Der nächste Tag.
Sie hatten vereinbart, sich um neun Uhr zu treffen, doch Hazel wartete bereits eine halbe Stunde früher vor dem Gericht.
Sie war nicht nur überpünktlich, sie hatte auch ein strahlendes Make-up aufgelegt, trug ihr liebstes, leuchtend rotes langes Kleid und hatte ihr sonst offenes Haar hochgesteckt, was ihren schwanenartigen, langen weißen Hals betonte.
Von weitem sah sie aus wie eine Göttin – anmutig, distanziert und von einer ätherischen Ausstrahlung.
Allerdings schien sie sich in der Nacht zuvor erkältet zu haben; sie war etwas fiebrig und fühlte sich unwohl.
Pünktlich um neun Uhr bog ein silberner Bugatti Veyron auf den Außenparkplatz vor dem Gericht ein.
Maurice stieg mit seinem strengen Gesicht aus dem Wagen.
Als er Hazel sah, die schon lange an der Tür gewartet hatte, war er zuerst sichtlich verblüfft, was jedoch schnell von einem unerklärlichen Unmut abgelöst wurde.
„Du bist ja richtig enthusiastisch!“
Ohne eine Spur von Regung im Gesicht ging Maurice an Hazel vorbei und schritt mit großen Schritten auf den Schalter für Scheidungsregistrierungen zu.
Dieser Typ... ist so ein Sonderling!
Hazel starrte der großen, kalten Gestalt des Mannes hinterher und dachte sich, dass er es so eilig hatte, als würde er zu seiner eigenen Wiedergeburt rennen – war er dann nicht der Enthusiastische?
Der Registrierungsprozess war sehr schnell erledigt. Unterschreiben, Fingerabdrücke geben und Abstempeln – alles in allem dauerte es weniger als zehn Minuten.
„Nach den neuen Regeln gibt es nun eine einmonatige Bedenkzeit für Scheidungen. Innerhalb von dreißig Tagen ab der heutigen Registrierung kann jeder von Ihnen, der es sich anders überlegt, die notwendigen Dokumente mitbringen, um die Scheidung einseitig zu annullieren.“
Nachdem die Beamtin zu Ende gesprochen hatte, händigte sie jedem eine Kopie des Scheidungsantrags aus.
Jeden Tag bearbeiten sie Scheidungspapiere. Es gibt solche, die weinen, solche, die streiten, und sogar solche, die direkt handgreiflich werden. Aber ein so gefasstes Duo wie diese beiden zu erleben, war eine Premiere.
Zudem ist der Mann groß und gutaussehend, die Frau schlank und wunderschön. Wie konnte ein so gut zusammenpassendes Paar nur bei einer Scheidung landen?
Hazel nahm das Dokument gelassen entgegen und überflog die zahlreichen Klauseln, wobei sie es zutiefst ironisch fand.
„Warum gibt es eine Bedenkzeit für Scheidungen, aber keine für Eheschließungen? Wenn die Ehe eine Bedenkzeit hätte...“
Maurices Gesicht verdunkelte sich merklich, ein kaltes Spötteln lag auf seinen Lippen. „Was, wenn es eine Bedenkzeit für die Ehe gegeben hätte, hättest du mich nicht geheiratet?“
„Das ist es nicht!“
Hazel zog eine Augenbraue hoch. „Ich habe immerhin glatte vier Milliarden an dir verdient, oder nicht? Vier Milliarden... die meisten Menschen verdienen in ihrem ganzen Leben nicht so viel. Ich würde sagen, ich habe in jedem Fall gewonnen.“
Maurices Gesichtsausdruck verfinsterte sich weiter; sein Ärger war offensichtlich, als er an seiner Krawatte zerrte.
Sie war immer der Inbegriff der Bescheidenheit gewesen, ohne einen Hauch von eigener Persönlichkeit.
Doch jetzt, kurz vor der Scheidung, wirkte sie plötzlich unbekümmert und schlagfertig.
Gerade als das Paar im Begriff war, getrennte Wege zu gehen, hallte eine sanfte und zarte Stimme von hinter ihnen her.
„Ach Schatz, sind die Formalitäten erledigt?“
Hazel drehte sich um – und es war Bella!
Nur war Bella in diesem Moment in ein lockeres weißes Kleid gehüllt, ihr Gesicht ein Bild voller wehmütiger Vorwürfe – das Ebenbild einer modernen Lotusblüte, zart wie eine Blume, die beim geringsten Windhauch verwelkt. Von ihrer vorherigen arroganten und herrischen Art war keine Spur mehr zu sehen.
Zudem bemerkte Hazel erst heute etwas, das sie zuvor übersehen hatte — war Bellas Bauch ein wenig... gerundet?
„Habe ich dir nicht gesagt, du sollst im Auto auf mich warten? Warum bist du herausgekommen?“
„Draußen ist es kalt, und das Kind in deinem Leib ist sehr wichtig für die Familie Stone. Du darfst dich nicht erkälten.“
Maurices Stimme war voller Distanz [gegenüber Hazel], aber fürsorglich [gegenüber Bella].
Beim Beobachten der Interaktion zwischen den beiden spürte Hazel ein unbeschreibliches Gefühl von Eifersucht, ein tiefes Unbehagen in ihrem Herzen.
„Schuldet mir der zweite junge Herr der Familie Stone nicht eine Erklärung?“
Maurice wandte sich zu Hazel um, sein gutaussehendes Gesicht ruhig und unergründlich: „Das brauchst du nicht zu wissen.“