Kapitel 8 - Derrick

1385 Worte
DERRICK POV Der Wind biss mir ins Gesicht, als ich mich noch mehr anstrengte und meine Füße wie Kriegstrommeln auf den festgestampften Boden schlugen. Mein Atem war heiß in meiner Brust, meine Lungen brannten, meine Muskeln schrien um Gnade, die ich ihnen nicht geben wollte. Schmerz war gut. Er half mir, nachzudenken. Oder zu vergessen. Oder so zu tun, als ob. Die Bäume verschwammen zu einem hohen, gleichgültigen Vorbeiziehen. Hoch aufragende Wächter meines Chaos. Normalerweise würde ich mich verwandeln. Onyx loslassen. Ihn durch den Wald toben lassen und diesen Wahnsinn aus unseren Adern vertreiben. Aber der Eid war eindeutig. Keine Verwandlung. Nicht auf königlichem Territorium. Nicht hier. Wir mussten fühlen. Wir mussten uns mit dem Wolf synchronisieren, anstatt ihm die Kontrolle zu überlassen. Wir mussten Disziplin lernen. Verdammte Disziplin. Meine einzige Erlösung war das Laufen – mit voller Geschwindigkeit, als würde mich etwas verfolgen. Denn vielleicht war das auch so. Er. Kai. Onyx knurrte leise in meinem Hinterkopf. Nicht laut. Nicht fordernd. Nur... unruhig. Wie eine Warnung ohne Namen. „Was?“, schnappte ich innerlich. Er antwortete nicht. Er lief nur auf und ab. Immer weiter. Er mochte diesen Ort noch nie, aber heute war es anders. Angespannter. Schärfer. Seit Kai aufgetaucht war. Göttin, ich hasste es, seinen Namen in meinem Kopf zu hören. Ich hasste es, wie leicht er mir in den Sinn kam, wie tief er sich dort festsetzte. Wie ein Dorn unter der Haut – zu klein, um ihn herauszuziehen, zu scharf, um ihn zu ignorieren. Ich konnte es nicht erklären. Selbst wenn ich wollte. Was ich nicht wollte. Es begann gestern. In dem Moment, als ich ihn sah. Ein dürres kleines Ding. Blasse Haut, scharfe Kieferpartie. Sah eher aus wie ein halbverhungerter Fuchs als wie ein Alpha. Nicht jemand, von dem man erwarten würde, dass er einen Raum beherrscht. Und doch... tat er es. Irgendwie. Diese Augen – golden. Unnatürlich. Brennend. Sie hatten sich wie ein verdammter Fluch auf meine fixiert. Und ich konnte meinen Blick nicht abwenden. Letzte Nacht sah ich sie wieder. In meinen Träumen. Nur dass sie diesmal zu einer Frau gehörten – mit langen blonden Haaren, weichen Lippen und Kurven, die mir das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen und meine Selbstbeherrschung wie trockene Zweige zerbrechen ließen. Ein Traum. Nur ein Traum. Denn Kai war ein Mann. Ein Alpha. Unantastbar. Tabu. Und ich war heterosexuell. Ich war schon immer heterosexuell. Warum denke ich dann so über einen Mann? Ich habe jede Cheerleaderin in meiner alten Meute gefickt. Jede Beta, die sich mir an den Hals geworfen hat. Ich habe Frauen geliebt. Ihren Duft, ihre Wärme, ihre Weichheit. Warum zum Teufel fühlte es sich heute Morgen besser an, Kai festzuhalten, als all das? Warum verlor ich fast die Kontrolle, als ich seine Handgelenke über seinem Kopf festhielt, seinen Atem unter mir stocken spürte und sah, wie er auf mich reagierte? Warum war das jetzt alles, woran ich denken konnte? Ich hatte nicht vor, ihn umzudrehen. Ich war halb eingeschlafen, genervt, zu angespannt, um klar denken zu können. Aber in dem Moment, als ich spürte, wie er sich bewegte und unter mir nach etwas griff –etwas in mir zerbrach. Besitzergreifend. Territorial. Hungrig. Und als ich meine Augen öffnete, war er genau dort. Unter mir. Errötet und fluchend, voller Hitze und goldener Wut. Ich hätte mich bewegen sollen. Das tat ich nicht. Ich konnte es nicht. Es kostete mich jede Unze Willenskraft, ihn nicht umzudrehen und meinen Schwanz wie ein verdammtes Tier an seinem Arsch zu reiben. Dass Dalton da war, hatte mich gerettet. Wenn er nicht im Zimmer gewesen wäre... Ich schüttelte den Gedanken ab und atmete jetzt schwerer. Dalton. Diese kleine Ratte. Er hat mich unter Drogen gesetzt. Er hat mich tatsächlich unter Drogen gesetzt. Er hat mir wie ein Feigling etwas in mein Wasser gemischt. Er dachte, er könnte mich „beruhigen“. Ich werde ihn beruhigen. Richtig in den verdammten Boden. Er stammt aus einer verdorbenen Blutlinie. Ein schmutziges Rudel. Ein schmutziger Name. Er ist nicht klug genug, um zu erkennen, was auf ihn zukommt. Aber er wird es lernen. Dafür werde ich sorgen. Endlich wurden meine Schritte langsamer, meine Brust hob und senkte sich, als ich