15. Kapitel

1591 Worte
Kaum hatte ich das gesagt, sprangen Alex und Tyler hinter einer Ruine, die etwa 20 Meter von mir entfernt war, hervor. Beide boshaft grinsend. „Das ist aber schön, dass du noch heute aufgeben willst", brüllte mir Alex mit böser Belustigung entgegen.  „Ja! Noch ein Mädchen heute umzubringen wäre schon ziemlich aufregend", antwortete ihm Tyler,„Ich mag es wenn sie vor Angst wimmern und um Gnade flehen, die ich ihnen - Oh Überraschung - NICHT gebe!" Sie kamen langsam und bedrohlich auf mich zu und wich langsam und ängstlich von ihnen zurück. „Ihr Schweine!", schimpfte ich nicht sonderlich überzeugend,„Ihr habt eure Verbündete ermordet?! Ich glaube euch schnöseligen Karrieros sollte man noch einmal erklären, wie das Verbündeten-Prinzip ganz genau funktioniert!" Ich drehte mich um und rannte von ihnen weg. Nur wo sollte ich hin?! Alex und Tyler folgten mir mit brüllendem Gelächter. Offensichtlich macht es ihnen Spass vor dem Ende der Spiele noch eine kleine Verfolgungsjagd zu veranstalten.  Ob sie wussten, dass, sollten sie mich wirklich erwischen, nur einer von ihnen lebendig aus den Spielen kommen konnte? Ich beschloss es ihnen zu sagen - sollte ich noch lange genug leben. Ich rannte auf den Wald zu und erst am Waldrand gestattete ich mir einen kleinen Blick zurück. Ich hatte die Karrieros fast mühelos abgehängt und sie versuchten jetzt fast verzweifelt mich noch einzuholen. 'Die haben mich wohl unterschätzt. Gut gemacht!', lobte ich mich selber.   Ich rannte in den Wald hinein, während dem Rennen die Peitschen packend und sah mir so schnell wie nur irgend möglich die Bäume an, um einen passenden zu finden.  Durch das Bäumeabchecken wurde ich automatisch langsamer und ich hörte, wie die Karrieros zu mir aufholten.  „Da wird wohl jemand langsam müde!", schrien sie mir nach. Doch ich hörte, dass auch sie bald nicht mehr konnten. Da erblickte ich den perfekten Baum: der Stamm war mittel d**k aber gerade und man konnte nur schlecht daran hoch klettern, ungefähr 10 Meter über dem Boden befand sich der erste Ast, der d**k und stabil genug für mein Gewicht aussah.  Mit beiden Armen holte ich aus und liess die beiden Seile so nah wie möglich am Baumstamm um den Ast schwingen. Ich drückte auf den Seiten der Stahlrohre auf die Knöpfe, die die Seile wieder einfahren liessen und dann hoffte ich, dass ich es schaffte auf dem Ast stehenzubleiben und nicht auf der anderen Seite gleich wieder herunter fiel. Das Ganze kostete mir viel Mühe und Konzentration, doch wie durch ein Wunder erreichte ich mein Ziel. Dafür musste ich aber eine Peitsche fallen lassen, damit ich mich am Baum festhalten konnte. Um Haaresbreite erwischte ich den Stamm noch gerade. Die beiden Karrieros kamen nun auch an meinem Baum an. „Also kleines Kletteräffchen: Was soll das jetzt?", fragte Alex in einem Tonfall einer Mutter, die gerade ihr Kind fragte, warum es jetzt die Tür bemalt hatte. „Wenn du deinen Tod herauszögern willst, dann kannst du genau so weitermachen, das macht uns nichts aus. Aber vielleicht wäre es besser, dich gleich zu ergeben."   Ich überlegte fieberhaft, was ich tun konnte. Ich hatte nur noch eine Peitsche und ein einziges Wurfmesser. Aber mit einem Messer war es noch nicht einmal sicher, ob ich überhaupt einen von den beiden treffen konnte. Wenn ich sie doch nur irgendwie ablenken konnte oder sie gar auf einander aufhetzen...  „Ach komm schon! Lass es uns doch endlich beenden!", schrie jetzt Tyler, der doch langsam die Geduld zu verlieren schien. Da kam mir meine Idee von vorhin wieder in den Sinn. Es war zwar ziemlich offensichtlich, aber versuchen konnte ich's ja. Was blieb mir für eine andere Wahl? „Na schön! Aber bevor ich zu euch runter komme habe ich noch eine Frage!", rief ich zu den Jungs herunter, die sich sichtlich zu freuen schienen. „Frage was du willst, Prinzessin!", antwortete mir Alex. „Wenn ich jetzt runter komme und ihr mich tötet, dann seid nur noch ihr zwei übrig, oder?", ich machte eine kleine Pause, um zu sehen, ob sie mir noch folgen konnten. Die Jungs nickten etwas irritiert. „Und ihr wisst schon, dass nur jemand die Spiele und den ganzen Reichtum gewinnen kann?"  Wieder nickten sie.  „Okay. Und wer wird denn der Sieger der 73. Hungerspiele? Wenn ich das Ende schon nicht miterlebe, dann möchte ich wenigstens wissen, wem ich gratulieren darf! Also?" „Ich werde gewinnen!", sagten - wie ich es mir erhofft hatte - beide wie aus einem Mund. Ich hob eine Augenbraue. „Ihr scheint euch nicht so ganz einig zu sein", stellte ich unschuldig fest. „Alex, mein alter Freund. Wir wissen doch beide, dass ICH der bessere Schwertkämpfer bin. Und deshalb wäre es doch nur fair, wenn ich auch gewinne." „Du magst vielleicht etwas besser sein als ich, aber wir beide wissen, dass ich eindeutig mehr Tribute getötet habe als du!" „Also ich schlage folgendes vor:", mischte ich mich in die Auseinandersetzung der Karrieros ein und sie schauten mich fragend und aufmerksam an,„Ihr klärt das jetzt eindeutig, so dass nur noch einer von euch lebt! Danach wissen wir nämlich nicht nur, wer der bessere war, sondern auch noch wer der Gewinner der 73. Hungerspiele ist!"   