KAELS SICHT Die Stille hielt drei volle Tage an. Wir nutzten jede Stunde davon. Am ersten Morgen nach der Anhörung stand Alisa vor Sonnenaufgang auf und stellte sich mit ihrem Kaffee ans Küchenfenster, um zuzusehen, wie der Nebel vom Talboden aufstieg. Ich gesellte mich wortlos zu ihr, eine Hand ruhte leicht in ihrem Kreuz. Die Verbindung zwischen uns war ruhig, stetig, fast häuslich in ihrer Gewissheit. Sie lehnte sich einen Moment in die Berührung, drehte sich dann um und küsste den Mundwinkel. „Heute graben wir“, sagte sie. Das taten wir. Ich schleppte Flusssteine vom unteren Hang, während sie die Beete mit Pflöcken und Schnur markierte. Die Arbeit war körperlich und klar. Erde unter den Nägeln. Schweiß entlang ihres Rückens, als die Sonne endlich über den Grat kam. Jedes Mal, wen

