Kein Zurück. Ein Fakt.
Das Leben war nie einfach.
Fakt Nummer drei: Nichts veränderte sich jemals. Max kämpfte immer noch gegen das Böse in der Welt. Er hatte seine Welt nur auf Bluff River Falls verkleinert. Er schüttelte seinen Kopf und versuchte die Bitterkeit abzuwerfen. Nein, es war nicht fair. Ja, der Preis war zu hoch. Aber es war vorbei. Er hatte keine Zeit, um in Erinnerungen zu schwelgen, nur weil eine Frau namens Katherine eine Nachricht über ein neues Sicherheitssystem für ihr Haus hinterlassen hatte.
Katherine. Er starrte auf sein Gekritzel auf dem Notizblock und kämpfte gegen einen plötzlichen Drang, Kats alte Bilder aus der Schublade zu holen. Katherine Simmons war nicht Kat. Katherine Simmons war vierzig Jahre alt, mit einem Ehemann, drei glücklichen Kindern und einem Haus voller Dingen, die sie liebte. Damit dies so blieb, hatte sie ihn angerufen. Kein Grund, um alte Erinnerungen hochkommen zu lassen. Besonders wenn es so verdammt wehtat.
Max griff nach seinem Telefon, um Mrs. Simmons‘ Anruf zu beantworten, legte es aber wieder zurück, als die äußere Tür seiner Rezeption hart zugeschlagen wurde. Er grinste. Keiner konnte die Tür so fest zuschlagen, wie seine zehnjährige Nichte. „Hi Libelle“, rief er. „Ich bin hier.“
„Als ob du jemals irgendwo anders wärst? Und nenn mich nicht so.“ Der düstere Ton in ihrer Stimme war ihr ins Gesicht geschrieben, als sie eine Sekunde später in das Zimmer getrottet kam. „Das Leben ist furchtbar, Onkel Max.“
Er versteckte sein Lächeln und zog eine finstere Miene. „Was ist sonst noch neu? Keine Schule heute?“
„Nö. Der Lehrer ist auf einer Weiterbildung. Und nichts ist neu.“ Sie seufzte viel zu dramatisch und schwang ihre schlaksige Statur auf das Sofa. „Nichts ist jemals neu in meinem Leben.“
Max verschränkte seine Hände auf dem Tisch und wartete. „Nun?“ forderte er sie auf, als Lizzie weiterhin still schmollte. „Ist das alles, was du wolltest?“
Lizzie seufzte erneut, diesmal sogar mit größerer Verzweiflung. „Mom erlaubt mir nicht, meinen Bauchnabel zu piercen und ich habe den ganzen Samstag mit ihr in der Klinik verbracht, statt im Einkaufszentrum.“
„Warum war sie in der Klinik?“ Er versteckte seine Sorgen unter einem fröhlichen Ton. Mim war Diabetikerin, eine Krankheit, die wenige Monate nach seiner Rückkehr festgestellt worden war. Sie war vorsichtig mit ihren Essgewohnheiten, machte Sport und achtete auf ihr Gewicht, aber die Krankheit geriet weiter außer Kontrolle.
„Geschwollene Knöchel“, beschwerte sich Lizzie. „Sie hätte am Freitag gehen können oder sogar am Montag, aber nein, es musste Samstag sein. Und ich kann nicht bei dir bleiben, weil du zu beschäftigt bist.“ Sie warf ihm einen Blick zu und versuchte dabei lässig zu wirken, doch es gelang ihr nicht. Lizzie konnte nicht lässig sein, selbst wenn ihr Leben davon abhinge.
„Nun, es tut mir leid, aber deine Mutter hat recht. Kannst du nicht am Sonntag in das Einkaufszentrum gehen?“
„Pat’s Piercings hat am Sonntag nicht geöffnet.“
„Ich dachte, sie hat nicht erlaubt, dass –“
„Zu spät, wenn es schon passiert ist, oder?“ Ihr Grinsen war jetzt absolut verschwörerisch. „Du kannst für mich unterschreiben.“
Max biss nicht an. „Bring mich nicht in diese Position, Liz. Hast du schon jemals daran gedacht, dass sie gerne möchte, dass du mit ihr in die Klinik fährst? Dass sie deine Gesellschaft vielleicht genießt?“
Lizzie schnaufte. „Nicht Mom. Sie ist ein Fels.“ Ihre Lippen spitzten sich und ihre Augen zogen sich zusammen. „Ein gemeiner, sturer Fels.“ Sie starrte Max an.
