Kapitel 2: Das Treffen 2

809 Worte
Elara Ich greife sie erneut, die Finger besudelt mit meinem eigenen Verlangen. Der Umschlag ist mit einem roten Wachssiegel versiegelt, unversehrt. Wie ein Versprechen. Wie eine Herausforderung. — In Ordnung, murmle ich, die Stimme gebrochen. In Ordnung, verdammtes. Ich stehe auf, reiße meinen Bademantel ab und gehe zum Schrank. Meine Hände wühlen unter den Stoffen, auf der Suche nach ihr. Das Kleid, das ich nie zu tragen wage. Das, das ich in einem Anfall von Wahnsinn gekauft habe, an einem Abend, als der Wein für mich sprach. Schwarz. Eng anliegend. Mit einem so tiefen Ausschnitt zwischen den Brüsten, dass er an Unanständigkeit grenzt. Der Stoff gleitet über meine Haut wie eine Berührung, schmiegt sich an jede Kurve, als wäre er für mich gemacht. Für sie. Ich habe keinen BH, der dazu passt, wozu auch? Meine Brustwarzen durchdringen bereits den Stoff, zwei kleine harte Punkte, obszön. Ich lasse meine Finger durch mein Haar gleiten, lasse es in unordentlichen Wellen herabfallen, dann ziehe ich schwarze High Heels an, so hoch, dass ich wanke. Im Spiegel erkenne ich mich nicht wieder. Die Frau, die mich anstarrt, hat rosige Wangen, geschwollene Lippen, die Augen glänzen vor einem Fieber, das ich nicht mehr leugnen kann. Sie sieht bereit aus. Bereit, verschlungen zu werden. Ich greife nach meinem langen Wollmantel und gehe in die Nacht hinaus. Die Akademie erhebt sich am Ende einer Allee, gesäumt von knorrigen Eichen. Das Gebäude selbst ist ein Albtraum aus schwarzem Stein und roten Fenstern, die von einem goldenen Licht erleuchtet werden, das zu atmen scheint. Als würde dort drinnen etwas auf mich warten. Ich steige die Stufen hinauf. Die massive Tür ist mit Körpern und Mündern verziert, die sich fast bewegen, wenn ich blinzele. Ich klopfe. Stille. Dann ein Knarren. Die Tür öffnet sich von selbst. Die warme Luft, die entweicht, ist erfüllt von Moschus und s*x. Von Schweiß. Und einem kupfernen Geruch… von Blut. Ich schiebe die Tür auf und trete ein. Die runde Halle sieht aus wie eine perverse Kathedrale. Die Wände aus burgunderfarbenem Samt, Hunderte von Kerzen, die Schatten tanzen wie Liebende. In der Mitte ein Tisch aus schwarzem Marmor, bedeckt mit Gegenständen… Peitschen, Zangen, einem Halsband aus Leder mit silbernen Nieten. — Du bist zu spät. Ich drehe mich um. Isadora. In ein schwarzes Latexkleid gehüllt, an eine Säule gelehnt. Ihr eisblondes Haar fällt in Kaskaden, ihre Lippen rot, zu rot. — Ich… ich wusste nicht, dass es eine Uhrzeit gibt, stammle ich. Sie kichert, kommt näher, ihre Absätze klacken wie Peitschenhiebe. Ich weiche zurück, aber die Wand blockiert mich. Sie ist so nah bei mir, dass ich ihre Wärme spüren kann. — Du weißt ganz genau, warum du hier bist, Kleine, sagt sie und streicht mit einem Finger über meinen Kiefer. Du spürst, was dieser Ort mit dir macht. Ich sehe es. Ihr Finger gleitet über meine Brüste, findet meine Brustwarze, kneift sie. Ich halte einen zitternden Atem an. — Du bist nass, nicht wahr? Du hast mit dir selbst gespielt, während du diesen Brief gelesen hast. Du hast dich gefingert, während du dir vorgestellt hast, was man dir antun wird. — Nein… — Lügnerin. Ihre Hand taucht unter mein Kleid. Ich zucke zusammen, ein erstickter Schrei. Ihre kalten Finger wandern an meinem Oberschenkel hinauf, finden meine nasse Unterwäsche und dringen ohne Vorwarnung in mich ein. — Verdammt… Ich winde mich, meine Nägel kratzen am Samt, meine Hüften suchen ihre Hand. Sie bearbeitet mich gnadenlos, ihre Fingerglieder reiben über meinen empfindlichen Punkt. — Du bist so eng, Kleine. So heiß. Wirst du so kommen, stehend im Eingangsbereich, wie die kleine Schlampe, die du bist? Ich schüttle den Kopf, aber mein Körper sagt ja. Ich bin bereit zu explodieren… — Genug. Die Stimme knallt wie ein Donner. Isadora zieht ihre Finger zurück. Ich schwanke. Sie leckt sie langsam, genießt es. Ich hebe den Blick. Kael. Oben an einer Wendeltreppe. Perfekter schwarzer Anzug. Hohe Wangenknochen. Kieferknochen. Und diese Augen, blassblau, fast weiß. Eisig. Tot. — Willkommen, Elara, sagt er mit einer sanften und gefährlichen Stimme. Du bist hier, um zu lernen. Ich zittere vor Aufregung. Isadora lacht hinter mir. — Oh, sie hat so viel zu lernen. Sieh sie dir an. Sie wird kommen, nur weil sie dich sieht. Ich erröte, aber ich kann den Blick nicht abwenden. Ich kann nicht. Kael geht die Treppe hinunter, jeder Schritt kontrolliert. Als er vor mir steht, streicht er mit dem Handrücken über meine Wange. Seine Haut ist kalt. Zu kalt. — Hast du Angst? murmelt er. — Nein. — Das solltest du. Seine Hand schließt sich um meinen Hals, gerade genug, um meinen Puls zu spüren. Ich stöhne, und seine Pupillen weiten sich. — Komm, befiehlt er, während er mich loslässt. Deine erste Lektion beginnt jetzt. Isadora kichert. Ich folge ihm, die Beine zittern. Irgendwo im Schatten stöhnt jemand. Ich weiß, dass ich hier nicht unversehrt herauskommen werde.
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