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Das Verlangen nach dem falschen Gift

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Als Hennessy Voss ihren Mann Lukas in flagranti mit ihrer besten Freundin erwischte, schrie sie nicht. Sie weinte nicht. Sie hob einfach die zerbrochenen Scherben ihrer Würde vom Boden dieses Hotelzimmers auf und lief geradewegs in die gefährlichsten Arme der Stadt.Cain Voss. Lukas' älterer Bruder. Ein Milliardär aus der Mafiawelt, mit Eis in den Adern und Feuer in den Augen. Er tut nichts ohne Grund. Und sein Grund, Hennessy alles anzubieten, was sie sich je gewünscht hat, ist weit dunkler als bloße Rache.Hennessy will Lukas zerstören. Cain will sie dafür benutzen. Es sollte einfach sein. Es sollte sauber sein. Es sollte sich niemals so anfühlen wie das hier.Aber jede Berührung ist eine Warnung. Jeder Blick ist eine Drohung. Und jede Nacht, die sie unter Cains Dach verbringt, wird die Grenze zwischen einem Geschäft und etwas erschreckend Echtem dünner.Sie kam zu ihm gebrochen. Er will sie neu erschaffen, als Waffe.Das einzige Problem? Waffen verlieben sich nicht in den Mann, der sie geschmiedet hat.Oder doch?

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Kapitel Eins: Die Nacht, in der ich das Feuer wählte
Die Schlüsselkarte zitterte zwischen meinen Fingern. Ich wusste nicht warum. Meine Hand hatte noch nie gezittert. Nicht als ich meine Abschlussarbeit vor einer Kommission aus steinernen Professoren verteidigte, nicht als ich am Altar stand und Ja sagte, nicht einmal in der Nacht, als meine Mutter starb und ich ihre Hand hielt, während die Maschinen verstummten. Aber jetzt, vor Zimmer 14B des Marquee Grand Hotels, während ich Geräusche hörte, die ich niemals hätte hören sollen, zitterte meine Hand, als gehörte sie jemand anderem. Als wüsste sie bereits, was mein Verstand noch nicht wahrhaben wollte. Ich war hergekommen, um Lukas zu überraschen. Seine Assistentin hatte es fallen lassen, versehentlich, sagte sie, obwohl ich über dieses Wort noch lange nachdenken würde. Drei Tage. Suite inklusive. Firmenkreditkarte. Ich hatte einen Koffer gepackt mit dem Seidenmorgenmantel, den er mochte, dem Parfüm, in das er immer sein Gesicht vergrub, einer Flasche des Rotweins, den wir auf unserer Hochzeitsreise geteilt hatten. Vierzig Minuten lang hatte ich vor dem Spiegel gestanden und zwischen dem schwarzen Kleid und dem blauen abgewogen. Ich hatte das schwarze gewählt. Ich wollte, dass er mich so ansieht wie früher. Bevor die Stille begann. Bevor die langen Nächte zur Gewohnheit wurden. Bevor ich aufhörte zu schlafen und um drei Uhr morgens nach einem Körper griff, der nie da war. Die Geräusche hinter der Tür waren nicht laut. Das war fast das Schlimmste daran. Sie waren leise und sorglos, die Geräusche zweier Menschen, denen es völlig gleichgültig war, ob man sie hörte. Ein leises Lachen. Ein Murmeln. Die Art von Vertrautheit, die nicht aus einer einzigen Nacht entsteht. Die aus Monaten entsteht. Ich steckte die Karte in das Schloss. Die Tür öffnete sich, noch bevor ich begriffen hatte, dass ich mich bewegt hatte. Lukas lag auf dem Bett. Sein Hemd war weg. Seine Hände, dieselben Hände, die meine am Altar gehalten hatten, die meine Tränen bei Mutters Beerdigung abgewischt hatten, die mich tausendmal berührt hatten auf eine Art, die ich für bedeutsam gehalten hatte, lagen in ihrem Haar. In Sashas Haar. Meine beste Freundin seit wir neunzehn waren. Meine Trauzeugin. Die Frau, die