Kapitel 12

1903 Worte
Wynta Einige Alphas waren einfach nur unhöflich und arrogant. Man hatte ihr gesagt, sie würde abgeholt werden. Dann war er zu spät und schrieb ihr, dass er sie nicht abholen würde und dass sie nicht vermisst werden würde. Wahrscheinlich hatte er mit dem Teil recht, dass sie niemand dort vermissen würde. Aber dann tauchte er doch noch etwa zweieinhalb Stunden später auf. Er war in ihre Wohnung eingebrochen und hatte im Grunde ihre Sachen gestohlen. Wenn sie nicht in ihrem Büro gewesen wäre und er sie ihr gegeben hätte, hätte er einfach ihr Kleid und ihre Schuhe gestohlen! Er hatte sie aus ihrem Büro gezerrt und sie angeschrien, weil sie nicht auf ihn gewartet hatte. Aber warum hätte sie das nach seiner Nachricht noch tun sollen? Selbst wenn er ihr nicht geschrieben oder sie angerufen hätte. Wie lange sollte man denn bitte warten? Laut ihm, bis er sich entschied aufzutauchen, weil er ein Alpha war und sie nichts weiter als eine niedere Abtrünnige, die tun musste, was man ihr sagte. Und jetzt das: Er warf sie einfach ohne Jacke aus seinem Auto und sagte ihr, sie solle die Bergstraße zum Tor hochlaufen. Sein Auto war außer Sichtweite und sie wollte überhaupt nicht mehr an der Veranstaltung teilnehmen. Da sie noch nie hier gewesen war, wusste sie auch, dass niemand am Tor wissen würde, wer sie war. Und sie hatte ihre Einladung nicht dabei. Dachte er, es sei so ein kostbares Stück für sie, dass sie es überallhin mitnahm? Er dachte wahrscheinlich, sie fühlte sich besonders oder so etwas, nur weil sie zu einer Luna-Zeremonie eingeladen worden war. Er wusste nicht, dass sie absolut kein Interesse daran hatte, ein Rudel zu betreten und einer Luna-Zeremonie beizuwohnen. Sie stand da und zog ihr Handy aus ihrer Tasche. Wenigstens hatte sie das noch. Es hatte die ganze Fahrt über auf ihrem Schoß gelegen. Sie fröstelte, als der Wind um sie peitschte, und sie suchte auf ihrem Handy nach einer Umgebungskarte, um einen Weg zurück in die Stadt zu finden, der sie nicht die Straße hinunterführen würde, die Jared gerade genommen hatte. Einfach damit er sie nicht vom Gehen abhalten konnte. Jared Hayes konnte seinem Vater und Alpha dann später erklären, warum sie nicht da war. Warum sie nicht gemeinsam mit ihm angekommen war und nicht ins Rudel aufgenommen werden konnte. Sie sah auf der Karte, dass der Wald vor ihr auf der anderen Straßenseite ein riesiges Freizeitgebiet war. Man konnte dort wandern, Rad fahren und es gab sogar Reitwege. Sie drehte sich um und schaute die Straße hinauf. Tatsächlich gab es den Hügel hinauf ein blaues Schild mit dem Namen des Forstweges darauf. Sie drehte sich um und ging die Straße hinauf. „Mal sehen, auf wen der Alpha sauer sein wird, Jared Hayes! Auf mich oder auf dich? Weil er nicht bekommen wird, was er sich so sehr wünscht. Schließlich hat er schon fünf Jahre lang versucht, einen Weg zu finden, mich in sein Rudel zu bekommen.“ Sie wusste, dass sie als Abtrünnige Jareds Weigerung, sie ins Rudel zu fahren, als Zeichen nehmen konnte, dass er sie nicht im Rudel haben wollte. Sie ging auf den Parkplatz, fand eine Wanderkarte und schaute sie sich an. Der Holzsteg führte zu drei verschiedenen Orten. Einer der Wege würde ins Tal führen. Sie machte ein Foto davon und speicherte es ab. Dort unten würde es einen Parkplatz oder einen Vorort geben. Wynta drehte sich dann um, um sich den Weg vor ihr anzusehen. Er war nass von all dem Regen, aber der Holzsteg war noch intakt. Sie ging die Treppe hinunter und betrat den Wald. Dies war der einzige Weg nach unten, wenn sie nicht der Straße folgen wollte, auf der sie gekommen waren. Es spielte keine Rolle, welchen Wanderweg sie nehmen würde. Sie waren alle miteinander verbunden und es gab nur drei Kreuzungen zur Auswahl. Jede führte zu einem Ausgang. Sie würde irgendwo auf der anderen Seite