste schließlich jetzt, wo seine Hände gewesen waren. Ich kannte Sasha und wusste nur zu gut, wozu sie fähig war, um zu bekommen, was sie wollte. Ich wusste ja jetzt, dass sie zusammen nach Paris fliegen und dort auch miteinander schlafen würden. Nichts könnte mich jemals dazu bringen, meine Meinung zu ändern. Er hatte seine Wahl getroffen und ich war glücklich, ihn damit leben zu lassen. Ich war aber wütend über seine offensichtliche Parteilichkeit. Allerdings versuchte ich, weiterhin ruhig zu bleiben. Ich wusste, dass meine Mutter Gwen und Emily gesagt hatte, dass die beiden ein Auge auf mich haben sollten. Sie machten sich Sorgen um mich. Aber mein Vater wusste, dass ich in Ordnung sein würde. Ich war genau wie er. Sobald man mich einmal hintergang, war ich fertig mit jener Person. Da ich der Familie Caldwell angehörte, waren die Hochzeitseinladungen an alle prominenten Familien verschickt worden. Wir hatten einen Ruf zu wahren. Das war das größte Problem: Die Hochzeit war in drei Wochen. Wir mussten uns also etwas überlegen, weil die Einladungen schon lange verschickt worden waren. Obwohl auf den Einladungen der Familienname Wade stand, wussten die Eingeweihten genau, wer ich war. Sie wussten, um wessen Hochzeit es sich handelte, da dies schon einmal passiert war. Nämlich, als meine Mutter damals meinen Vater geheiratet hatte. Die Eliten der Stadt würden der Familie Cook aber keinen Hinweis auf meine wahre Identität geben. Einige von ihnen sahen sogar auf die jene Familie herab. Ich hatte es selbst miterlebt. Sie waren nämlich nicht die wohlhabende Familie, die sie zu sein anstrebten. Sie hatten keinen Anspruch darauf, Teil der oberen Schicht der Gesellschaft zu sein. Mit meiner Hilfe hätten sie das erreichen können. Aber dieser Zug war nun abgefahren. Ein Lächeln erschien auf meinem Gesicht bei diesem Gedanken. Das war das Einzige, was mich an alledem glücklich machte. Rogers Mutter und auch seine Schwester hatten immer auf mich herabgesehen und schlecht über mich geredet. Wir waren vor zwei Monaten zum Abendessen ausgegangen. An jenem Tag hatte ich erlebt, wie sehr sie auf mich herabsahen. Sie waren laut und grob. Sie hatten keine Etikette. Sie gaben sich als etwas aus, das sie nicht waren. Aber jeder, der sie beobachtete, konnte sofort erkennen, dass sie nicht dazugehörten. Ich hatte einfach ruhig mit ihnen am Tisch gesessen und darauf gewartet, dass Roger ankäme, damit wir bestellen konnten. Zuerst war ich besorgt gewesen, da Erika Carrington, eine Freundin meiner Eltern, auch in jenem Restaurant zu Abend aß. Sie sah mich, als sie vorbeiging, und nickte mir zu. Sie sprach mich aber nicht an, da sie wusste, dass meine Identität bis nach der Hochzeit verborgen bleiben sollte. Sie war mit meiner Mutter befreundet und darüber informiert, was ich geplant hatte. Ich hatte auch leicht genickt, um sie zu grüßen, als Rogers Mutter plötzlich anfing, mich anzuschreien. „Wie kannst du es wagen, so zu tun, als ob du Frau Carrington kennst? Sie hat uns zugenickt, nicht dir! Du bist nichts im Vergleich zu uns. Da Rogers Firma jetzt an die Börse gegangen ist, beginnen immer mehr Menschen, uns zu bemerken. Du hast nichts Gutes an dir, Elizabeth. Du bist einfach nur ein Waisenkind. Du hast weder Klasse noch gesunden Menschenverstand. Ich werde nie verstehen, warum Roger zugestimmt hat, dich zu heiraten. Aber sei versichert, dass wir eure Ehe nicht unterstützen! Du passt nicht zu unserer Familie und es besteht die Gefahr, dass du uns in Zukunft in irgendeiner Weise gesellschaftlich schaden wirst“, verkündete Joyce Cook. „Ja, einfach erbärmlich! Wie