Epilog

1050 Worte
Die Zeit verging wie im Flug. Seit ich von meinen Spielen wieder zurückgekehrt war, war schon wieder fast ein ganzes Jahr vergangen. Denn heute fand die Ernte der 74. Hungerspiele statt.  Ich stand vor dem Spiegel und erinnerte mich an das vergangene Jahr. Ich erinnerte mich noch, als wäre es erst gestern gewesen, als ich in meinen Distrikt zurückkehrte.  Ich trat aus dem Zug und lief durch das Justizgebäude. Als ich durch die Türen trat, erwarteten mich die Bewohner von Distrikt 6 und jubelten mir zu. Ich wusste, dass sie nicht jubelten, weil ich getötet hatte und so die Spiele gewonnen hatte, so wie es die Leute aus dem Kapitol taten. Sie jubelten, weil sie sich freuten, dass ich wieder zu Hause war. Sie freuten sich, weil ihr kleiner Sonnenschein wieder dort war, wo er hingehörte. Nämlich in Distrikt 6.  Doch dieser Sonnenschein wurde ich nicht mehr.  Ich winkte höflich in die Menge und erkannte meine Familie, die bei der Familie Kingston stand. Hektors Eltern lächelten mir zu und klatschten auch, obwohl sie erst gerade ihren ältesten Sohn verloren hatten.  Ich liess meinen Blick weiter durch die vielen Menschen schweifen auf der Suche nach einer bestimmten Person. Und als ich diese Person endlich ausfindig machen konnte, war mir alles egal. Ihn endlich wieder zu sehen war wie ein Schlag in den Magen, der mich wieder zum Leben erweckte.  Ich stürzte mich von der Bühne und preschte durch die Leute und schrie:„Jason!" Ich wollte nichts sehnlicher als ihn wieder bei mir zu haben. Mir war egal, dass überall Kameras waren und diesen Moment gerade ganz Panem sah. Mir war egal, was die anderen dachten. Ich wollte nur meinen Jason wieder bei mir haben.  Als ich ihn endlich erreichte, packte er mich an meiner Hüfte und wirbelte mich durch die Luft. Ich lachte ein echtes und glückliches Lachen und drückte ihm meine Lippen auf seine. Das führte dazu, dass der ganze Distrikt ihn noch grösseren Jubel ausbrach und ich lächelte Jason an. Ich wusste, dass er seinen Bruder verloren hatte und deshalb wollte ich das bei ihm und seiner Familie irgendwie wieder gut machen. Wir machten viele Spaziergänge und Pick-Nicks zusammen. Manchmal sassen wir auch einfach nur auf der Terrasse unseres Hauses. Wir trainierten immer noch jeden Tag zusammen. Ich konnte zwar nicht mehr in die Spiele, doch irgendetwas in mir sagte mir, dass ich das Wissen vielleicht doch noch gebrauchen konnte. Ich verbrachte auch viel Zeit mit seinen Eltern um ihnen und auch mir selbst zu helfen über Hektors Tod hinweg zu kommen.   Und jetzt stand ich vor dem Spiegel, ein Jahr später. Ich trug genau dasselbe wie letztes Jahr und ich fühlte mich wieder wie mit 13 Jahren, als noch alles einigermassen in Ordnung war. Doch so war es nicht mehr. Ich hatte noch immer fast jede Nacht Albträume von meinen Spielen. Ich sah die Tode meiner Verbündeten immer wieder und ich fühlte mich unendlich schlecht wegen meiner eigenen sechs Morde.  Vor einigen Wochen hatte ich meine Tour der Sieger und ich lernte alle Sieger kennen. Den Dauerbetrunkenen aus Distrikt 12, der total begeistert über das Lied war, das ich Hektor vorgesungen hatte, als er starb. Er murmelte immer wieder, dass das schon einmal ein guter Anfang war. Aber ich hatte keinen blassen Schimmer, was für einen Anfang er meinte. Ich lernte Finnick und seine Freundin Annie kennen, die seit ihren Spielen psychisch ziemlich am Ende war. Ich lernte auch einige Karrieros kennen, mir machte die Frau ziemliche Angst, die sich die Zähne zu geschliffen hatte, damit sie ihren Gegnern die Kehle aufbeissen konnte.  Am Ende musste ich noch einmal ins Kapitol, das war aber wenigstens das Ende meiner Tour und am nächsten Tag konnte ich bereits wieder nach Hause. „Lucy? Mum sagt ich soll die holen kommen", sagte meine kleine Schwester Megan, die plötzlich an meiner Zimmertür stand.  Ich nickte, legte einen Arm um sie und zusammen gingen wir runter zu den anderen. Auf dem Weg zum Justizgebäude redeten wir kaum. Ashley und ich verabschiedeten uns nur noch von unserer Mutter, Grossmutter Tilde und ich drückte Jason noch einen Kuss auf die Lippen zum Abschied, dann mussten wir ins Justizgebäude gehen, wo wir schon vom Bürgermeister, Sephie, Alexis, Alfredo, Jake und Markus erwartet wurden.  „Schön leistet ihr uns auch noch Gesellschaft, ihr Hübschen", zwinkerte uns Jake zu.  'Schleimer!', dachte ich lächelnd.  Dann ging es los und wir traten einer nach dem anderen wieder aus dem Justizgebäude heraus. Zuerst der Bürgermeister, dann Sephie und dann wir Sieger in dieser Reihe, wie wir die Spielen gewonnen hatten. Ich also als letztes.   Der übliche Film wurde abgespielt, nachdem der Bürgermeister eine kleine Ansprache hielt und Sephie stolzierte zur Glaskugel der Mädchen, nicht bevor sie aber noch „Ladies first" sagte.  Ich nahm Ashleys Hand, die neben mir sass und drückte sie. Zusammen beteten wir in Gedanken, dass nicht Meggie gezogen wurde. Schliesslich konnte ihr jetzt niemand von uns mehr helfen. Sephie ging zurück zum Mikrofon und öffnete den Zettel.  „Isabella Saker!", sagte sie und wir schauten in die Menge um zu sehen, welches arme Ding gezogen wurde.  Etwas weiter hinten konnte ich erkennen, wie sich ein Weg durch die Mädchenreihe der 15 oder 16 jährigen Mädchen bildete und ein verängstigtes Mädchen mit schwarzen Haaren durch ihn hindurch schritt. Langsam betrat sie die Bühne und als sie kurz zu mir schaute, lächelte ich sie mitleidig und auch aufmunternd an. Sie tat mir leid, denn ich sah, dass sie keine besonders grosse Chance hatte.  Sephie ging zu der Glaskugel der Jungen, zog einen Zettel und wieder betete ich. Sie öffnete den Zettel und sagte den Namen, der meine Welt zum einstürzen brachte: „Jason Kingston!" Vor Schreck schrie ich auf und Ashley zog mich zu sich rüber und nahm mich in den Arm. Mir liefen unendlich viele Tränen über die Wangen und ich traute mich nicht Jason anzusehen. Er war stark. Er konnte das schaffen! Ich hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben.  'Ich werde alles tun, um ihn da wieder lebendig rauszubekommen!' Er war stark, flink und schlau. Was ich in diesem Moment aber noch nicht wusste, war, dass es nicht ihm bestimmt war die 74. Hungerspiele zu gewinnen. Denn die Sieger dieser Spiele waren Katniss Everdeen und Peeta Mellark, die mit einer Hand voll Beeren alles veränderten.     Ende
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