Kapitel 7

1203 Worte
Ich zitterte, legte meine Hände an seine steinharten Oberarme und atmete stoßweise aus. Seine Augen studierten genauestens mein Gesicht und endeten immer wieder auf meine dünnen Lippen. Nur ganz kurz strich sein Daumen gefährlich nah an meinen Lippen vorbei, woraufhin ich kurz meine Augen schluckend schloss. Was zur Hölle machte er da? Er trieb mich mit diesen kleines Berührungen zum Wahnsinn und ich hatte das Gefühl, beinahe das Bewusstsein zu verlieren. Diese Augen, nein seine gesamte Gestalt fesselte mich zu sehr, um ihn jetzt wegzustoßen. Ich wusste nicht, was er vor hatte oder was gleich passieren würde, aber ich gab mich ihm hin und jede einzelne Sekunde fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Er legte seine Stirn in Falten und sah mich verwirrt an, bevor sich seine Gesichtszüge wieder vollkommen versteinerten. ,,Du hast doch nicht vor mit jemandem über die heutigen Geschehnisse zu reden, oder etwa doch?", murmelte er bedrohlich, wobei mittlerweile sein Blick sich wieder tief in meine Augen bohrten. Ganz langsam schüttelte ich meinen Kopf, war unfähig mich zu rühren, da mein ganzer Körper abgeschaltet hatte. ,,Du weißt doch sicherlich, was passieren würde, falls du doch auf die Idee kommst, es zu tun.", flüsterte er ernst und wartete gespannt auf eine Antwort. Ich jedoch schüttelte nur erneut meinen Kopf, weswegen er sich meinem Ohr so näherte, dass ich seine weichen Lippen schon an meinem Ohrläppchen spüren konnte. Fuck. Ich erkannte mich unter seinen Berührungen nicht wieder, konnte nicht denken, sah nur diese Augen und spürte mein Herz kräftig gegen meine Brust schlagen. ,,Ich werde dich töten müssen.", flüsterte er mir mit seinem so heißen Atem ins Ohr, so als würde er mir gerade ein Geheimnis verraten. Schlagartig erschauderte ich und schluckte den wiedergekommenen Kloß hinunter. Für einen Moment dachte ich darüber nach, ob Jayden mich tatsächlich töten würde. Natürlich würde er, er ist schließlich Jayden McAllen und ich nur eine einfache Gefahr für sein Geschäft. Leicht wütend biss ich meine Zähne zusammen, schwieg aber weiterhin. Er würde mir schon auf meine unausgesprochene Frage antworten. ,,Du hast mich heute sehr überrascht.", fing er an und löste den Blick von mir. Gelassen legte er seine nicht verletzte Hand in seiner Hosentasche. Ich sah ihn nur fragend an und wartete darauf, dass er weitersprach. ,,Du hast ohne zu zögern Logan getötet. Ich musste dir nur die Bestätigung dafür geben.", murmelte er nachdenklich, während er nun mit seiner verletzten Hand das Leder des Lenkrades strich. Sein Shirt, welches fest um seine Hand gebunden war, war mit Blut getränkt und man konnte schon fast nicht mehr erkennen, dass es mal weiß war. Ich fing an über beide Ohren zu grinsen und nun war ich die jenige, die ihn anstarrte. Verwundert drehte er seinen Kopf zu mir und kniff seine Augen zusammen. ,,Ich bleibe bei meiner Entscheidung, Hardin. Du wirst nicht für mich arbeiten.", brummte er und startete den Motor. Fassungslos verschwand das breite Lächeln auf meinen Lippen und entsetzt atmete ich schneller. Ist das sein verdammter Ernst? Ich habe ihm das Leben gerettet, ihn beschützt und das getan, was er von mir verlangte.  