des Waldes herauskommen und vor allem weit weg vom Rudel sein. Sie steckte ihr Handy weg und rieb ihre Hände zusammen. Dann atmete sie hinein und rieb sie an ihren Armen, um etwas Wärme in sich zu behalten. Sie war einmal obdachlos gewesen und hatte gelernt, einfach die Zähne zusammenzubeißen und den eisigen Wind zu ertragen. Manchmal war das alles, was man tun konnte. Doch plötzlich blieb sie stehen, als sie sah, wie ein Wasserstrom über den Holzsteg schoss, auf dem sie sich gerade befand. Sie musste zusehen, wie das Wasser einige der Holzbretter wegspülte. Dieser Weg kam jetzt also nicht mehr in Frage. Sie musste umkehren und zur Kreuzung zurückkehren. Sie war dort nach rechts auf diesen Pfad abgebogen. Sie kam zur Kreuzung und ging an dem Weg vorbei, der sie hierher gebracht hatte. Dann ging sie wieder in den Wald. Einige Zeit später hörte sie erneut das Rauschen von Wasser, als der Regen wieder einsetzte. Sie drehte sich um, um danach zu suchen, und erblickte durch die Bäume hindurch einen Fluss. Obwohl das Wasser sich bereits ziemlich wild bewegte, blieb es innerhalb der Ufer, soweit sie das beurteilen konnte. Sie ging weiter und stand plötzlich auf einer Fußgängerbrücke hoch über diesem Fluss. Sie dachte sich, dass dies wahrscheinlich der Zedernfluss war, von dem sie schon einmal gehört hatte. Sie war sich sicher, dass es hier an einem klaren Tag recht malerisch aussehen würde. Wenn das Flusswasser nicht braun und voll von aufgewühlter Erde war. Sie ging weiter und folgte dem Weg in ihrem eigenen Tempo. Es gab viele rutschige Stellen. Sie rutschte ein paar Mal auf dem Holz aus und landete auf ihrem Po. Dann fluchte sie laut und stand wieder auf. Sie ging eine steile Holztreppe hinunter, die ein Geländer hatte. Aber sie war extrem rutschig im Regen. Das ließ sie sich fragen, wer um alles in der Welt gedacht hatte, dass es eine gute Idee wäre, diese Treppe aus Holz zu bauen. Sie konnte sehen, dass die Treppe sicherlich schon ein paar Jahre alt war. Es gab viele rutschige Stellen, an denen Moos oder etwas Ähnliches wuchs. Darauf zu treten war ein gefährliches Spiel mit dem Risiko zu stürzen. Ihr Herzschlag schoss in die Höhe, jedes Mal, wenn ihr Fuß darauf traf, sie ausrutschte und das Gleichgewicht verlor. An einigen Stellen gab es keine Geländer, denn sie wurden als sicher erachtet, da sie nur einen Meter über dem Boden lagen. Aber bei diesem Wetter sah die Sache etwas anders aus. Wynta schrie, als sie auf einen unbekannten rutschigen Teil des Weges trat. Denn ihr Fuß rutschte schnell nach vorne und dann verlor sie das Gleichgewicht beim Versuch, sich zu korrigieren, und stürzte seitlich vom Holzsteg. Ein Bein war irgendwie unten und das andere war noch oben auf dem Steg. Dann ließ sie sich komplett herunterrutschen, saß einfach auf dem schlammigen Boden und hielt sich das rechte Knie, das extrem schmerzte. Ihre Atmung war unregelmäßig, während sie versuchte, mit dem Schmerz umzugehen. Und nun schmerzte auch ihre Brust. Sie wusste, dass sie auch noch andere Verletzungen hatte, aber ihr Knie tat am meisten weh. Sie hatte den Aufprall ihrer Hüfte gespürt und ihr Rücken war am Rand des Holzstegs entlanggeschrammt. Sie konnte außerdem sehen, dass ihre Handflächen bluteten, weil sie versucht hatte, sich festzuhalten, um den Sturz zu stoppen. Es schien, als hatte all das nur dazu geführt, dass sie sich noch mehr verletzt hatte. Wynta hatte keine Ahnung, wie lange sie dort saß und im Regen schluchzte, der um sie herum zu Boden fiel. Sie hatte mehrmals versucht aufzustehen, konnte es aber einfach nicht. Ihr Knie schrie jedes Mal auf und der Schmerz schoss hindurch. Sie sah sich zwar nach Hilfe um, wusste aber eigentlich, dass keine vernünftige Person bei diesem Wetter hier draußen wäre. Sie hatte sich das selbst eingebrockt und in diesem Augenblick hatte sie nicht