Kapitel 20

1191 Worte
Er wird verbotene Magie nicht dulden. Er wird dich verbannen, wenn du Glück hast.“ Charises Sarkasmus stockte für einen halben Atemzug. Dann schnaubte sie und verschränkte die Arme, das T-Shirt rutschte über ihre Haut. „Ich füge es meiner Liste der Gründe hinzu, dieses charmante kleine Rudel zu verlassen.“ „Charise —“ „Spar dir das, Tobias.“ Sie hob das Kinn, die Erschöpfung kroch zurück in ihre Stimme. „Du bist hierhergekommen, um eine Nachricht zu überbringen; du hast deine Pflicht erfüllt. Geh und melde dich zurück.“ Er atmete hart aus, Frustration und Sorge verflochten in seinem Geruch. „Zieh dich einfach an. Er erwartet dich.“ „Klar.“ Sie begann die Tür zu schließen, hielt jedoch inne. Ihr Ton wurde scharf. „Woher weißt du überhaupt, was letzte Nacht passiert ist, Tobias?“ Er sah ihr in die Augen, etwas Unlesbares huschte über sein Gesicht. Dann schüttelte er den Kopf. „Mach dich einfach fertig.“ Die Tür klickte zu. Charise lehnte ihre Stirn dagegen, die Augen fest zugekniffen. Einen Moment lang atmete sie einfach nur — langsam, bewusst, während ihr Puls in ihren Ohren hämmerte. Ihr Wolf murmelte erneut, unruhig. Du hättest bleiben sollen. Sie hätten dir nicht wehgetan. Sie presste ihre Handflächen flach gegen das Holz und murmelte zur Decke hinauf: „Fuck.“ Das Wort hing in der stillen Hütte, bitter und schwer. Draußen heulte der Morgenwind durch die Bäume — er trug das schwächste Echo von etwas mit sich, das ihre Brust immer noch schmerzen ließ: das Flüstern eines Herzschlags, der nicht ihr eigener war. Das Büro des Alphas roch immer nach Dominanz — Eiche, Rauch und Blut. Darius stand jetzt hinter seinem Schreibtisch, breit und eisenerschultrig, das Morgenlicht warf lange Schatten über die Narbe, die sich durch seinen Kiefer zog. Seine Stimme war leise, als er sprach — die Art von Ruhe, die einem Sturm vorausgeht. „Hast du eine Ahnung, was du getan hast?“ Charise lehnte an der gegenüberliegenden Wand, die Arme verschränkt. Sie hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, ihre Haare richtig zu richten; ein paar feuchte Strähnen klebten an ihrem Hals. Der Sweater, den sie sich übergeworfen hatte, war viel zu groß, die Ärmel über ihre Unterarme hochgeschoben. Ihre Augen jedoch waren ruhig. „Lass mich raten“, sagte sie tonlos. „Ich habe deinen Schönheitsschlaf unterbrochen?“ Darius’ Augen blitzten golden unter dem Neonlicht. „Drei Abtrünnige tot in unserem Territorium — und die Luft summt immer noch vor verbotener Magie. Willst du mir erzählen, wie das passiert ist?“ Charises Kiefer spannte sich an. „Abtrünnige haben angegriffen. Was hast du erwartet, dass ich tue — sie dort liegen lassen? In unserem Wald?“ „Du hättest meine Patrouille rufen sollen, um es zu untersuchen“, schnappte er. „Du handelst nicht ohne meinen Befehl.“ Sie stieß ein humorloses Lachen aus. „Oh bitte. Bis deine Späher dort angekommen wären, wäre jemand eine Leiche gewesen. Ich habe nicht den Helden gespielt — ich habe jemanden gerettet, der mich brauchte. Verdammt, ich habe das beschissene Rudel beschützt.“ Sein Blick verhärtete sich. „Das ist nicht deine Rolle.“ „Nein“, sagte sie und stieß sich von der Wand ab. „Meine Rolle ist es, dein gehorsames kleines Werkzeug zu sein, richtig? Die Schlampe des Alphas, die ihre Magie nicht kontrollieren darf, bis du es sagst.“ Sie machte einen Schritt näher, die Stimme senkte sich zu einem schneidenden Flüstern. „Du willst nicht, dass deine Geheimwaffe zu früh verletzt wird. Nicht, solange die Abtrünnigen weiter auf dein Territorium zielen. Die Göttin bewahre, dass du dein Rudel tatsächlich selbst verteidigen musst.