auf meiner Hochzeit geweint und mir gesagt hatte, ich verdiente jedes Glück der Welt. Die Welt neigte sich. Ich griff nach dem Türrahmen. Ich fiel nicht. Sie sahen mich im selben Augenblick. Lukas richtete sich hastig auf, und für eine halbe Sekunde huschte etwas über sein Gesicht, das ich für Scham halten wollte. Aber es war keine Scham. Es war Verdruss. Der Blick eines Mannes, der bei etwas Angenehmem unterbrochen wird. Sasha beeilte sich nicht. Sie setzte sich langsam auf und zog das Laken um sich, mit der Gelassenheit einer Frau, die diesen Moment geprobt hatte. Ihre Augen trafen meine. Und sie lächelte, nicht grausam, was leichter zu hassen gewesen wäre, sondern mit Mitleid. Als wäre ich diejenige, die sich schämen müsste. "Was machst du hier?" fragte Lukas. Ich öffnete den Mund. Kein Laut kam heraus. Die Weinflasche war noch in meiner Hand, ich hatte sie den ganzen Weg im Aufzug mitgetragen, an meine Brust gedrückt wie etwas Kostbares, und mir wurde bewusst, wie lächerlich ich aussehen musste. Herausgeputzt. Voller Hoffnung. Mit Wein in der Hand wie ein Opfer für einen Gott, der längst zu einem anderen Altar weitergezogen war. "Ich wollte dich überraschen", sagte ich schließlich. Meine Stimme klang fest. Das überraschte mich. Lukas seufzte. Er seufzte tatsächlich, so wie man seufzt, wenn eine Besprechung zu lang dauert oder der Verkehr schlecht ist. Er griff nach seinem Hemd. "So wollte ich nicht, dass du es herausfindest." "Herausfindest", wiederholte ich. "Es läuft schon eine Weile." Er sah mich nicht an, während er es sagte. Er knöpfte sein Hemd zu, methodisch, als wäre dieses Gespräch bereits vorbei. "Ich wollte es dir nach dem Quartalsbericht sagen. Ich wollte das Drama nicht." Das Drama. Ich sah Sasha an. Sie erwiderte meinen Blick mit diesen mitleidigen Augen und sagte nichts. Sie hatte nichts zu sagen. Sie hatte alles bereits mit ihren Händen und ihrem Haar und ihrem Mund gesagt, all die stillen Monate, in denen sie mich über Esstischen und Geburtstagsfeiern und Sonntagsbrunchs angelächelt hatte. "Du wirst jetzt nicht weinen, oder?" fragte Lukas. Er warf mir jetzt einen Blick zu, und ich sah es deutlich zum ersten Mal, nicht nur heute Abend, sondern alles. Die Art, wie er mich anzusehen begonnen hatte wie ein Möbelstück. Vertraut. Uninteressant. Gehörend in den Hintergrund seines eigentlichen Lebens. Etwas geschah in meiner Brust. Kein Zerbrechen. Das Gegenteil. Etwas, das jahrelang gerissen und weich und hoffnungsvoll gewesen war, wurde still zu Eisen. "Nein", sagte ich. "Ich werde nicht weinen." Ich stellte die Weinflasche auf die Kommode neben der Tür. Behutsam. Ich wollte sie nicht auf dem Boden eines Zimmers wie dieses verschwenden. Dann ging ich hinaus. Der Flur war kalt. Der Aufzug war leer. Ich schaffte es durch die Lobby, ohne jemanden anzusehen, durch die Drehtür und hinaus auf die Straße, wo die Nachtluft mich traf wie eine Hand ins Gesicht. Kühl und scharf und real. Die Stadt bewegte sich um mich herum. Taxis und Lachen und der entfernte Bass von Musik irgendwo, das ich nicht sehen konnte. Menschen, die ihr Leben lebten, während meins gerade still zusammengefaltet und mir zurückgegeben worden war. Ich stand auf dem Bürgersteig vor dem Marquee Grand und weinte nicht. Ich schrie nicht. Ich stand dort in meinem schwarzen Kleid und dachte: Was jetzt. Das Auto erschien so lautlos, dass ich es fast nicht bemerkte. Ein schwarzer Rolls-Royce, lang und tief, fuhr an den Bordstein vor mir, ruhig, nicht