den Rand des Weges erreichte. Die Sonne begann gerade aufzugehen, blassgolden über dem Horizont. Die Türme der Akademie ragten wie gezackte Zähne in den Himmel. Ich fuhr mir mit der Hand durch mein schweißnasses Haar und zwang mich, gleichmäßig zu atmen. Kai. Dalton. Onyx, der wie ein eingesperrtes Tier in meiner Brust herumtanzte. Dieses Jahr würde die Hölle werden. Und ich war mir nicht sicher, ob ich es unbeschadet überstehen würde. Oder ob ich das überhaupt wollte. Aber eines wusste ich ganz sicher: Ich würde herausfinden, was zum Teufel mit mir los war. Und mit Kai. Und wenn sich herausstellte, dass er irgendein Spiel spielte... Dann würde er sehr schnell lernen, dass ich nicht verlor. Nicht im Wald. Nicht im Schlafsaal. Nicht im Bett. Vor allem nicht im Bett. Als ich zurück ins Wohnheim kam, klebte mein Hemd wie eine zweite Haut an mir, durchnässt von Schweiß und Reue. Meine Stiefel waren mit Schmutz verkrustet. Mein Geist? Immer noch ein verdammtes Chaos. Ich stieß die Tür auf und erwartete fast, Kai noch dort zu sehen, wie er vielleicht vorgab, mich von seinem Bett aus zu ignorieren, ganz selbstgerecht und selbstzufrieden. Aber das Zimmer war leer. Gut. Zu gut, eigentlich. Die Stille war dicht, als würde der Raum selbst den Atem anhalten. Ich zog meine Kleidung aus, meine Muskeln waren schmerzhaft und verspannt, und ging ins Badezimmer. Da traf es mich. Sein Duft. Schwach, aber unverkennbar. Warme Gewürze und Wildblumen, mit dieser scharfen Unterströmung von Alpha-Moschus. Verdammt. Ich umklammerte den Türrahmen und atmete ein, bevor ich mich zurückhalten konnte. Wahnsinn. Absoluter Wahnsinn. Mein Schwanz wurde sofort hart und zuckte vor schmerzlicher Dringlichkeit, als ich seinen Duft wie ein Süchtiger erneut einatmete. Was zum Teufel geschah mit mir? „Göttin... “, flüsterte ich und schüttelte den Kopf. „Was hat er mit mir gemacht?“ Nur sein Duft. Das war alles, was nötig war. Er war nicht einmal hier, und ich verlor bereits die Kontrolle. Leise knurrend trat ich unter die Dusche und drehte den Wasserhahn ganz auf kalt. Eiskaltes Wasser schlug wie eine Strafe auf mich ein. Es half nichts. Nicht einmal ein bisschen. Ich fluchte erneut und schlug mit der Handfläche gegen die Fliesen. Die Kälte half nicht. Es gab zwei Möglichkeiten: leiden oder damit umgehen. Die zweite Option klang verdammt viel besser. Vielleicht würde sie mir sogar helfen, diesen verdammten Tag zu überstehen, ohne jemanden zu schlagen. Oder Kai. Oder schlimmer noch – ihn gegen die nächste Oberfläche zu ficken. Meine Hand bewegte sich nach unten und umfasste meinen schmerzenden Schwanz. Der erste Stoß war grob, ungeduldig. Keine Zärtlichkeit. Nur Verlangen. Ich versuchte, mir das Mädchen aus meinem Traum vorzustellen. Goldene Augen. Langes blondes Haar. Üppige Lippen, die sich zu einem leisen Stöhnen öffneten. Ihre Kurven ergossen sich unter mir, als ich sie nahm, wie ich wollte. Keine Regeln. Keine Scham. Aber diese Augen... Das waren nicht ihre, oder? Nein. Es waren seine. Immer seine. Meine Bewegungen wurden langsamer, tiefer. Ich gab mich der Fantasie hin, ließ sie mich überfluten wie der Dampf, der nun das kalte Wasser ersetzte. In meiner Vorstellung war es Kai, der auf den Knien lag. Goldene Augen, weit aufgerissen und trotzig. Der Mund offen. Die Hände umklammerten meine Oberschenkel, als würde er es hassen, mich zu brauchen. Als wollte er gleichzeitig beißen und betteln. Meine Hüften zuckten nach vorne, der Atem stockte. Verdammt. Ich stellte mir nicht mehr das Mädchen vor. Das tat ich schon seit einer Weile nicht mehr. Jetzt war es Kai. Über das Waschbecken gebeugt. Die Handgelenke festgehalten. Dieser perfekte Arsch, der sich nach hinten streckte, bereit, jeden Zentimeter zu nehmen, den ich ihm gab. Göttin –Ich kam heftig und stöhnte seinen Namen, bevor ich mich zurückhalten konnte, stützte mich gegen die Fliesen, als meine Erlösung wie ein verdammter Zug über mich hereinbrach. Die Nachwirkungen waren schlimmer. Wieder kalt. Leer. Ich ließ das Wasser alles wegspülen, den Kopf gesenkt, die Kiefer zusammengebissen. Das war nicht normal. Das war nicht ich. Und wenn es jemand herausfand? Dann war ich am Arsch. Aber zumindest im Moment konnte ich atmen. Und so tun, als hätte ich noch die Kontrolle.
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