Ich konnte es kaum glauben, als ich die Zusage der Moskauer Mittelschule in meinen Händen hielt! Sie haben mich tatsächlich ausgewählt! Ich war überglücklich nach Russland zu reisen und konnte es nicht erwarten, bis es endlich soweit war. Etwas Abstand zu meiner Heimat würde mir auch bestimmt gut tun.
Zwei Monate später war der Tag der Abreise gekommen.
"Liebling, bist du sicher, dass du auch nichts vergessen hast?", fragte mich meine Mom bestimmt schon zum fünften mal. "Jaa Mom", antworte ich bereits mit einem leichten Schmunzeln in meiner Stimme. Meine Mutter versuchte ihre Nervosität und Sorgen über meinen Auslandsaufenthalt so gut es ging vor mir zu verbergen, jedoch kannte ich sie in und auswendig und wusste wie schwer es ihr fiel, mich alleine ziehen zu lassen. Es war ihr auch nicht zu verübeln, da ich das erste mal so lange von zu Hause fort blieb. Und die Gegend, in der ich wohnen würde, war nicht gerade die Beste. Dafür konnte ich mir dort eine gemütliche Unterkunft leisten. Die besseren Gegenden waren leider unbezahlbar für mich. Moskau schien grundsätzlich kein ungefährliches Pflaster zu sein, glaubte man manchen Medienberichten. Von Drogen, Waffenhandel, Raub, Zwangsprostitution und sogar von der Mafia waren die Rede. Wenn ich ehrlich bin, war ich ebenfalls etwas beunruhigt, so lange auf mich allein gestellt zu sein, aber es wird ja meistens heißer gekocht, als letztendlich gegessen wird. Also stempelte ich es als Propaganda ab und versuchte mich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Außerdem versicherte mir der Schuldirektor Mr. Ivanowitsch, der mich letzten Endes eingestellt hatte, dass keine Gefahr bestünde, solange man sich nicht mitternachts allein in den dunklen Gassen rumtreibe. Und das traf ja wohl auch auf die meisten Städte dieser Welt zu. Zudem war ich in erster Linie zum Arbeiten dort und nicht, um nachts um die Häuser zu ziehen und Party zu machen. Letzeres war sowieso nicht mein Ding. Die Vorfreude überwiegte zum Glück ohnehin, und ich war mehr als bereit, mich auf das neue Abenteuer einzulassen. Es war an der Zeit, mein sicheres Nest zu verlassen. Also Moskau, ich komme!
"Schwesterherz, wenn es dort heiße Typen gibt, komme ich gleich nächste Woche nach! Und dann hoffe ich, dass du noch welche für mich übrig gelassen hast." Scherzte meine Schwester und stupste mich leicht von der Seite an". Ich stimmte in ihr Lachen ein und nahm sie innig in den Arm. "Ach Tamy, ich werde dich und deine doofen Sprüche schmerzlich vermissen!" Sie reitete immer gerne darauf rum, dass ich mich mit keinen Jungs traf und oft schon fast prüde wirkte. Es war nicht so, dass sich kein Mann für mich interessierte, ich wollte einfach nicht, dass mir einer zu nahe kam.
Ich versuchte es zu vermeiden mich zurück zu erinnern, denn es war der Abend, an dem sich alles für mich änderte....
Die Sonne ging bereits unter, als Jack und ich am Nachhauseweg von einer Geburtstagsparty von Freunden waren. Da wir fast den selben Heimweg hatten, gingen wir diesen gemeinsam. Jack hatte auf der Party etwas zu viel getrunken und torkelte bereits ein wenig. Wir gingen zusammen zur Schule und hatten auch den selben Freundenkreis. Dass er an mir Interesse hatte und mehr als nur Freundschaft von mir wollte, wusste ich aber. Er machte auch kein Geheimnis daraus. Ich konnte mir jedoch nicht mehr mit ihm vorstellen. Das hatte ich ihm auch schon mehrmals gesagt. Er sah gut aus und wir verstanden uns auch prima, aber ich hatte keine Schmetterlinge im Bauch, wenn wir uns trafen. Er war einfach nicht mein Mr. Right.
Als wir bei einem Waldstück angekommen waren, fing er plötzlich an mich zu bedrängen. Ich versuchte auf ihn einzureden und ihn davon abzuhalten, doch er ließ nicht locker. "Hab dich doch nicht so! Du willst es doch auch!", waren seine Worte. Er zerrte mich in die Büsche und versuchte mir meine Kleidung grob auszuziehen. Seine Hände waren überall und mir ekelte davor von ihm berührt zu werden. Er griff mir unter mein T-Shirt und fasste mir grob zwischen die Beine. Ich schrie wie am Spieß um Hilfe, aber niemand hörte mich. Er wurde zornig, weil ich mich wehrte und verpasste mir einen Schlag ins Gesicht. Ich ging zu Boden. Mein Kopf dröhnte und ich brauchte ein paar Sekunden bis ich wieder bei Sinnen war. Ich öffnete langsam wieder meine Augen, während er gerade dabei war seine Hose zu öffnen. "Es wird dir sowieso keiner glauben!", sagte er, als er seinen halbsteifen p***s aus seiner Hose holte. Ich wollte mich in dem Augenblick übergeben. Es lag wahrscheinlich an seinem hohen Alkoholspiegel, denn wie durch ein Wunder, konnte ich ihm in einem unachtsamen Moment, einen ordentlichen Tritt in die Weichteile versetzen und flüchten. Ich sah noch, wie er am Boden zusammensackte und laut fluchte. Mein Vorsprung war so groß, dass er es nicht mehr schaffte mich einzuholen.
Es war eine versuchte Vergewaltigung. Ich hatte ihn damals aus Scham nicht angezeigt und auch weil Jack der Sohn des Bürgermeisters war. Er war im Dorf sehr beliebt und ich hatte wirklich Angst, dass mir keiner glauben würde. Ich behielt es also für mich.
Vermutlich hätte ich damals mit jemandem darüber sprechen sollen, aber ich war dazu nicht in der Lage. Ich konnte wochenlang nicht richtig schlafen und bin nachts regelmäßig aufgrund der Alpträume aufgewacht. Seitdem Tag an, habe ich mich mit keinen Jungs mehr verabredet oder auch nur freundschaftlich was unternommen. Zu groß war die Angst es könnte sich wiederholen. Meine Schwester wusste natürlich nichts von dem Vorfall, sonst hätte sie wohl kaum Scherze über mein Verhalten gemacht.