Kapitel 4 Feind in Verkleidung

1239 Worte
„Um Himmels willen! Was hast du getan?“ Connor verzog das Gesicht, als Antons scharfer Ausruf durch den Raum hallte. „Ich habe dich ausdrücklich gebeten, ihnen zuzusagen! Was ist jetzt mit deiner Tochter? Was, wenn sie ihrer Grausamkeit ausgeliefert wird?“ „Janet trägt die Schuld, weil sie ohne meine Erlaubnis hierhergekommen ist. Jetzt wird sie die Folgen ihres Handelns zu spüren bekommen. Wir haben ein ganzes Jahr damit verbracht, diese Diamanten zu schmuggeln, und wenn wir die Stallions verraten, wird er dafür sorgen, dass wir es bitter bereuen. Die Lieferung wird planmäßig abgeschickt, und ich werde sie persönlich zu Stallion bringen.“ Connor behielt einen unbewegten Ausdruck im Gesicht, während er vor Anton stand, ohne das geringste Zeichen von Reue. „Also gut, und was ist mit Janet?“, fragte Anton. „Ich hoffe, Marco erkennt, dass seine beste Option darin besteht, mich zu kontaktieren und Geld gegen meine Tochter einzutauschen.“ „Sie könnten sie töten, Connor!“ Anton funkelte ihn an. „Glaubst du wirklich, sie würden Janet freilassen, wenn du so tust, als ob dir die Diamanten mehr bedeuteten als sie? Was, wenn dieser Trick nach hinten losgeht und sie sie anstatt freizulassen verletzen oder sogar töten?“ „Dann ist es ihr Schicksal, für die Genovese geopfert zu werden. Ich habe getan, was in meiner Macht stand. Egal, wie die Situation ist, ich werde niemals gegen die Genovese handeln. Ich kann die Familie Genovese nicht aufs Spiel setzen. Gegen Stallion vorzugehen wäre unser Untergang, und das können wir uns nicht leisten, bis du unseren nächsten Mafiakönig bekannt gibst!“ „Es ist mein Befehl, Connor. Tu, was ich sage!“, rief Anton schrill. „Nein. Ich kann deinem Befehl nicht folgen!“ Connor erwiderte mit solcher Vehemenz, dass Anton sprachlos war. „Ob Stallion oder ein anderer Gangster – meine Soldaten sind die erste Verteidigungslinie, die dich schützt. Ich kann das Leben der Soldaten nicht gefährden. Es tut mir leid.“ Er drehte sich um und verließ den Raum, Alex folgte ihm. Als sich die Tür schloss, überkam Anton eine Welle des Schocks. Fassungslos starrte er auf die Tür und versuchte, Connors Entscheidung zu begreifen. In nur wenigen Minuten hatte sich seine Haltung gegenüber Marco von dem Wunsch, ihn lebendig zu begraben, zu der Entscheidung gewandelt, seine Tochter in dessen Hände zu lassen. Anton zündete sich eine Zigarette an und ging zum Fenster. Er zog tief an ihr und betrachtete die Bäume, die sich in der kühlen Brise wiegten. Er blies den Rauch in Ringen aus, griff dann nach seinem Handy und tätigte einen Anruf. „Sebastian, ich glaube, es ist Zeit für dich zurückzukehren. Und es sollte genauso eindrucksvoll sein, wie du es versprochen hast.“ Er beendete das Gespräch. *** „Was? Hast du Sebastian wegen Connors Tochter zurückgerufen?“ Serena, Sebastians Mutter, fuhr Anton scharf an. Er drehte sich zu ihr um, nickte und ging dann zur Bar. „Unseren Sohn wegen eines Mädchens in Gefahr zu bringen, ist doch Wahnsinn, oder?“, fragte sie und trat vor, ihre Wut schürte den Streit in ihr. „Und wie kommt es, dass wir nichts von Connors Tochter wussten? Ist sie vom Himmel gefallen?“ „Connor hat sie verlassen, als sie noch ein Neugeborenes war. Sie kam hierher, um ihn zu suchen. Leider haben unsere Feinde sie in ihre Gewalt bekommen.“ Ihre Augen verengten sich, als er Eis in sein Glas gab, es schüttelte und dann einen Schluck nahm. „Ob glücklicherweise oder unglücklicherweise, das ist mir egal! Mein Sohn wird sich nicht ihretwegen in Gefahr begeben. Er ist für Größeres bestimmt. Connors Tochter ist Connors Problem. Und warum sollten wir uns darum kümmern, wenn er selbst ihre Sicherheit missachtet?