Was stört ihn so sehr an mir? Was will er denn noch, dass ich tue, damit er mich endlich einstellt? Mir rennt die Zeit weg. Und ich habe diese Zeit nicht. Theo hat diese Zeit nicht. Während ich mich versuchte zu beruhigen, schloss ich meine Augen. Erst jetzt bemerkte ich, dass wir fuhren, doch darum sorgte ich mich herzlich nur wenig. Ich wollte gerade meinen Mund öffnen, doch er kam mir zuvor. ,,Hör zu, Hardin! Es ist meine Aufgabe zu töten und es ist meine Aufgabe mich zu beschützen, nicht deine. Du solltest dich von mir fernhalten so lange es noch geht, sonst kann ich für nichts mehr garantieren. Verschwende nicht deine Zeit bei mir.", unterbrach er mich somit und seufzte kopfschüttelnd, sein Blick immer noch starr auf die nassen, dunklen Straßen New Yorks gerichtet. ,,Du könntest mir auch eine Aufgabe geben, die du nicht zu erledigen hast. Vollkommen egal, was es ist!", bettelte ich ihn verzweifelt an. Ich werde nicht aufgeben. ,,Nein! Warum willst du denn so sehr für mich arbeiten? Such dir doch lieber etwas Legales.", murmelte er genervt, aber auch verwirrt. ,,Wie schon gesagt, ich kann es. Und ich habe dir gezeigt, dass ich es kann. Ich habe nicht die Möglichkeit mir einen anderen Arbeitsplatz zu suchen. Ich brauche wirklich das Geld." Den letzten Satz flüsterte ich eher zu mir selbst und hoffte insgeheim, dass er es nicht gehört hatte. Sein Griff um das Lenkrad befestigte sich und er schüttelte entsetzt den Kopf. ,,Geld. Natürlich. Wie alle anderen auch.", flüsterte nun auch er zu sich selbst. Was soll das denn heißen? Ich wollte ihn darauf ansprechen, doch realisierte dann, dass ich lieber weiterhin versuchen sollte ihn von mir zu überzeugen. ,,Was ist denn der Unterschied zwischen Adam und mir? Ich kann doch genau das Gleiche tun. Und ich komme selbst gegen ihn klar. Also wo ist dein Problem?", zischte ich verärgert und wartete auf eine Antwort, die nie kam. Ich muss ihm gehorchen, während er mir noch nicht einmal antworten kann. Völliger Mist. Erst jetzt fragte ich mich wirklich, wohin wir wohl fahren, doch um ehrlich zu sein wollte ich endlich nach Hause, weg von Jayden. Seufzend sah ich ihn an. Er hatte ein so einzigartig, atemberaubendes Gesicht. Seine Augen strahlten die drei Ozeane selbst im Dunklen wieder. Seine Wangenknochen waren stark ausgeprägt und seine Bartstoppeln umrandeten seine vollen, dunklen Lippen. Seine schwarzen Haare waren zerzaust, aber trotzdem so perfekt. Er war wunderschön, das konnte man nicht verschweigen und ich war mir sicher, dass er mit seinem Aussehen vieles erreichen konnte. Und auch mit seinen Taten und Fähigkeiten hatte er viel erreicht, davon hatte ich nämlich genug gehört, doch wenn es um seinen Charakter und seiner Persönlichkeit ging, hatte er verloren. Ich kannte ihn nicht, doch hatte genug gesehen. Zwar kam es mir die meiste Zeit so vor, als wäre er eine lebende Wand, doch andererseits hatte ich genug gesehen. Ein starkes Bremsen holte mich aus meinen Gedanken heraus und neugierig schaute ich mich um. Als ich jedoch das große Gebäude erblickte, in dem ich wohnte, sah ich ihn skeptisch an. ,,Woher weißt du, wo ich wohne?", fragte ich verwirrt und sah nun in seine Augen, die sich wieder einmal tief in meine bohrten. ,,Nun ja. Du bist nicht die einzige, die alles und jeden findet.", antwortete er mir und ich bildete mir sogar ein, ein leichtes Grinsen seine Lippen ziehen gesehen zu haben. Ich aber nickte nur, war einfach nur froh nach diesem unendlich langen Tag wieder zu Hause zu sein. Langsam erhob ich mich und öffnete die schwere Autotür, um auszusteigen und daraufhin die Tür wieder zu schließen. Da das Fenster angekurbelt war und er stets seinen Blick auf mich gerichtet hatte, grinste ich leicht. ,,Du kannst dir sicher sein, dass du mich hiermit nicht losgeworden bist. Das war garantiert nicht unser letztes Aufeinandertreffen, McAllen.", schmunzelte ich leicht und sah, wie sich seine Miene genervt änderte. ,,Bis bald, das solltest du wörtlich nehmen.", grinste ich vielsagend, bevor ich mich endgültig umdrehte und zur Glastür mit mittlerweile meinem Schlüssel in der Hand lief. Und erst gefühlte Minuten später, hörte ich das laute Rasen des Autos.
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