kannst du es wagen, auf unserer Erfolgswelle mitschwimmen zu wollen? Du hast dich jahrelang an meinen Bruder geklammert. Ich kann deine Verzweiflung von hier aus riechen. Roger könnte eine so viel bessere Frau als dich haben. Ich wünschte, er würde dich verstoßen und dich zurück in die Gosse werfen, aus der du gekommen bist“, spuckte seine jüngere Schwester Regina mir entgegen. „Entschuldigung, aber Sie liegen beide falsch. Ich habe Frau Wade gegrüßt. Ich kenne sie seit Jahren, da sie eine ausgezeichnete Designerin ist. Vielleicht sind Sie beide es, die etwas gesunden Menschenverstand vertragen könnten. Ich kenne keine von Ihnen. Allerdings habe ich noch nie jemanden gesehen, der sich so respektlos gegenüber einer unschuldigen Frau in der Öffentlichkeit verhalten hat. Man sollte sich immer seiner Umgebung bewusst sein, bevor man in eine so bösartige Tirade verfällt. Sie sind hier schließlich in einem gehobenen Restaurant. Also benehme Sie sich auch entsprechend!“, riet Erika den beiden. Sie war extra zu unserem Tisch zurückgekommen, weil sie gehört hatte, wie Frau Cook mich wegen eines einfachen Nickens angegriffen hatte. „Was ist denn hier los?“, hörte ich Rogers sanfte Stimme hinter mir. Erika antwortete sofort: „Diese beiden Frauen haben ohne Grund meine Freundin Elizabeth angeschrien. Ich habe ihr im Vorbeigehen zugenickt, um sie zu grüßen. Anscheinend hat das diese beiden Frauen hier sehr gestört.“ „Ich bin mir sicher, dass es nur ein Missverständnis war, Frau Carrington. Bitte nehmen Sie es den beiden nicht übel, dass sie sich im Ton vergriffen haben. Ich kann sehen, dass sie es jetzt schon beide bereuen“, versuchte Roger, die Stimme der Vernunft zu sein. Er konnte es sich nicht leisten, Erika Carrington zu beleidigen. Dann das könnte schwerwiegende Folgen sowohl für sein Unternehmen als auch für das seines Vaters haben. Sie war schließlich die Besitzerin eines der größten Finanzhäuser des Landes. Rogers Mutter verstand sofort, worauf er mit seinem Kommentar hinauswollte. „Ja, Frau Carrington. Ich wollte nur nicht, dass Sie sich durch Elizabeths Handlungen beleidigt fühlen. Ich wusste nicht, dass Sie sie kennen. Es ist ganz allein meine Schuld. Es tut mir leid“, erklärte Joyce. „Glauben Sie, dass ich nicht für mich selbst sprechen kann? Ich habe ihr zuerst zugenickt und sie hat in gleicher Weise geantwortet. Sie hat sich angemessen benommen, was ich von Ihnen und Ihrer Tochter nicht behaupten kann. Es gibt keine Entschuldigung für das, was Sie gerade getan haben. Trotz der Versuche Ihres Sohnes, Ihr Verhalten zu beschönigen. Ich bin für vieles bekannt, Frau Cook, aber nicht dafür, dass ich leicht zu beeinflussen wäre. Ich weiß, was ich heute hier gesehen habe. Ich habe auch nichts falsch verstanden. Entschuldigen Sie mich jetzt, ich muss gehen. Elizabeth, lass mich bitte wissen, wann du das nächste Mal etwas Zeit hast. Ich würde mich freuen, dich einmal privat zu sprechen. Vorzugsweise noch vor deiner Hochzeit“, sagte Erika, während sie ihre Augen über die Frauen gleiten ließ, bevor ihr Blick schließlich auf Roger ruhte. Ihr Ausdruck sagte alles. Sie musste nicht laut aussprechen, was sie über die Familie Cook dachte. Die Röte auf den Wangen von Joyce und Regina zeigte, dass sie ihre Botschaft verstanden hatten. Frau Carrington drehte sich dann um und ging mit ihrer Gruppe davon. Das machte die Situation nur noch peinlicher. Sie hatten ihre Abreibung vor einer Menge wichtiger Geschäftsleute bekommen. Und das würde Folgen für Roger und seinen Vater haben. Ich hatte gehofft, dass Roger mich verteidigen würde. Aber stattdessen setzte er sich und packte fest mein Handgelenk. „Was hast du getan?