hastig, nicht aggressiv. Mit der stillen Gewissheit von etwas, das immer genau dorthin gelangt, wohin es will. Der Motor war kaum ein Flüstern. Die Scheiben waren so dunkel getönt, dass sie wie geschlossene Augen aussahen. Dann glitt das Fenster hinunter. Und ich sah ihn. Ich hatte Cain Voss in vier Jahren Ehe genau zweimal getroffen. Einmal auf der Hochzeit, wo er im Hintergrund des Saals in einem anthrazitfarbenen Anzug gestanden und die ganze Zeremonie betrachtet hatte, wie ein Schachspieler den Eröffnungszug beobachtet, geduldig, abwägend, bereits drei Schritte voraus. Und einmal an Weihnachten, vor zwei Jahren, als er beim Familienessen aufgetaucht war, vierzig Minuten geblieben war, vielleicht zwölf Worte mit irgendjemandem gesprochen hatte und ohne Erklärung gegangen war. Beide Male hatte ich dasselbe gespürt wie jetzt. Keine Anziehung. Nicht genau. Etwas Älteres und Beunruhigenderes. Das Bewusstsein, in der Nähe von etwas zu stehen, das sich nicht an gewöhnliche Regeln hält. Er sah mich durch das offene Fenster an. Dunkle Augen, unlesbar wie immer, wanderten ohne Eile über mein Gesicht, mit der Aufmerksamkeit eines Mannes, der alles sieht und auf nichts reagiert. "Steig ein", sagte er. Zwei Wörter. Keine Frage. Ich hätte gehen sollen. Ich hätte ein Taxi rufen und in die Wohnung fahren sollen, die ich vier Jahre mit seinem Bruder geteilt hatte. Ich war eine gebildete Frau. Eine vernünftige Frau. Eine Frau, die nicht in Autos mit gefährlichen Männern auf die Kraft von zwei Wörtern hin einsteigt. Ich dachte an den Seufzer. An die Hemdknöpfe. Ich stieg ein. Das Innere war dunkles Leder, kühle Luft und Stille. Die Tür schloss sich hinter mir mit einem Geräusch wie ein sich schließendes Tresorgewölbe. Cain sah mich nicht sofort an. Er beobachtete noch einen Moment den Hoteleingang, dann fuhr der Wagen ruhig in den Verkehr, und die Stadt begann an den Fenstern vorbeizugleiten wie ein Film, zu dem ich nicht mehr gehörte. "Wie lange warst du dort drin?" fragte er. "Lang genug." Eine Pause. "Hast du es vorher gewusst?" Ich dachte an drei Uhr morgens. An das Parfüm, das nicht meins war. An die Art, wie Sasha mich bei meinem letzten Geburtstag umarmt hatte, die Arme eng, eine Sekunde zu lang festgehalten. "Ein Teil von mir schon", sagte ich. Er nickte einmal. Als hätte ich etwas bestätigt. "Er wird versuchen, dir alles wegzunehmen", sagte Cain. "Die Wohnung steht auf seinem Namen. Das gemeinsame Konto kontrolliert er. Er verschiebt seit sechs Monaten Geld. Ich weiß es, weil ich derjenige war, der ihm gezeigt hat, wie." Ich drehte mich zu ihm. Das Stadtlicht bewegte sich in langsamen, kalten Impulsen über sein Gesicht. "Warum sagen Sie mir das?" Cain sah mich endlich an. Vollständig. So, wie mich seit längerem niemand mehr angesehen hatte, als wäre ich etwas, das zählt. Kein Möbelstück. Kein Hintergrund. Etwas, das das volle Gewicht seiner Aufmerksamkeit verdient. "Weil ich Ihnen einen Vorschlag machen möchte, Hennessy", sagte er. "Und ich brauche Sie, damit Sie ihn hören, bevor der Schock nachlässt und Ihr gesunder Verstand Sie davon abbringt." Draußen loderte die Stadt. Im Inneren des Wagens war die Luft zwischen uns so still, dass sie sich anfühlte wie der Moment vor dem Donner. "Ich höre zu", sagte ich. Der Mundwinkel bewegte sich. Kein wirkliches Lächeln. Etwas Dunkleres. "Gut", sagte Cain Voss. "Dann reden wir darüber, was es seinen Bruder alles kosten wird."

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