einmal Mitleid mit sich selbst. Ihr war kalt, sie fühlte sich elend und sie hatte große Schmerzen. Das alles war ihre eigene Schuld. Sie konnte niemandem die Schuld für ihren aktuellen Zustand geben. Sie saß einfach da und wartete, bis der Schmerz auf ein erträgliches Maß abklingen würde. Dann versuchte sie erneut, ihr Knie ein wenig zu belasten. Sie konnte es jetzt, da sie sich etwas beruhigt hatte. Es tat immer noch höllisch weh, aber sie konnte humpeln und setzte ihren Weg fort. Sie hatte bei dem Sturz einen Schuh verloren, zog daher den anderen auch noch aus und ging barfuß weiter. Ihre Wut auf Jared hatte anscheinend den rebellischen Teil in ihr geweckt, der ihre Vernunft aus dem Fenster hatte fliegen lassen. Sie war jetzt aber bereits zu weit auf diesem Pfad, um wieder umzukehren. Also gab es keine anderen Optionen für sie, als einfach weiter vorwärts zu gehen. Schließlich kam sie zu einer Kreuzung auf dem Pfad, die sie zu einem Parkplatz führen würde. Sie bog dort ab, obwohl sie erst etwa auf halber Höhe des Berges war. Aber sie musste einen Unterschlupf finden und vielleicht jemanden, der ihr helfen konnte. Sie hatte vielleicht keinen Wolf, aber war trotzdem ein übernatürliches Wesen. Sie hatte immer noch mehr Ausdauer als ein normaler Mensch und konnte viel kältere Temperaturen ertragen. Ja, sie würde irgendwann der Unterkühlung erliegen, wenn sie zu lange in der Kälte war. Aber es würde viel länger dauern als bei einem Menschen. Ihre Körpertemperatur war höher als die eines Menschen, aber nicht wirklich so hoch wie die eines echten Wolfs. Sie lag irgendwie in der Mitte, was bedeutete, dass sie eine Unterkühlung länger abwehren konnte. Sie hatte nicht die Stärke oder Heilungsfähigkeit von echten Wölfen und sie hatte auch nicht alle gesteigerten Sinne. Sie hatte kein verbessertes Sehvermögen oder Gehör, aber ihr Geruchssinn erlaubte es ihr dennoch, übernatürliche Kreaturen wahrzunehmen. Sie konnte zwischen Rudelwölfen und Abtrünnigen unterscheiden, aber sie konnte nicht zwischen Blutlinien unterscheiden oder bestimmen, wer mit wem verwandt war. Sie schrieb das einfach ihrer eigenen Übernatürlichkeit zu, weil sie es erst wahrnahm, wenn sie in unmittelbarer Nähe war. Im Gegensatz zu echten Wölfen, die über Kilometer hinweg Dinge wittern konnten, konnte sie es nur wahrnehmen, wenn sie ihnen von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand oder wenn sie sich im selben Büro auf derselben Etage befanden. Ihr Geruchssinn hatte nur eine Reichweite von etwa fünfzig Metern. Schließlich erblickte sie das Ende des Weges vor sich und atmete fast erleichtert auf, obwohl ihr der Anblick des Flusses entlang des Weges nicht gefiel. Der Wasserstand war viel höher als normal und der Fluss drückte gegen die Ufer. Aber als sie zum Ende des Pfades schaute, konnte sie in der Ferne Häuser erkennen und auch Notfallhelfer, die dort arbeiteten. Sie machte sich auf den Weg entlang des Pfades und hatte den Wald fast verlassen, als sie ein lautes Geräusch hörte und sich umdrehte, um zu sehen, wie ein Baum entwurzelt wurde und in den Fluss krachte. Sie bewegte sich so schnell sie konnte, als sie sah, wie eine Welle aus dem Fluss aufstieg und ein Wasserstrom auf sie zuraste. Ihr war sofort klar, dass sie nicht ausweichen konnte. Sie wurde vom Wasser erfasst und mit einem lauten Schrei den Pfad hinuntergespült. Sie klammerte sich an irgendetwas und spürte, wie ein Schmerz durch ihre Seite zog, als sie unsanft auf den Parkplatz gespült wurde und gegen einen Holzpfosten stieß, der den Rand des Parkplatzes markierte. Sie war irgendwie halb um ihn geschlungen, während das Wasser über sie hinwegspülte. Sie konnte gerade noch sehen, wie Notfallhelfer auf sie zurannten, als ihre Augen sich schlossen und sie das Bewusstsein verlor.
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