Er zuckte mit den Schultern. „Es ist ihre Aufgabe, das Leben ihrer Tochter furchtbar zu machen, Libelle. Das habe ich dir seit Jahren gesagt. Deine Mutter will nur das Beste. Sie weiß, dass du hier bist, oder? Wo ist sie? Zuhause?“
Lizzie zuckte mit den Achseln. „Beim Arzt. Ich sollte den Bus nach Hause nehmen, aber ich habe kein Geld mehr.“
„Was ist mit deinem Geld passiert?“ Mim würde Lizzie niemals ohne Geld für den Bus losschicken.
„Ich war hungrig.“ Offensichtlich sank sein Intelligenzquotient in ihren Augen wie ein Stein ab.
„Natürlich.“ Max nickte pflichtbewusst. „Also hast du etwas gekauft –“
„Nur einen Schokoriegel. Und einen Cappuccino.“ Ihr Blick beurteilte seine Reaktion. „Schau nicht so finster, Onkel Max. Das steht dir nicht gut.“
„Genauso wie Koffein kleinen Mädchen nicht steht.“
„Ich bin kein kleines Mädchen. Ich bin fast elf und ich bekomme Brüste.“ Sie schob ihre Beine von der Couch und blickte ihn an, damit er das volle Ausmaß sehen konnte.
Max ließ seinen Blick auf den Tisch sinken, wissend dass er die Hitze nicht verstecken konnte, die langsam an seinem Hals hinaufwanderte. Brüste, tatsächlich!
Das Telefon läutete. Er seufzte erleichtert und hoffte, dass seine sofortige Aufmerksamkeit erfordert war, damit er seiner kleinen Unruhestifter-Nichte befehlen konnte, nach Hause zu flitzen.
„Max, hier ist Miriam.“ Er konnte sie kaum flüstern hören.
„Sie ist bei mir, Mim. Sie hatte nicht genug Geld für Essen und den Bus. Ich bringe –“
„Nein. Ich brauche dich.“
Miriam fragte niemals um Hilfe. „Wo?“ Max schnappte sich seine Schlüssel. Es war schlimm, egal was es war.
Lizzies untypische Stille fiel ihm nicht auf, während Max seinen Truck zur Klinik raste, aber als sie nebeneinander über den Parkplatz liefen, kroch ihre Hand in seine. Das fiel ihm auf. Max verlangsamte seine Schritte. Sein Griff festigte sich bekräftigend um die kleineren Finger. „Es wird alles gut, Libelle.“
Überraschenderweise beschwerte sie sich nicht über den Spitznamen. „Hat dir Mom gesagt, was los ist?“
„Nein. Aber das finden wir heraus. Alles wird in Ordnung sein, Schatz. Wenn sie für eine Weile bleiben muss, kommst du einfach zu mir. Du weißt, dass ich immer auf dich aufpassen werden, richtig?“ Die breite, automatische Tür der Klinik öffnete sich und Lizzie zog ihn an der Hand zurück. Max stoppte gehorsam, bückte sich herunter und zog ihren zitternden Körper in eine riesige Umarmung.
„Du verschwindest nicht, oder?“
Er hätte sie von sich weggeschoben, um ihr in die Augen zu sehen, aber sie hielt sich an seinem Hals fest, als würde ihr Leben davon abhängen. „Verschwinden? Natürlich werde ich nicht verschwinden. Warum fragst du das?“
„Mom sagt immer, dass du vielleicht nicht bleiben wirst. Du bist schon einmal verschwunden.“
Verdammt! Max stand mit der Kraft der Emotionen auf, die ihn überwältigten und hob Lizzie mit sich auf. Würde es niemals aufhören? Miriam vertraute ihm immer noch nicht. Selbst nach all diesen Jahren. Der Schmerz seiner Lügen lebte in seiner Nichte weiter. Für eine lange Minute hielt er sie einfach und ließ sie weinen, während er sich wünschte, auch weinen zu können.
