ALINA
„Überraschung!“
Eine vertraute Stimme funkelte durch den Raum wie ein Bengalo im Dunkeln.
Ich drehte mich blitzschnell um und sah gerade noch, wie Clara in die Diele wirbelte.
„Was machst du denn hier?“ Ich strahlte.
Als Erik mich an diesem Abend zum Essen eingeladen hatte, hatte ich gedacht, es wäre nur zu zweit.
„Ich habe sie zum Abendessen eingeladen.“ Erik trat vor, ruhig wie immer, das entspannte Lächeln im Gesicht. „Eigentlich habe ich alle eingeladen.“
Er wies weit um sich, und da standen sie – meine beiden Brüder lehnten lässig an der Wand, Mom auf der Couchkante, Clara strahlte, als wüsste sie das größte Geheimnis der Welt.
Moment… warum war plötzlich die ganze Familie an einem zufälligen Donnerstag in der Stadt?
Mein Blick schoss zurück zu Erik.
Er war bereits in die Knie gesunken, die samtige Schachtel öffnete sich in seiner Hand wie ein Zaubertrick.
Der Diamant fing jedes Licht im Raum ein und warf es wie blendende Funken zurück.
„Alina“, sagte er, weich, aber bestimmt, „willst du mich heiraten?“
Mir schlug die Luft aus der Lunge.
Der Raum schwankte.
„Na?“ Sein hoffnungsvolles Grinsen wurde breiter. „Lass mich nicht hier unten hängen.“
Panik durchfuhr mich in heißen, wirbelnden Wellen.
Ich konnte nicht atmen.
Ich konnte nicht nein sagen – nicht bei all den Augen, die erwartungsvoll auf mich gerichtet waren, Augen, deren Freude ich spiegeln sollte.
Ich musste weiterziehen und aufhören, Moritz’ Mund auf meinem zu sehen, seine Hände, seine Versprechen, die zu Asche geworden waren, immer wieder abzuspielen.
Dieses—Erik, dieser Ring, dieses perfekte, sichere Leben—musste die Antwort sein.
Meine Augen suchten Mom.
Sie schenkte mir dieses sanfte, wissende Lächeln – das, das sagte, dass sie den Sturm in meiner Brust durchschaut hatte.
„Na?“ Erik fragte noch einmal, immer noch lächelnd, hoffnungsvoll.
Bis vor fünf Tagen, als diese verdammte Beerdigung alles aufgerissen hatte, war ich zufrieden gewesen.
Ich nickte gezwungen und zwang ein Lächeln, das sich wie splitterndes Glas anfühlte.
Er schob den Ring auf meinen Finger, und ich starrte auf meine Hand, als gehörte sie jemand anderem.
Mein Herz sank.
Das Restaurant summte um uns herum, lebendig vom Klirren der Gläser und Lachen, das nicht meins war. Meine Familie stieß an und jubelte, als hätten wir im Lotto gewonnen.
Ich wollte unter den Tisch rutschen, mich zusammenrollen und verschwinden.
Der Kellner tauchte mit einer Flasche Jahrgangschampagner auf, zog den Korken mit theatralischem Schwung.
Andrea hob zuerst sein Glas.
„Auf ein Leben voller Glück“, erklärte er.
Wir stießen an.
„Moritz“, sagte Clara plötzlich, und alle Köpfe drehten sich.
Da stand er – im Türrahmen, als gehörte der ganze Ort ihm. Schwarzes Hemd, das über die Schultern spannte, Jeans tief sitzend, dunkle Augen, die den Raum absuchten, bis sie auf mir ruhten.
Oh Gott. Nein.
„Hallo“, sagte er, höflich, doch diese Stimme rollte immer noch wie Donner durch mich hindurch.
„Hallo“, widerhallte der Tisch.
Mom hob das Kinn – sie würde lieber woanders atmen, als den Sauerstoff mit ihm zu teilen.
Andrea stand auf. „Es tut mir so leid wegen deiner Mutter.“
„Mein aufrichtiges Beileid“, fügte Matteo hinzu.
Moritz nickte einmal. „Danke.“
Clara erhob sich, drückte ihm einen schnellen Kuss auf die Wange. Er schenkte ihr ein Lächeln – das eine, das seine Rüstung gerade genug aufriss, um mich daran zu erinnern, dass er noch menschlich war.
Ich blieb auf meinem Platz kleben, die Finger weiß vor Anspannung um das Glas gestemmt, brennend danach aufzustehen, ihn zu berühren, meine Lippen über seine Wange streifen zu lassen, so wie Clara gerade.
„Setz dich zu uns“, sagte Matteo fröhlich. „Wir feiern. Alina und Erik haben sich heute verlobt.“
Moritz’ Blick schoss zu mir.
Seine Augen verdunkelten sich – Sturmwolken, die rasch aufzogen.
Mein Gott.