Kapitel 6

1035 Worte
Jayden starrte ungläubig immer wieder abwechselnd zum leblosen Körper von Logan hinüber zu mir und dem nun mit Blut überzogenen Messer. Ich schluckte, schloss kurz meine Augen und schüttelte mich. Die Übelkeit machte sich in mir breit und mir wurde leicht schwindelig. Es war ein sehr merkwürdiges Gefühl eine Leiche zu sehen und genau zu wissen, dass man Schuld für den Tod ist. Aber ich bereute es nicht. Zwar wäre es mir viel lieber gewesen, wenn jemand anderes ihn getötet hätte, aber wenn ich somit McAllen den Beweis abliefern kann, ist mir das auch Recht. Alles nur für Theo. ,,Ethan, bring ihn ins Auto.", fauchte er, woraufhin der braunhaarige neben Adam aus seiner Starre erwachte und sich mir näherte. Er reichte mir ein Taschentuch und deutete auf mein Messer und meine Hände. Ich nahm es mit gerunzelter Stirn an und wischte mir die dunkelrote Substanz von meinen Fingern. Er trug Logan hoch und verschwand daraufhin aus der Halle. Als ich Adam ansah, sah ich, dass er gerne etwas sagen würde, mich fragen würde, ob es mir gut ging, doch irgendetwas hielt ihn davon ab und ich denke mal, dass es McAllens Blick auf mir war. ,,Du solltest das lieber mit irgendetwas festbinden.", sagte ich mit hochgezogener Augenbraue und deutete auf seiner verletzten Hand. Er sah mich verwirrt an, stand vom kalten Boden auf und kam mir näher. ,,Was zur Hölle machst du hier?", fragte er mich wütend und war nun genau vor mir, sodass uns nur wenige Zentimeter entfernten. Ich musste meinen Kopf heben, um in seine blauen Augen sehen zu können Seine Augen ließen mich erschaudern, während sein Körper mir diese gewisse Hitze gab. Diese Konstanz erregte ein Schwindelgefühl in mir, wobei meine Beine schwacher wurden. ,,Bin ich doch kein kleines Mädchen mehr?", fragte ich augenverdrehend und erinnerte ihn somit an unser erstes Aufeinandertreffen. ,,Du solltest nicht hier sein, Hardin. Wie bist du überhaupt hier her gekommen?", fragte er brummend, ignorierte somit meine sarkastische Frage und sah mir tief in die Augen. Mein Herzschlag beschleunigte sich, als er meinen Nachnamen aussprach und mich wunderte es, dass er ihn noch wusste. ,,Ich bin aber hier. Allein das sollte schon reichen, um mich einzustellen. Von mir aus töte ich auch diesen Isaac!", spuckte ich und versuchte verzweifelt meinen Blick von seinen Augen zu lösen. Doch es funktionierte nicht. Sie hielten meine Augen fest in Besitz und waren nicht bereit dazu, sie loszulassen. ,,Jay, sie weiß doch schon zu viel. Und sie hat doch wirklich das Zeug dazu. Warum weigerst du dich so sehr?", fragte nun Adam und ich nahm mir vor, mich später bei ihm für diesen Kommentar zu bedanken. Jayden legte plötzlich seine kalte, raue Hand an meinen Nacken, was mich schneller Atmen ließ und meine Augen aufreißen ließ. ,,Adam, John! Verschwindet!", murmelte er bissig, wobei er aber seinen Blick von mir nicht löste. Nur im Augenwinkel sah ich, wie die beiden nun ebenfalls den riesigen Raum verließen. ,,Lass es verdammt noch mal sein! Du wirst mich nicht dazu bringen, dich einzustellen.", flüsterte er, wobei sein heißer Atem mein Gesicht strich und ein Kloß sich in meinem Hals bildete. Unsere Nasen berührten sich schon fast. Seine Hand brannte auf meiner Haut, obwohl sie doch so kalt waren. Mein gesamter Körper kochte, obwohl seine Augen mich frieren ließen. Innerlich verfluchte ich mich dafür, ihn nicht wegstoßen zu können. ,,Weiß ich denn nicht schon zu viel?", flüsterte ich nun leicht heiser zurück und erkannte meine eigene Stimme nicht mehr. Seine Augen verdunkelten sich und er ließ langsam von mir los. ,,Du hast recht. Du weißt tatsächlich schon zu viel, deswegen kommst du jetzt mit!", befahl er mir und lief vor. Verwirrt folgte ich ihm und fragte mich währenddessen, was er nun vorhatte. Während er ging, zog er sich sein weißes Oberteil plötzlich aus, um es um seine Hand zu wickeln. Mein Mund klappte auf und meine Augen fielen fast aus ihren Höhlen, als ich seinen nackten, mit Muskel bepackten, gebräunten Rücken zu sehen bekam. Einen guten Körper hatte er, das muss man ihm lassen, jedoch war dies nichts Besonderes aufgrund seiner Arroganz. Und trotzdem erwischte ich mich nach alldem dabei, wie meine Unterlippe inzwischen fest zwischen meinen Zähnen lag. Wir verließen die große Lagerhalle und die äußerst kühle Nachtluft strich mein Gesicht. Ist ihm nicht kalt? Oh nein, natürlich nicht. Er ist doch die Kälte höchstpersönlich. Wir liefen auf ein schwarzes Auto zu, in dem auch die drei anderen saßen. Jayden sah mich an und befiel mir somit ins Auto einzusteigen, während er sich ans Steuer setzte. Ich öffnete die Autotür und saß mich neben Adam hin, der mich nur besorgt ansah. Ich ignorierte seinen Blick vorerst und blickte aus dem Fenster. ,,Was werdet ihr eigentlich mit der Leiche tun?", platzte es aus mir während der Fahrt plötzlich heraus. ,,Das geht dich nichts an.", zischte Jayden und sein Griff um das Lenkrad wurde fester. ,,Natürlich geht es mich etwas an! Ich habe ihn doch ermordet.", rief ich wütend und biss meine Zähne zusammen. Adam drückte fest meine Hand und sah mich warnend und kopfschüttelnd an. Genervt riss ich meine Hand weg. Ich bin mir sicher, dass Adam es nur gut meint, aber es nervt, wie er versucht mich vor Dinge zu stoppen, die ich im Nachhinein sowieso tue. Und ich bin ihm auch wirklich dankbar, da ohne ihn dies nicht möglich gewesen wäre, aber er hat ja was gut bei mir, das sollte genügen. Das Auto wurde langsamer, bis es endgültig anhielt und erst da bemerkte ich, dass wir nun wieder im Wald waren. Jayden warf Adam, Ethan und dem anderen, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnerte, einen seltsamen Blick zu, woraufhin alle drei zügig aufstanden und das Auto verließen. Adam lächelte mich noch einmal an, bevor er aus meiner Sichtweite ging. ,,Setz dich nach vorne!", murmelte er bestimmend und ich runzelte meine Stirn, woraufhin ich meinen Kopf schüttelte. ,,Setz dich verdammt noch einmal nach vorne!", sagte er nun etwas lauter, weswegen ich genervt austieg, um mich daraufhin auf den Beifahrersitz zu setzen. So schnell wie ich mich niederließ, griff Jayden nach meinem Kinn, drehte meinen Kopf zu seiner Richtung und kam mir gefährlich nah, sodass ich seinen Atem nun an meinen Lippen spürte.
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