“, zischte er mich an. „Frau Carrington hat mir zugenickt und ich habe zurückgenickt. Sie hat es doch gerade ganz klar gesagt. Ich kenne sie beruflich. Ich habe kein Wort gesagt. Sie bezog sich auf das, was deine Mutter und Schwester gesagt haben. Falls du das gerade nicht verstanden hast“, antwortete ich und meine Stimme war von Sarkasmus durchzogen. Was ließ ihn annehmen, dass ich das verursacht hatte? Ich machte nie eine Szene. Seine Mutter hingegen lebte dafür, Dramen zu verursachen. Bis zu diesem Zeitpunkt war er immer so nett zu mir gewesen. Aber nun entschuldigten sich weder er noch seine Familie bei mir. Wie hatte ich die Warnsignale nur ignorieren können? Er hatte mir durch seinen festen Griff sogar das Handgelenk verletzt. Ich musste über eine Woche lang eine Schiene tragen. Er brachte mich nach dem Abendessen ins Krankenhaus, aber er gab niemals irgendeine Schuld zu. Er hatte dem Arzt gesagt, dass meine Verletzung ein Unfall gewesen war. Dass ich gestolpert und dann gefallen war und Roger nur mein Handgelenk gepackt hatte, um mich zu retten. Diese Geschichte sollte seine Fingerabdrücke an meinem Handgelenk erklären. Ich kam mir vor wie die größte Idiotin. Ihm war sein Ruf wichtiger als mein Wohlbefinden. Dennoch klammerte ich mich immer noch an ihn. Ich nahm an, dass ich ihm an jenem Abend vermittelt hatte, dass ich bereit war, alles zu akzeptieren, was er mit mir machen würde, nur um bei ihm zu sein. Was für ein Dummkopf ich doch gewesen war. Das erinnerte mich daran, dass ich Erika noch zum Essen einladen musste. Ich wusste aber bereits, was sie mir sagen wollte, also hatte ich sie gemieden. Jetzt gab es aber keinen Grund mehr, ihr aus dem Weg zu gehen. Ich musste sowieso geschäftlich mit ihr sprechen. Da ich Roger jetzt nicht mehr unterstützen würde, musste ich sie bitten, seine Schulden auf seinen Namen umzuschreiben. Ich hatte ihm mehrere Millionen gegeben, um bei der Gründung seiner Firma zu helfen. Er hatte sich auch Geld geliehen, um unsere neuesten Designs zu produzieren. Er steckte nie sein eigenes Geld in die Firma. Ich wusste, dass Roger, wenn er merken würde, dass ich im Begriff war, auszusteigen, die neuen Kreditunterlagen nicht unterschreiben würde. Das hatte ich bereits herausgefunden. Ich würde also heimlich meine Anteile verkaufen, um meine Investition zurückzubekommen. Dann würde ich warten, bis er Sasha als meine Nachfolgerin einsetzen würde, bevor ich endgültig kündigen würde. Ich würde auch keine der Fehler korrigieren, die das Designteam in der nächsten Woche machen würde. Roger hatte sowieso das letzte Wort darüber, was in Produktion gehen würde. Also würde das alles letztendlich auf ihn und Sasha zurückfallen. Ich würde mich komplett aus der Gleichung herausnehmen. Ich würde Roger zeigen, wie viel Unterstützung ich ihm über die Jahre gegeben hatte. Er brauchte den Weckruf. Er musste verstehen, dass er kurz davor stand, unterzugehen. Der bloße Gedanke daran ließ mich lächeln. Er hatte meine Liebe zu ihm einfach nur ausgenutzt. Er war freundlich und fürsorglich, wenn wir allein waren oder er mir schrieb. Ich hatte mich darauf eingelassen, weil ich wollte, dass es wahr wäre. Das Einzige, was ich jetzt noch für ihn empfand, war Ekel. Nein, das stimmte nicht! Ich empfand auch viel Wut und sogar etwas Hass, der sich mit dem Ekel vermischte. Meine Emotionen sollten mir helfen, meine Pläne durchzuführen. Ich schuldete ihm nichts, außer dem, was er verdiente. Denn er hatte sich das alles selbst eingebrockt.
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