„Ich bin bereit, sie zu sehen“, flüsterte Lizzie einige lange Sekunden später in sein Ohr. „Ich werde dich nicht verlassen, Libelle. Niemals. Das ist ein Versprechen.“
„Okay“, flüsterte sie zurück. „Dann bin ich wirklich bereit.“
„Genau jetzt“, stimmte er zu und schloss seine Augen, als sie ihre Wangen an dem rauen Gewebe seiner Jacke abwischte. Diese einfache, unbewusste Geste – eine, die sie über die Jahre oft wiederholt hatte – brachte seinen Verstand zurück... zurück zum ersten Mal. Ein aufgeschürftes Knie, eine schreckliche Tragödie mit fast vier Jahren. Nach seiner Umarmung hatte sie sein Polohemd mit den Tränen einer Dreijährigen und den Resten einer verstopften Nase verschmiert. Max küsste ihre rosigen Wangen und verarztete ihr Knie mit einem farbenfrohen Pflaster.
Er hatte kein Pflaster, das groß genug war, um den Schmerz über die Krankheit ihrer Mutter zu verarzten. Oder die Lügen, die immer noch zwischen ihm und seiner Schwester standen.
Lizzie führte ihn zur Rezeption. „Miriam Clark, bitte. Wir wurden angerufen.“ Max lächelte über das kühne Selbstvertrauen in der Stimme seiner Nichte und nickte der Empfangsdame zu. Lizzie kannte das Gebäude offensichtlich besser als er, denn als die Empfangsdame ihnen die Zimmernummer sagte, stürmte seine Nichte los. Als Max die offene Tür erreichte, war sie bereits in den Arm ihrer Mutter am Untersuchungstisch gekuschelt und brabbelte vor sich hin.
„Ich hab ihm gesagt, dass es nicht so schlimm ist, Mama. Und dass du okay sein wirst. Ich glaube, er ist aber ziemlich aufgebracht. Aber er hat gesagt, dass er nicht verschwinden wird.“
Miriam traf seinen Blick über den Kopf ihrer Tochter hinweg und sein Herz rutschte ihm in die Hose. Es war nicht alles in Ordnung. Und es würde noch schlimmer werden, bevor es besser werden konnte. Er lächelte trotzdem, Lizzie zuliebe. Ein Lächeln würde Miriam nicht täuschen. Nichts täuschte Mim jemals. „Hey, Schwester.“
Miriams Arme verengten sich um Lizzie und sie versuchte zurückzulächeln. „Würdest du nach Doktor Tomlinson suchen, Max?“
Max nickte, berührte ihren Fuß, wo er unter der Decke hervorlugte und verließ den Raum. Dr. Tomlinson würde ihm die schlechten Nachrichten mitteilen und dann, gemeinsam, würden er und Mim mit Lizzie sprechen.
Zwei Stunden später schnallte Max Lizzie neben sich im Truck an. Miriams Krankenwagen war bereits auf dem Weg für den dreistündigen Trip nach Denver. Lizzie sah ihm nicht in die Augen und ihren Lippen waren zu einer dünnen Linie zusammengepresst. Kein gutes Zeichen. „Willst du einen Freund mitbringen?“
„Um Mom dabei zuzusehen, wie sie eine neue Niere bekommt?“ Der Blick, den sie ihm zuwarf, sagte deutlich aus, dass sie schon schlauere Steine getroffen hatte. Sie legte ihr Kissen zurecht, das sie von Zuhause mitgebracht hatte. „Fahr einfach. Verstehe nicht, warum wir drei Stunden von der nächsten, vernünftigen ärztlichen Versorgung leben müssen. Was für ein dummer Staat!“ Lizzie stopfte sich ihre Kopfhörer in die Ohren und schloss ihre Augen mit einem langen, übertriebenen Seufzen.
Leise Countrymusik erfüllte das Auto und sprach Bände. Lizzie spielte eines von Miriams Lieblingsliedern auf ihrem MP3-Player, statt ihrem üblichen Alternative Rock. Er sollte ihre die Hörer aus den Ohren ziehen und sie dazu zwingen, über alles zu reden, was sie heruntergeschluckt hatte. Aber was würde er sagen? Für ihn waren Gefühle einfach nur Gefühle. Sie sollten gefühlt werden, nicht besprochen und zerlegt werden wie bei einer Ermittlung.