“ Serena verschränkte die Arme vor der Brust und stellte sich ihm entgegen. Anton warf ihr einen vernichtenden Blick zu. „Serena, du bist so grausam! Connor hat mir das Leben gerettet!“ „Das ist sein Job!“, erwiderte Serena schrill. „Wir bezahlen ihn, damit er für uns arbeitet. Er hat uns keinen Gefallen getan. Aber das Leben unseres Sohnes aufs Spiel zu setzen, um Connors Tochter zu retten, zu der Connor keinerlei Bindung hat, ist blanker Unsinn!“ Anton nahm einen weiteren Schluck Whiskey, mied ihren Blick, sein Kiefer war fest angespannt. „Connor sorgt sich um sie. Statt uns in Gefahr zu bringen, hat er uns über seine Tochter gestellt. Wie dem auch sei, ich habe die Angelegenheit selbst in die Hand genommen, und mein Entschluss steht. Sebastian muss bald zurückkommen, und wir werden Janet retten. Wir werden sie auf jeden Fall zurückholen!“ Das einzige Geräusch im Raum war das Ticken der Uhr, während sich ein langes Schweigen zwischen ihnen ausbreitete. Serena sah ihn an. „Weißt du was?“ „Was?“ Das scharfe Klirren des Glases auf der Theke hallte, als er ihr in die Augen sah. „Du bist schwach! Deshalb hat dein Vater mich für dich ausgewählt. Er wusste, dass dein schwaches Herz uns in Zukunft gefährlich werden würde! Du sagst, Connor steht dir nahe, ja? Warum hat er dir dann nie etwas über seine Vergangenheit erzählt?“ „Du redest so, als hätten wir eine langjährige Freundschaft und er wäre verpflichtet, mir alles zu offenbaren.“ Serena ließ sich schwer in den Sessel fallen, seufzte tief vor Erschöpfung und hielt den Kopf in den Händen. „Anton, ich liebe dich. Aber es ist entmutigend, dass du nicht einmal versuchst, die Dinge aus meiner Perspektive zu sehen. Diese Frustration macht mich verrückt!“ Während das Paar im Schlafzimmer im zweiten Stock stritt, betrat Connor den Eingangsbereich, und die Wachen senkten respektvoll den Kopf, als er vorbeiging. „Bring mir einen Filterkaffee!“, wies er den Diener an und ging in den linken Flügel der Genovese-Villa. Er durchquerte mehrere Räume, bis er schließlich die Tür zu Don Vitalino Genoveses Zimmer erreichte, dem pensionierten Paten und Antons gnadenlosem Vater, der einst Angst und Schrecken in Springfield verbreitet hatte. Pfeifend trat Connor ein, die Hände lässig in den Taschen, und Don Vitalino erkannte sofort die Melodie und öffnete die Augen. Seine Lippen bebten, als Connors Gesicht über ihm auftauchte, und eine Welle der Angst überkam ihn. „Mein Herz schmerzt beim Anblick deines ans Bett gefesselten Körpers. Karma ist eine echte Hure.“ Er hob Dons Hand, strich sanft über den Handrücken und ließ sie dann fallen, sodass sie seitlich vom Bett hing. „Es hat dich verdammt übel erwischt!“ Sein Blick glitt über den gelähmten Körper, dann über das Netz von Kabeln, die ihn an die Maschinen banden. „Das letzte Mal, als wir uns trafen, habe ich dir genug Hinweise hinterlassen. Erinnerst du dich jetzt, wer ich bin, hm?“ Er zog einen Stuhl heran, setzte sich neben ihn und musterte sein Gesicht aufmerksam. „Blink zweimal, wenn du mich nicht erkennst.“ Don blinzelte zweimal und starrte nach den Worten an die Decke. Connors Gesicht verzog sich, als er sich vorbeugte und Dons Kehle packte. „Heilige Scheiße! Wenn meiner Tochter etwas zustößt, müsste ich dich mit bloßen Händen töten, und du würdest nie erfahren, warum alles angefangen hat!“ Er knirschte mit den Zähnen, während Dons Augen sich mit Tränen füllten, ließ jedoch bei dem Piepen der Maschinen seine Hand wieder los. „Betet verdammt noch mal, dass ich mein kleines Mädchen zurückbekomme, sonst werde ich euch allen hundertfach brutalere Tode bereiten.“
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