Das 'wer der Gewinner der 73. Hungerspiele ist!' sagte ich so wie es Ceasear Flickerman immer sagte - so aufregend eben - und dann klatschte ich mir freudig in die Hände, als ob ich diese Idee grandios finden würde. Alex kratzte sich zögernd am Hinterkopf und ich hatte schon Angst, er hatte mich durchschaut. Aber zum Glück ist Tyler noch dümmer als er selber und schmiss sich mit einem riesen Kampfgebrüll auf seinen Verbündeten. Sofort wurde der sonst so stille Wald von den Kampfgeräuschen von Dumm und Noch-Dümmer erfüllt. Zuerst schaute ich ihnen perplex zu, weil ich nicht glauben konnte, dass sie tatsächlich - und ohne Witz! - darauf reingefallen waren!  Ich schnaubte leise. Wäre mir das schon früher eingefallen, wäre ich mit dieser Kampfidee doch schon viel früher gekommen! Dann hätte ich mir das Davonlaufen sparen können! Naja... Ich musste jedenfalls schnell handeln! Während ich wieder einmal die Bäume abcheckte rief ich nach unten:„Also ihr könnt euch ruhig mehr Mühe geben!" Und mit einen kurzen Blick nach unten:„Und ausserdem sehe ich kaum Blut!" Fünf Meter von meinem Baum entfernt in Richtung Füllhorn entdeckte ich einen weiteren Ast, der fast so stabil aussah, wie der, auf dem ich gerade stand. Das war für meine Idee gut genug. Ich wollte mich nämlich nur von meinem Baum schwingen und dann wieder davonlaufen, in der Hoffnung einer der beiden Holzköpfe wäre tot. Ich blickte noch einmal kurz runter, dann liess ich das Seil meiner Peitsche geräuschlos um den fünf Meter entfernten Ast schwingen. Ich vergewisserte mich noch kurz, dass die anderen beschäftigt genug waren, dann liess ich mich vom Baum fallen. 'Ich wette ich sehe gerade so aus wie Tarzan' Die Landung war jedenfalls nicht besonders elegant, da ich ausrutschte und hinfiel. Sofort stand ich wieder auf und bemerkte, dass Dumm und Noch-Dümmer aufgehört hatten zu kämpfen. Wie von der Tarantel gestochen rannte ich zurück zum Füllhorn.   „Verdammt! Die Kleine hat uns reingelegt!", jaulte Alex und rannte mir nach. „Sie hat uns ausgetrickst!", wiederholte nun auch noch Tyler - oder auch Noch-Dümmer. „Was ihr nicht sagt!", schrie ich nach hinten. Ich hatte die Hoffnung, dass wenn ich noch etwas Humor einbaute, würden die Spielemacher nicht auf die Idee kommen so kurz vor dem Finale noch Mutationen in die Arena zu schicken. Das würde alles noch viel schwieriger machen. Vor allem für ein 13-jähriges Mädchen. Ich hatte endlich die Wiese erreicht, da drehte ich mich um und schaute einen sehr wütenden Tyler an, der sein Schwert in seiner Hand während dem Rennen hin und her schwingen liess. Nicht viel weiter hinter ihm rannte ein ebenfalls wütender Alex. Ich fasste die Lage kurz zusammen: am nächsten von mir rannte Tyler mit seinem Schwert auf mich zu und hinter ihm rannte Alex - ohne Schwert. Das war perfekt! Und in ungefähr einer Sekunde hatte ich bereits meinem nächsten Plan. Ich rannte Tyler entgegen. Dieser schien zuerst überrascht, aber die Überraschung verschwand ziemlich schnell wieder aus seinem Gesicht. Ich holte mit meinem Peitschenarm aus und liess das Seil um Tylers Bauch wickeln. Ich rannte mit solch einer Wucht an ihm vorbei, dass er mitgerissen wurde. Da er noch ziemlich perplex von meiner Aktion war, rannte er mir einfach nach. Als ich etwa fünf oder sechs Meter vor Alex war, änderte ich meine Richtung nach rechts und riss Tyler mit mir. Da meine Kurve ziemlich scharf war taumelte Tyler und schwang nun, ohne dass er es hätte verhindern können auf Alex zu, der dann wortwörtlich ins offene Messer lief. Denn durch den Aufprall der beiden Jungs stiess Tyler sein Schwert in Alex' Bauch. Mir wurde so meine Peitsche aus der Hand gerissen und ich stand da wie angewurzelt und schaute zu Tyler und Alex. Tyler rappelte sich langsam wieder auf und schaute fassungslos auf den Jungen aus Distrikt 1. Dann erklang Alex' Kanonenschuss und Tyler schaute mich fassungslos an. Verdutzt schaute ich auf den toten Körper, der einfach nur am Boden lag. Ich konnte einfach nicht glauben, dass mein Plan tatsächlich so einfach funktionierte. Da ich immer noch auf diesen leblosen Körper starrte, sah ich nicht, wie sich Tyler an den Gürtel fasste und ein Messer herauszog. Er schleuderte es auf mich zu.  Dann durchfuhr mich ein beissender Schmerz. Ich sah an mir herunter und erblickte das Messer, das sich in mein Herz bohrte.  
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