Als Lizzie und er sich in dem Hotelzimmer in der Nähe des Krankenhauses von Denver eingerichtet hatten, war es nach zehn. Die Laune seiner Nichte war den ganzen Nachmittag stetig weitergesunken. Lizzie ließ sich auf das nächstbeste Bett fallen und vergrub sich in den Kissen, bis Max seinen Kopf schüttelte und sie anstupste. „Anderes Bett, Libelle.“
Sie warf ihm einen finsteren Blick zu. „Warum? Weil ich dieses mag?“
Er war verlockt zuzustimmen, schüttelte aber den Kopf. „Es ist näher bei der Tür.“
Sie dachte in genervter Stille einen Moment lang nach, bevor sich ihre Augen weiteten. „Bösewichte?“
Max lächelte. „Yep. Bösewichte.“ Er warf seine Tasche auf eine niedrige Kommode. Eine Dusche würde helfen. Dass Lizzie schlafen würde, sobald er aus der Dusche kam, war wahrscheinlich zu viel erhofft.
„Das machst du immer, nicht wahr? Auf alle aufpassen.“
Er warf einen Blick in den Raum und entdeckte, dass sie gehorsam das Bett gewechselt hatte und ihn merkwürdig ansah. „Das ist mein Job, Kleine.“ Er zwinkerte ihr zu. „Irgendjemand muss es tun.“
Lizzie lächelte nicht. Max legte sein Rasierzeug zur Seite, kam zu ihrem Bett und zog spielerisch an ihrem Zopf. „Alles wird wieder okay, Schätzchen. Mit deiner Mama.“
Lizzie schüttelte den Kopf. „Darf ich dir eine Frage stellen?“ Sie wartete nicht auf eine Antwort. „Erzähl mir davon, als du ein Spion warst.“
Max verzog keine Miene, als er sich hinsetzte. „Ein Spion?“
„Mom hat es mir erzählt.“ Sie nickte, aber das Glitzern, das normalerweise in ihren Augen aufblitzte, wenn sie ihn neckte, war nicht da. „Während du tot warst – als ich klein war. Sie hat gesagt, dass jeder dachte, du wärst tot, aber eigentlich hast du nur für die Regierung gearbeitet. Und wenn du verschwunden bist und für die Regierung gearbeitet hast, dann musst du ein Spion sein.“
Oder ein Scharfschütze. Der Gedanke hatte sich geformt, bevor er ihn stoppen konnte. Er war viel müder, als er sich gedacht hatte. Er richtete seinen Blick genau auf die Stupsnase seiner Nichte. „Ich war kein Spion, Libelle. Es war nur geschäftlich.“
„Geheime Geschäfte.“
„Geheime Geschäfte“, stimmte er zu. „Ich gehe jetzt in die Dusche. Und du solltest dich bettfertig machen, dann können wir vielleicht ein bisschen fernsehen, bevor du schlafen gehst.“ Mit etwas Glück war sie bereits eingeschlafen, sobald er fertig wurde. Der Gedanke brachte ihn beinahe zum Lachen. Nicht sehr wahrscheinlich. Aber er brauchte Zeit, um nachzudenken. Um sein emotionales Chaos wieder in sich zu drängen, denn Lizzies unschuldige Frage hatte das Schloss auf der Box aufspringen lassen, in der er alles eng verschlossen hatte. Miriams bevorstehender Kampf brachte ihn bereits an seine Grenzen.
Zwanzig Minuten später hatte er seine Emotionen wieder unter strenger Kontrolle. Lizzie hatte einmal das getan, worum er sie gebeten hatte und war unter der Decke ihres zugeteilten Betts. Aber sie war noch nicht eingeschlafen und ihr Blick durchstach ihn, sobald er aus dem Badezimmer kam.
„War es Teil deines Berufs, dich um andere Menschen zu kümmern?“
Er verstand einfach nicht, was hinter dem plötzlichen Interesse an seiner Vergangenheit steckte, aber er konnte die Intensität und die Angst in ihren Augen sehen, also unterdrückte er sein Seufzen und zog einen Sessel näher ans Bett. Es war so viel einfacher, Gute-Nacht-Geschichten zu erfinden, als sie erst vier war. Ehrlichkeit, erinnerte er sich. Aber er konnte nicht über diese schreckliche Zeit sprechen, und nicht nur, weil er einen Schwur abgelegt hatte. Es gab manche Dinge, die ein Kind niemals wissen sollte.
