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809 Worte

ENIDS SICHT AM NÄCHSTEN MORGEN Ich wachte auf, als das Sonnenlicht durch die Vorhänge drang und mich genauso traf wie letzte Nacht das leise, elende Weinen von der anderen Seite der Wand. Es war nicht laut, auch nicht dramatisch. Nur ein leises, unterbrochenes Schluchzen, das immer weiterging, wie ein Wasserhahn, den jemand vergessen hatte zuzudrehen. Es hatte gegen Mitternacht begonnen und nie wirklich aufgehört. Stundenlang lag ich im Dunkeln, die Augen offen, und lauschte jedem zitternden Atemzug, jedem erstickten Schluchzen, das durch den Putz drang wie durch Seidenpapier. Um vier Uhr gab ich den Gedanken an Schlaf endgültig auf. Um sechs Uhr verstummte das Weinen endlich in erschöpfter Stille. Um sieben Uhr begann es von Neuem. Ich rollte aus dem Bett und fühlte mich wie von ei

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