“ Die Ohrfeige kam schneller, als sie sie kommen sah. Ihr Kopf schnellte zur Seite, das Geräusch hallte im kleinen Raum wider. Einen Moment lang wurde alles weiß — das scharfe Brennen breitete sich heiß über ihre Wange aus. Langsam drehte sie sich zurück, die Augen verengt, Wut brodelte hinter dem Schmerz. Darius’ Stimme war leise und kochend. „Es ist ein Verbrechen, die Stärke eines Alphas infrage zu stellen. Ich sollte dich dafür verbannen.“ Sie schenkte ihm ein freudloses Lächeln, Blut im Mundwinkel. „Dann tu es.“ Er trat näher, ragte über ihr auf, sein Geruch scharf vor Dominanz. „Verbannung ist zu gut für dich. Du vergisst, was ich getan habe, um dich zu schützen — um den Rat davon abzuhalten, dich wie einen tollwütigen Hund einzuschläfern. Aber vielleicht war ich zu nachsichtig. Du solltest dich daran erinnern, wo dein Platz ist.“ Bevor sie antworten konnte, kam ein Klopfen an der Bürotür. „Alpha“, rief eine Stimme — ruhig, vorsichtig. Sie gehörte Marcus, seinem Gamma. Darius’ finsterer Blick verweilte noch einen Herzschlag auf ihr, bevor er sich aufrichtete. „Was?“ „Sie sind hier.“ „Wer?“, verlangte Darius zu wissen, Gereiztheit schwang in seinem Ton mit. „Die Alphas des Lunaris-Rudels.“ Darius stöhnte und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. „Perfekt.“ Er drehte sich zurück zu Charise, sein Blick glitt mit offener Verachtung über ihren Sweater und ihre Jogginghose. „Zieh etwas Angemesseneres an. Sofort.“ Sie blinzelte, schmeckte immer noch Blut. „Warte… wer ist hier?“ „Ich habe es dir gerade gesagt.“ Seine Geduld bröckelte. „Merrick Thorne, Lyon Drax und Pagan Vale — die Lunaris-Alphas. Offenbar haben sie hier Geschäfte zu erledigen. Und angesichts deines kleinen Kunststücks letzte Nacht bezweifle ich, dass das ein Zufall ist.“ Ihr Puls stolperte. „Alle drei? Warum?“ „Ich weiß es nicht“, murmelte er und richtete seine Manschetten. „Aber ich bin mir sicher, dass du unserer Position nicht geholfen hast.“ Ihr Wolf regte sich unter ihrer Haut — scharf, wachsam. Die Wölfe aus der Lichtung. Die Erkenntnis traf sie wie Eiswasser. Ihr Atem stockte, ihr Verstand blitzte zurück zum mondbeschienenen Schnee, den leuchtenden Augen, der Art, wie der Blick des silbernen Wolfs sich mit ihrem verbunden hatte wie ein sichtbar gewordener Puls. Darius sprach weiter, seine Stimme durchdrang den Nebel. „Geh. Zieh dich um. Ich will, dass du präsentabel bist. Du wirst als Mitglied dieses Rudels auftreten — und du wirst deinen Platz kennen.“ Charise starrte ihn einen langen Moment an, ihre Wange brannte immer noch. Dann drehte sie sich auf dem Absatz um und ging ohne ein weiteres Wort. Der Flur draußen war still, abgesehen vom leisen Summen von Stimmen unten. Während sie zurück zu ihrer kleinen Hütte ging und die hinteren Pfade hinter dem Haus des Alphas nahm, wanderten ihre Gedanken zur vergangenen Nacht. Sie schloss die Tür hinter sich, als sie ihr Zuhause betrat, und stützte ihre Hände auf den Tisch neben der Tür, starrte auf ihr Spiegelbild im Spiegel darüber. Das schwache Mal seiner Ohrfeige war bereits am Verblassen, doch der Sturm hinter ihren Augen nicht. „Sie haben mich gesehen“, flüsterte sie, die Erkenntnis wand sich in ihrer Brust. Ihr Wolf summte leise, fast zufrieden. Ja. Sie stieß ein zittriges Lachen aus, halb Schrecken, halb Unglaube. „Ich bin so was von am Arsch.“
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