„Ich erzähle dir, was ich kann Lizzie, aber es wird nicht alles sein.“
„Hast du versprochen, es nicht zu sagen?“ Er nickte. Sie tat es ihm gleich. „Ich wusste es! Du warst ein Spion!“
„Ich war kein Spion. Dreh das Licht ab.“ Er wollte auf keinen Fall, dass sie ihn ansah, falls sie mit ihren Fragen zu nahe herankam. Sie hatte die Fähigkeit ihrer Mutter geerbt, ihn ganz einfach zu durchschauen. Als der Raum dunkel wurde, hörte er, wie sie sich zu ihm rollte, bevor ihre Hand in seine kroch.
„Dann erzähl mir von Mama“, flüsterte sie. „Bevor du ein Spion warst. Hat sie auf dich aufgepasst?“
„Immer. Deine Großmutter und dein Großvater sind gestorben, als ich jung war –“
„Weil sie dich spät bekommen haben, oder? So wie mich Mama und Papa spät hatten.“
„Genau wie dich, Libelle. Deshalb verstehen du und ich uns so gut. Dein Opa hat für die Regierung gearbeitet und er war kein Spion.“
„Wenn du die Operation hast, um Mama eine Niere zu geben, wer passt dann auf mich auf?“
Höre lange genug zu und der Kern des Problems zeigt sich, dachte Max trocken. Libelle hatte gut aufgepasst, als er das Spenderformular ausgefüllt hatte. Miriam musste umgehend mit der Dialyse beginnen, während die Ärzte eine Entzündung in ihrer Zehe eindämmten. „Wir finden eine Lösung. Etwas, das dir gefällt.“
„Was hast du gemacht, bevor du ein Spion warst?“
Er sollte an ihre Themenwechsel in Lichtgeschwindigkeit gewöhnt sein. „Ich war kein Spion, Libelle.“
„Dann bevor du für die Regierung gearbeitet hast.“ Er konnte das Grinsen in ihrer Stimme hören.
„Ich habe immer für die Regierung gearbeitet. Seit ich auf der Uni war.“
„Mom hat gesagt, dass du dein Herz verloren hast. War sie hübsch? Wie war ihr Name?“
In der Dunkelheit schloss Max seine Augen. „Das hübscheste Mädchen von allen“, flüsterte er. Der alte, bittersüße Schmerz durchflutete ihn immer noch stark genug, um seine Kehle zu verschließen. „Ihr Name war Katherine. Aber jeder nannte sie Kat. Und sie hatte diese dunklen, blau-grünen Augen, wie Samt.“
„Hat man sie deswegen Kat genannt? War sie auch ein Spion?“
„Libelle! Ich war kein Spion.“
„Schon gut. War sie ein Spion?“
„Kat war kein Spion.“
Das hätte es mit Sicherheit leichter gemacht.
„Warum hast du mit ihr Schluss gemacht?“
Max zuckte in der Dunkelheit zurück. Er log niemals, aber würde – konnte – nicht ehrlich über Kat sein. Konnte nicht zugeben, dass er versagt hatte, sie vor dem Schmerz seiner Welt zu beschützen.
Lizzies Stimme war schläfrig, als sie weitersprach. „Erzähl mir von dem Tag, als ihr euch kennengelernt habt“, fragte sie träumerisch. „Dann können wir gemeinsam ein gutes Ende erfinden – so wie als ich klein war.“ Als er nicht antwortete, redete sie weiter. „Bitte, Max“, flüsterte sie. „Ich muss mich auf etwas konzentrieren. Sonst sehe ich Mom.“
Der Griff von Max wurde automatisch fester. „Okay, Liebling.“
„Wie hast du sie getroffen?“
Max schloss seine Augen und sah den Tag vor sich, als wäre es gestern gewesen oder heute Morgen. Sicherlich keine zwölf schmerzhaften Jahre her. Nein, der Tag, an dem er Kat getroffen hatte, war für immer mit erschreckender Klarheit in sein Gedächtnis gebrannt.