Kapitel 1
Der Unzerstörbare
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„Eingesperrt unter der Magie der Hexerei ist ein Wolf, dessen Existenz am bekanntesten ist.
Mit Augen rot wie Blut und einem Fell dunkel wie die Nacht war er ein Anblick, den niemand lebendig beschreiben konnte.
Viele haben versucht, ihn zum Leben zu erwecken, sind jedoch gescheitert und haben dabei ihr Leben verloren.
Doch dann kam ein unschuldiges Mädchen, das ihr eigenes Schicksal und das der gesamten Menschheit besiegelte. Das Mädchen namens Thora Valentine.“
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7:15 Uhr
Blutmond-Rudel-Gelände
Ein Mädchen lag auf dem kalten, gefrierenden Boden. Ihr Atem ging schwer, als sie versuchte, sich zu bewegen. Ihre Muskeln schmerzten von der Bestrafung, die Lippen waren rissig und ausgetrocknet.
Sie zog an ihren Armen und hörte das Knirschen der Stahlketten, die um ihre Hände und Beine gebunden waren. Sie seufzte und gab den Kampf erneut auf.
12 Stunden und 42 Minuten.
Genau so lange war sie dort gefesselt, um ihre Strafe zu verbüßen, die vom Alpha angeordnet worden war.
Und das war nicht das erste Mal.
Bis jetzt war sie diese Behandlung gewöhnt. Schließlich war sie nur eine schwache Omega im stärksten Rudel der Welt.
Das war unvermeidlich.
Sie war durstig. Ihre Sinne spielten ihr Streiche. Sie schluckte und versuchte, ihre Lippen zu befeuchten, doch das verschlimmerte es nur.
„Was für eine Schande, Thora. Hättest du mein Angebot angenommen, würdest du jetzt den Luxus meiner Matratze genießen.“
Eine Stimme sprach hinter ihr und sie wusste schon, wer es war.
Ihr Bestrafer, ihr Peiniger, ihr Alpha.
Sie weigerte sich zu antworten, geschweige denn ihn anzusehen, und das gefiel ihm nicht.
Er stellte eine Wasserflasche vor sie und hockte sich auf ihre Höhe.
Ein böses Grinsen lag auf seinen Lippen.
„Durstige Prinzessin? Hier, nimm es.“
Sie wusste es besser, nichts kam umsonst.
Nichts außer Schmerz und Trauer.
Er studierte ihre herabsinkenden braunen Augen und den zitternden Körper.
Der Gedanke, dass sie hilflos und völlig in seiner Macht war, erregte ihn.
Er öffnete den Deckel, trank die Flüssigkeit, bis nur noch ein Schluck übrig war.
Er hielt den Flaschenrand an ihre Lippen und forderte sie auf, es zu nehmen.
Sie biss sich auf die Lippe, sah zu ihm auf und ihre schönen braunen Augen trafen seine.
Herausforderung und Selbstbewusstsein.
So viel zerbrochen, und doch so viel noch zu zerstören.
Zerstört, aber nur teilweise.
Benutzt, aber nicht ergeben.
„Steck es dir in den Arsch ... du Arschloch!“
Ihre Worte überraschten ihn, und er lachte auf, um aufzustehen.
Wann immer er denkt, dass er sie gebrochen hat, kommt sie zurück.
Stärker und mutiger.
Eine schwache Omega von der Stärke her, aber stark im Willen.
Interessant.
„Okay, Prinzessin. Wenn du meine Großzügigkeit nicht magst, werde ich dir keine mehr anbieten.“
Seine Stimme wurde kalt, als er fortfuhr und seinen Finger auf ihr Kinn legte, um sie zu zwingen, zu ihm aufzusehen.
„Noch 12 Stunden und die Peitschenhiebe gibt es gratis dazu.“
Sie wird danach nicht mehr bei Bewusstsein bleiben können, das weiß sie schon.
Aber ihre Augen weigerten sich, sich in Unterwerfung zu senken.
Sie wird sterben, bevor sie vor einem Mann wie ihm kapituliert.
„Dann los, Alpha.“
Er ließ ihr Kinn los und starrte sie eine Minute lang an.
Dann ging er, als die ersten Sonnenstrahlen die gefrierende Schneedecke um sie herum zu schmelzen begannen.
Ihr Körper zitterte weiter und bald fiel sie in einen tiefen Schlaf.
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„Alpha Landon! Die Strafe wurde vollzogen.“
Der Wächter informierte den Alpha, und Landons Stift hielt inne, während er die Nachricht zur Kenntnis nahm.
„Ist sie bei Bewusstsein?“
„Ich fürchte nicht, Alpha. Soll ich sie wecken?“
„Nicht nötig. Rufen Sie den Rudelarzt und lassen Sie ihn nach ihr sehen. Sobald das erledigt ist, bringen Sie sie in ihre Unterkunft.“
Der Wächter nickte und verließ den Raum, wobei er die Tür hinter sich schloss.
Alpha Landon seufzte leise und richtete seinen Blick wieder auf das Papier in seinen Händen.
Die Worte auf dem Dokument waren eindeutig: Einladung an den Alpha-König und die Mitglieder des Werwolfrates.
Der Alpha-König und seine Ratsmitglieder würden bald in seinem Gebiet eintreffen. Landon hoffte inständig, dass ihre Ankunft reibungslos verlief und der Alpha-König ihm die Genehmigung für den neuesten Rudelerwerb erteilen würde.
Wenn er sie bekäme, würde das Redmoon-Rudel nicht nur das stärkste, sondern auch das größte in der Geschichte der Werwölfe werden.
Es wäre sein größter Meilenstein.
Er lächelte vor sich hin, legte die Einladungskarte in die Schublade und fuhr sich mit den Fingern durch das Haar.
Er war zu gestresst und musste es herauslassen.
Da die Omega bewusstlos war, musste er wohl einen Ersatz finden.
Er nahm sein Telefon und wählte die Nummer der Person, die er am meisten genoss – natürlich nach seiner Omega.
„Grüße, Alpha. Wie geht es Ihnen?“
„Schluss mit dem Gerede. Mein Zimmer in 5.“
Er beendete das Gespräch, lockerte seine Krawatte und erhob sich von seinem Sitz, bereit, die Nacht hinter sich zu lassen.
Landon Anderson war in jeder Hinsicht ein wahrer Mistkerl. Seine Arroganz, seine Grausamkeit – all das definierte ihn. Und niemand kannte diese Seite besser als das Mädchen, das sein Schlimmstes ertragen musste.
Die Omega, die er mit allen Mitteln zu brechen versucht hatte.
Doch selbst nach sieben Jahren Folter und grausamen Spielchen war er gescheitert.
War sie wirklich unbezwingbar, oder war es lediglich eine Illusion?
Selbst Felsen zerbrechen, wenn sie extremen Temperaturen und Drücken ausgesetzt werden. Und das, was sie durchlitten hatte, war weit mehr, als ein Lebewesen je ertragen sollte.